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Kulmbach

Cineplex: Sommer vermiest die Bilanz

Das Kulmbacher Kino verzeichnet für dieses Jahr 15 Prozent weniger Besucher. Die Gründe sind vielschichtig, sagt der Betreiber. Er hofft jetzt aufs Weihnachtsgeschäft.



Als am Valentinstag der dritte Teil von "Fifty Shades of Grey" im Kulmbacher Kino startete, gab es einen regelrechten Run auf die Kasse. Doch bald danach ließen der heiße Sommer, die Fußball-WM und floppende Filme das Kinogeschäft schleppender verlaufen als im Vorjahr. Foto: Archiv
Als am Valentinstag der dritte Teil von "Fifty Shades of Grey" im Kulmbacher Kino startete, gab es einen regelrechten Run auf die Kasse. Doch bald danach ließen der heiße Sommer, die Fußball-WM und floppende Filme das Kinogeschäft schleppender verlaufen als im Vorjahr. Foto: Archiv  

Kulmbach/Bayreuth - Was die Freibäder gefreut hat, verwässert den Kinos die Bilanz. Auch die Cineplex-Filmtheater in Kulmbach und Bayreuth hat der Super-Sommer 2018 erwischt: Die Bilanz des Jahres 2018 wird bei Weitem nicht mit den Besucherzahlen des Vorjahres mithalten. Allerdings blickt Cineplex-Geschäftsführer Michael Thomas optimistisch nach vorne: Das Weihnachts-Filmprogramm ist vielversprechend und im kommenden Jahr werden die Thomas-Filmtheater 100 Jahre alt.

Am 20. Januar gibt es "Kino umsonst"

Jürgen Öhrlein aus Rothwind macht es möglich, dass es in Kulmbach zu besonderen Anlässen und mit besonderen Filmen "Kino umsonst" gibt. Am Sonntag, 20. Januar, 10.30 Uhr, ist es das nächste Mal so weit.

Gezeigt wird "Fahrenheit 11/9" von Michael Moore. Dass die Dokumentation über Donald Trump drei Tage nach ihrem Deutschlandstart in Kulmbach gezeigt wird, ist etwas Besonderes, für das sich Kinochef Michael Thomas besonders eingesetzt hat. Der Film läuft in Kulmbach ausschließlich an diesem Tag im Kino. Wer ihn anschauen will, kann das auch noch tun, ohne Eintritt zu zahlen.

Zum Inhalt des Films: Im November 2016 verändert ein Tag nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt grundlegend, als der exzentrische Milliardär und Republikaner Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gegen die demokratische Favoritin Hillary Clinton gewinnt. Damals rechnete niemand mit seinem Sieg, der einem schmutzigen und krawalligen Wahlkampf folgte. Der oscarprämierte Regisseur Michael Moore ergründet in seinem neuen Dokumentarfilm, wie es passieren konnte, dass der reiche Unternehmer an der Spitze der Macht landen konnte. Moore offenbart die Umstände und Mechanismen, die zum Sieg geführt haben und beschäftigt sich provokant und unterhaltsam mit den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Trumps Machtergreifung. Dabei rechnet er nicht nur mit dem umstrittenen Sieger ab, sondern übt auch besondere Kritik an den Demokraten. Sie haben, das ist eine Botschaft des Films, durch ihr Versagen Trumps Präsidentschaft erst möglich gemacht.


Die Kinobranche allgemein, sagt Michael Thomas, Inhaber und Geschäftsführer unter anderem der Cineplex-Kinos in Kulmbach und Bayreuth, habe kein besonders gutes Jahr hinter sich. Diesem Trend habe sich auch das Kulmbacher Kino nicht entziehen können. 15 Prozent weniger Umsatz seien die Folge. Dass die Geschäfte nicht besonders gut laufen, habe sich bereits nach dem ersten Halbjahr angedeutet. Michael Thomas: "Der Sommer war lang und heiß. Er hat schon im April begonnen und bis Oktober gedauert." Heiße Nachmittage und lauschige Abende sind nicht unbedingt Kino-Magneten. Aber das ist noch nicht alles. Die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer machte sich gleich in zweifacher Hinsicht in der Kinokasse bemerkbar. Die Fußballfans bleiben dem Kino fern und die Filmverleiher starten während einer solchen Zeit keine Top-Filme. Das hält dann auch die fern, die nicht Fußball schauen. "So sind wir gleich doppelt und dreifach gestraft", macht Michael Thomas deutlich.

Und noch einen weiteren Grund führt der Kinobetreiber an. Etliche Filme seien beim Publikum nicht angekommen. "Mit einigen Filmen hatten wir große Erwartungen verbunden, aber der Erfolg blieb aus. So hatten wir bis jetzt eine Enttäuschung nach der anderen. Es waren einfach zu viele negative Einflussfaktoren, die selbst durch ein sehr starkes Engagement der Theaterleitung vor Ort nicht ausgeglichen werden konnten."

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2017 zählte das Kulmbacher Cineplex in seinen vier Sälen noch 58 000 Besucher. Dieses Jahr werden es wohl knapp 45 000 werden. Kassenschlager in Kulmbach wie auch anderswo war in diesem Jahr der Abschluss der Erotik-Trilogie "Fifty Shades of Grey - Befreite Lust". 2504 Besucher, die meisten davon Frauen, schauten sich den Streifen an, der sich weltweit als Kassenschlager erwies, aber fast durchgehend miserable Kritiken erhielt. Kommentieren will Michael Thomas den Film nicht, grundsätzlich sagt er aber: "Der Publikumsgeschmack deckt sich leider oft nicht mit der Qualität. Es ist nicht immer so, dass ein guter Film auch gut Leute zieht."

Zwei deutsche Filme landete dieses Jahr auf Platz zwei und drei in der Publikumsgunst: der Eberhofer-Krimi "Sauerkrautkoma" mit 2002 Besuchern und Bully Herbigs Verfilmung der Ballonflucht von 1979 "Ballon" mit 1527 Besuchern.

"Wir hatten in dem Jahr einen schlechten Lauf", räumt Michael Thomas ein. Bange ist ihm deshalb aber nicht. Jetzt steht Weihnachten an, eine Zeit, in der besonders viele Menschen ins Kino gehen. Und: Kinokarten sind beliebte Weihnachtsgeschenke. Auch das Programm kann sich sehen lassen. "Aquaman" zieht wegen der Action die Männer an und Hauptdarsteller Jason Momoa die Frauen. "Bumblebee" lockt Teenager ebenso wie Erwachsene und Hape Kerkelings "Der Junge will an die frische Luft", der am 25. Dezember startet, verspricht, mehr als nur gut einzuschlagen. Nicht zuletzt dürfte auch die langersehnte "Mary Poppins‘ Rückkehr" für viele Familien ein Grund sein, ins Kino zu gehen.

Grund für Pessimimus besteht nach Aussagen von Thomas nicht: "Wir glauben an den Erfolg des Kinos und an unseren Standort in Kulmbach. In den letzten zwei Jahren haben wir viel investiert und das Foyer neugestaltet. Mit der Einführung der Premiumlogen haben wir einen Wunsch unserer Kunden nach mehr Komfort erfüllt und blicken optimistisch in die Zukunft." Das Geschäft mit dem Verkauf von Gutscheinen läuft weiterhin gut. Diese werden zum größten Teil in den Wochen nach Weihnachten eingelöst.

Dass das zum Kino gehörende Restaurant "Nash" noch immer keinen neuen Pächter gefunden hat, ist laut Michael Thomas zwar kein ausschlaggebender Grund für rückläufige Besucherzahlen im Kino, aber irgendwie gehört auch das dazu. Warum sich kein Betreiber für das zuvor sehr gut gehende Lokal findet, versteht der Kinobesitzer nicht. Sicher sei es schwer, Personal für die Gastronomie zu finden. Aber das "Nash" sei ein attraktives Objekt und "an der Miete kann es nicht liegen".

Mit deutlich größeren Zahlen operiert das Cineplex Bayreuth, wenngleich auch dort weniger Besucher gezählt wurden. Man werde am Ende des Jahres bei rund 260 000 Besuchern landen, was einen Verlust um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeute, als etwa 300 000 Film-Fans im Bayreuther Cineplex gewesen seien, sagt Thomas. Der dritte Teil von "Fifty Shades of Grey" habe im Februar in Bayreuth fast 10 000 Besucher angezogen und war auch dort die Nummer Eins im Kino-Jahr.

"Große Freude" habe die Open-Air-Veranstaltung "Schlossflimmern" im August im Thurnauer Schloss den Kino-Machern gemacht, sagt Michael Thomas. "Auch wenn Open-Air ziemlich viel Arbeit macht, weil man mehr Manpower reinstecken muss. Der Ort ist romantisch, wir werden das im nächsten Jahr fortsetzen, vielleicht sogar mit einem Tag mehr."

Fortsetzung ist auch das Motto im kommenden Jahr, das ein besonderes für Thomas’ Unternehmen ist: Zum 100. Firmenjubiläum wolle man die schon länger geplante und jetzt überarbeitete Aufstockung des Bayreuther Cineplex angehen. Eine Bauvoranfrage hat den Bauausschuss des Bayreuther Stadtrats bereits passiert. Die Pläne sehen vor, das Cineplex auf dem Parkhaus zu erweitern. "Fünf Säle sollen dazukommen, im Grunde genommen kommt da ein komplett neues Kino drauf. Ein eigener Komplex, der angedockt wird an die oberste Park-Ebene, und dort auch seinen Haupteingang haben wird." Man wolle fünf hochkomfortable Filmsäle bieten, die mit Liegesitzen, mit Sofas und allem erdenklichen Komfort ausgestattet sein sollen. Im weiten Umkreis gebe es eine ähnliche Kino-Idee noch nicht.

Wir glauben an den Erfolg des Kinos und an unseren Standort in Kulmbach.


zitat

Kinobetreiber Michael Thomas


Autor

Eric Waha, Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
20. 12. 2018
17:18 Uhr

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Eric Waha, Melitta Burger

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20. 12. 2018
17:18 Uhr



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