Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Kulmbach

"Da wird einem schon Angst"

Karl-Heinz Schneider spricht über seine Gefühle im Zusammenhang mit rechtsradikalen Umtrieben in seinem Heimatort. Vom Staat hätte sich der Schwarzacher mehr Unterstützung erhofft.



Interview: Karl-Heinz Schneider
Interview: Karl-Heinz Schneider  

Herr Schneider, vor einem Jahr bestand die Hoffnung, es würde bei einem einmaligen Auftritt Rechtsradikaler in Schwarzach bleiben. Jetzt findet der dritte Umtrieb statt. Welche Gefühle bewegen Sie als gebürtigen Schwarzacher und politisch aktiven Menschen?

Die Gefühle sind zwiespältig. Einmal, weil das jetzt schon wieder stattfindet und der Verpächter der Wiese nicht zur Vernunft zu bringen ist. Auf der anderen Seite bin ich sehr angetan, was in unserem Dorf an Gegenveranstaltungen passiert. Ich habe unseren Marktplatz noch nie so voll gesehen. Die Schwarzacher haben die richtige Antwort gegeben. Das macht mich stolz. Gegen solche Umtriebe muss man aktiv sein.

Aus welchem Grund?

Die Demokratie stirbt an der Sprachlosigkeit der Demokraten. Dagegen muss man etwas tun, Flagge und Gesicht zeigen und man muss sagen, dass man denen das nicht durchgehen lassen will. Gegen das Thema Rechtsradikalismus muss man von Anfang an aufstehen.

 

Es hat den Anschein, als konzentrierten sich die Neonazis in letzter Zeit verstärkt auf Oberfranken?

Ich glaube, die haben Oberfranken tatsächlich zu einer Art Experimentierfeld auserkoren, auf allen Ebenen mit allen Mitteln aktiv zu werden. Das ist schon deutlich wahrnehmbar. Aber wenn wir gemeinsam dagegen aktiv angehen, dann werden wir sicherlich auch damit fertig.

 

In Schwarzach äußern Bürger die Befürchtung, der Bauer, der jetzt "nur" seine Wiese zur Verfügung stellt, könnte irgendwann auch seinen Bauernhof an Nazis vermieten oder gar verkaufen. Teilen Sie diese Angst, dass Schwarzach zu einem zweiten Oberprex werden könnte?

Das ist sicherlich eine Sorge, die alle umtreibt, mit denen ich gesprochen habe. Deswegen haben wir uns ja auch so vehement ins Zeug gelegt, um denen von Anfang an zu zeigen, sie sind bei uns in jederlei Hinsicht unerwünscht. Dieses Signal muss jederzeit ausgehen und damit ist dann hoffentlich auch eine gute Basis geschaffen, um das zu verhindern. Aber ich teile die Befürchtung, dass die mehr im Schilde führen.

Nach zweimaligen Auftritten der NPD ist jetzt erstmals mit dem "Bund Frankenland" eine Gruppierung nach Schwarzach gekommen, die von den Behörden noch eine ganze Stufe radikaler eingeschätzt wird. Ist das für Sie ein besonderer Anlass zur Sorge?

Natürlich ist das nochmal eine Steigerung. Jetzt sind auch aktive Schläger dabei. Ich bin am Freitagabend mit dem Fahrrad dort unten am Radweg vorbeigefahren. Die haben sofort fünf Suchscheinwerfer auf mich losgelassen. Da wird einem schon Angst, wenn man nicht mehr mit dem Rad ganz normal am Weg fahren kann. Hier ist aber auch der Staat gefordert. Das ist nichts mehr, dem sich eine Zivilgesellschaft alleine entgegenstellen kann. Seinen Aufgaben wird aber der Staat bisher noch lange nicht gerecht.

 

Was müsste der Staat tun?

Die Kundgebung in Schwarzach hätte es nicht gebraucht. Die Zufahrt zu dieser Wiese ist nur für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. Die Genehmigungsbehörde hat die Zufahrt aber eigens geöffnet. Das ist schon eine schwere Hypothek, die für mich sicherlich auch noch Nachfragen zur Folge haben wird.

 

Ist das ein konkreter Vorwurf gegen das Kulmbacher Landratsamt?

Das ist aus meiner Sicht schon ein Vorwurf. Man hätte das auch anders machen können.

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 09. 2012
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angst Demonstrationen Hypotheken Karl Heinz NPD Nationalsozialisten Neonazis Oberfranken Radwege Tod und Trauer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Zum 110-jährigen Bestehen hat die Soldatenkameradschaft 32 Mitglieder für jahrzehntelange Treue und Engagement in der Kameradenvereinigung ausgezeichnet. Unser Bild zeigt die Geehrten im Kreise der Ehrengäste mit Bürgermeister und Schirmherrn Roland Wolfrum, stellvertretendem Landrat Dieter Schaar, BKV-Bezirksvorsitzendem Gottfried Betz und Kreisvorsitzendem Georg Spindler.

03.11.2019

Seit 110 Jahren Mahner für den Frieden

Dass die Fahne der Soldatenkameradschaft Zaubach heute noch existiert, ist ein Verdienst der Familie Spindler. Die Gastwirte haben sie einst vor den Nazis versteckt. » mehr

Freie Fahrt für den Familienausflug: Nicht störte die Radfahrer wie hier auf der Strecke zwischen Trebgast und Waizendorf. Fotos: Hübner

06.05.2019

Freie Fahrt im Weißmaintal

Autos hatten gestern zwischen Kauerndorf und Trebgast nichts zu suchen. Zuvor hatte der Krisenstab wegen des Wetters am Samstag sogar über eine Absage nachgedacht. » mehr

Adolf Hildner aus Stadtsteinach kann nicht verstehen, warum das Ansehen der Landwirte in der Gesellschaft so schlecht geworden ist. Ein Bauer, sagt er, habe einen so vielfältigen und verantwortungsvollen Beruf. Fotos: Melitta Burger

22.10.2019

Für Kulmbacher Bauern ist das Maß voll

Frühmorgens trafen sich Landwirte in Unterbrücklein, um gemeinsam zur großen Demo nach Bayreuth zu fahren. Sie wollen auf ihre Misere aufmerksam machen. » mehr

Die Streckenführung für die beiden Abschnitte des neuen Radwegs ist in der Karte eingezeichnet.

19.11.2019

Neuer Radweg führt durchs Grüne

Startschuss für den Geh- und Radweg zwischen Lösau und Kirchleus. Mit der 1,5 Millionen teuren Maßnahme wächst das Radwegnetz zwischen Kulmbach und Kronach. » mehr

Karl Strauß 1914: Der Kulmbacher Viehhändler meldet sich bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges freiwillig zu den Fahnen.

19.09.2019

Gesichter jüdischer Mitbürger

Am Montag wird in der Buchhandlung Friedrich eine Ausstellung mit Fotos von Kulmbacher Juden eröffnet. Bearbeitet hat die Bilder Manfred Ströhlein. » mehr

Am belebten Partnerschaftsplatz wird es künftig noch lebendiger.

14.11.2019

Himmelkron bekommt einen Wasserspielplatz

Viele Familien nutzen den Partnerschaftsplatz in der Gemeinde. Die Kinder werden das künftig noch lieber tun. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lehrermedientag 2019 Hof

Lehrermedientag 2019 | 20.11.2019 Hof
» 58 Bilder ansehen

Susis Blaulichtparty Weißenstadt

Susis Blaulichtparty | 16.11.2019 Weißenstadt
» 47 Bilder ansehen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 Garmisch-Partenkirchen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 | 17.11.2019 Garmisch-Partenkirchen
» 29 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 09. 2012
00:00 Uhr



^