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Kulmbach

Das Wirtshaus vom "Wehners Nickel"

Das waren noch Zeiten. Dereinst gab es in der Blaich acht Gaststätten, zwei in Unterpurbach. Eines gehörte einem passionierten Jäger.



Das Gasthaus Wehner in Unterpurbach, das letzte Gebäude links. Davor der markante Kohlenbunker, gegenüber die mehre hundert Meter lange Fabrikmauer von Sauermann.	Repros: Helmut Geiger
Das Gasthaus Wehner in Unterpurbach, das letzte Gebäude links. Davor der markante Kohlenbunker, gegenüber die mehre hundert Meter lange Fabrikmauer von Sauermann. Repros: Helmut Geiger   » zu den Bildern

Kulmbach - Die große Konkurrenz in der Blaich war nur 250 Meter entfernt: Das waren der "Klosterkeller", die "Schmiede" und die "Sauermanns Gaststätten", vormals Johann Martin Hahn. Wenn man vom Blaicher Platz den Weg in Richtung Unterpurbach einschlug und den Kohlenbunker der Fleischfabrik Sauermann passierte, dann war linkerhand das mehrstöckige, gelb gestrichene Gebäude nicht zu übersehen. Früher die Hausnummer 3, trägt es jetzt die Nummer 17. Zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Stock prangte in großen Lettern, schwarz auf weißem Grund, "Gastwirtschaft Nikolaus Wehner". Es war das achte Wirtshaus in der Blaich und das zweite in der Unterpurbach.

Das stattliche Haus entstand Ende der 1870er-Jahre und bildete zunächst den Abschluss der Bebauung in Richtung Oberpurbach. Die weiteren Häuser entstanden erst um die Jahrhundertwende. Wie konnte da anfangs nun der "Nickel" mit seinem Wirtshaus überhaupt existieren? Als gelernter Metzgermeister musste er nicht vom Bierausschank leben. Er hatte eine gute Anstellung im Hause Sauermann und war ein geschätzter Mitarbeiter. So sehr, dass ihm zu Ehren, der damalige Inhaber Heinrich Sauermann anlässlich des 25. Dienstjubiläums Wehners am Sonntag, 1. März 1902, eine "Abendunterhaltung" in der Hahn'schen Gastwirtschaft veranstaltete. Dann war Wehner auch noch Mitglied im "Fleischergehilfen-Verein der Sauermann-Werke. Kein Wunder also, dass sich seine Kollegen zum abendlichen Dämmerschoppen bei ihm zusammensetzten und nicht in der näher gelegenen "Schmiede". Zum Ausschank gelangte das Bier der Brauerei Gebrüder Fleischmann und ab 1910 das der Markgrafenbräu. So gesehen, war Nikolaus Wehner kein armer Mann. Und im weiteren Verlauf von Unterpurbach gehörten ihm einige Grundstücke, die im Jahre 1897 in Parzellen aufgeteilt, verkauft und mit schmucken Backsteinhäusern bebaut wurden, unter anderem auch ein weiteres Wirtshaus, dem "Hullwegs Ordl". So konnte es sich der "Nickel" als passionierter Jäger durchaus leisten, seinem Hobby zu frönen und sich einen eigenen Jagdbogen anzupachten.

In Ermangelung von Fernsehen und anderen Unterhaltungsmöglichkeiten unserer heutigen Zeit, spielte sich das gesellschaftliche Leben in den Kneipen ab. So gab es natürlich auch bei Wehner auch einen Stammtisch, die "Tischgemeinschaft zum tiefen Graben". Die Kirchweih, die er am gleichen Wochenende wie die meisten seiner anderen Blaicher Kollegen feierte, war der Höhepunkt des Jahres. Auf der wechselnden Karte wurden von Freitag bis Montag Siedwürste, Schüpf, Kaffee und Gebäck, Bratwürste sowie Gans- und Rehbraten angeboten. Dann musste eine Kegelbahn her. An der Rückseite seiner Häuser Unterpurbach 15 und 17 entstand die neue Sportanlage im Jahre 1905. Nun hatten zwei von acht Wirtshäusern in der Blaich eine solche Einrichtung. Im Jahre 1913 schließlich errichtete der Pferdeliebhaber Wehner eine Remise für seine Vierbeiner.

Plötzlich und unerwartet verstarb Nikolaus Wehner am 17. September 1913 im Alter von 52 Jahren. Nun führte seine Witwe Lina das Wirtshaus weiter und lud auch noch zur Blaicher Kirchweih 1914 ein. Aber dann wurde das Anwesen verkauft, die Wirtschaft geschlossen. Die Erbengemeinschaft hatte in der Wurstfabrik Sauermann einen zahlungskräftigen Käufer gefunden.

Erst im Zuge der Liquidation der Firma Sauermann in den 1970er-Jahren ging das Anwesen wieder in den Besitz der Familie Wehner zurück. Der Enkel von Nikolaus Wehner, Friedrich Wehner, wurde der neue Besitzer. Der Schriftzug "Gastwirtschaft Nikolaus Wehner" verschwand erst, als das Haus Ende der 1980er-Jahre einen neuen Anstrich erhielt.

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Helmut Geiger

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Veröffentlicht am:
03. 01. 2018
17:51 Uhr

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03. 01. 2018
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