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Kulmbach

Dem JUZ fällt die Decke auf den Kopf

Weil der Betrieb während der Sanierungsarbeiten zu gefährlich wäre, schließt das Jugendzentrum vorübergehend Ende des Jahres. Jetzt wird eine Übergangslösung gesucht.



Im JUZ in der "Alten Spinnerei" ist jede Menge los. Ob Kinder gemeinsam Muffins backen oder abends eine Band ein Konzert gibt: Das Programm ist umfangreich. Jetzt braucht das JUZ eine neue Bleibe. Für etwa eineinhalb bis zwei Jahre muss ein Übergangsquartier gefunden werden, weil der Betrieb während des Baus des neuen Kunst- und Kulturzentrums nicht sicher gewährleistet ist. Foto: JUZ
Im JUZ in der "Alten Spinnerei" ist jede Menge los. Ob Kinder gemeinsam Muffins backen oder abends eine Band ein Konzert gibt: Das Programm ist umfangreich. Jetzt braucht das JUZ eine neue Bleibe. Für etwa eineinhalb bis zwei Jahre muss ein Übergangsquartier gefunden werden, weil der Betrieb während des Baus des neuen Kunst- und Kulturzentrums nicht sicher gewährleistet ist. Foto: JUZ   » zu den Bildern

Kulmbach - Stefan Lehner, der Leiter des Kulmbacher Jugendzentrums "Alte Spinnerei" ist nicht unbedingt erfreut, aber auch nicht verzweifelt. "Aus jedem Ende wird auch wieder eine neuer Anfang entstehen", sagt er. "Das Schlimmste wäre, wenn die Jugendarbeit in der Stadt ganz eingestellt würde. Aber dem ist ja nicht so", betont Lehner. Das Team des JUZ will nun alles tun, um mitzuhelfen, dass der Betrieb möglichst ganz ohne Unterbrechung weitergehen kann. Fakt ist aber: Am 31. Dezember wird die "Alte Spinnerei" vorerst schließen. Dann beginnen die Sanierungsarbeiten an dem Gebäude und der Ausbau des geplanten Kunst- und Kulturzentrums. Ob während des Baus das JUZ in seinen Räumen bleiben kann, war schon länger fraglich. Jetzt ist aber klar: Die Baustelle birgt zu viele Gefahren. In dem Stockwerk über dem JUZ muss mit schwerem Gerät gearbeitet werden. Es könnte durchaus sein, dass dem JUZ buchstäblich die Decke auf den Kopf fällt.

Die Stadt Kulmbach hat vor geraumer Zeit angekündigt, die bislang leer stehenden Flächen im Stockwerk oberhalb des Jugendzentrums "Alte Spinnerei" zu einem Kunst- und Kulturzentrum für heimische Vereine und Verbände auszubauen, teilt die Stadtverwaltung mit. Simon Ries, Büroleiter von OB Henry Schramm, erklärt, warum: "Da nicht ganz abzusehen war, wie sehr die baulichen Eingriffe das Jugendzentrum beeinträchtigen würden, hatten Stadt, Kreisjugendring und Landkreis den Kooperationsvertrag im letzten Jahr vorläufig nur bis zum 31. Dezember 2018 verlängert. In der Konkretisierung der Planung hat sich nunmehr gezeigt, dass die Decke zwischen den Räumen der 'Alten Spinnerei' und dem Obergeschoss nur mit einer massiven Verstärkung und umfangreichen statischen Maßnahmen ertüchtigt werden kann." Das ist laut Simon Ries aber noch nicht alles. "Hinzu kommen umfangreiche Eingriffe in Brandschutz oder die Fluchtwege." Weil diese Arbeiten nach Einschätzung der Fachplaner mit erheblichen Risiken verbunden seien, könne aus Gründen der Sicherheit für die Besucher und Mitarbeiter der Betrieb des Jugendzentrums während der Bauarbeiten nicht aufrechterhalten bleiben. Es bestehe sogar die Möglichkeit von Deckendurchbrüchen.

Ziel sei es, das Kunst- und Kulturzentrum im Lauf des Jahres 2020 fertig zu stellen, heißt es in der mit dem Landkreis Kulmbach abgestimmten Mitteilung. Dann könnten die Räume teilweise auch interimsmäßig und vorübergehend von der Uni Bayreuth mitgenutzt werden, bis der eigentliche Uni-Campus fertiggestellt ist.

Stadt, Landkreis und Kreisjugendring haben sich deshalb in ersten Abstimmungsrunden darauf verständigt, den Betrieb des Jugendzentrums "Alte Spinnerei" vorübergehend einzustellen und gemeinsam kurzfristig Alternativen für eine interimsmäßige Unterbringung zu finden. Sobald entsprechende Vorschläge und Konzepte vorliegen, werden sich die Gremien mit dem weiteren Vorgehen beschäftigen, versprechen die Verantwortlichen. Das JUZ und seine Zukunft sind auch Thema in der Septembersitzung des Kulmbacher Stadtrats. Möglicherweise gibt es dann bereits erste Pläne, wie es nach dem 31. Dezember weitergehen wird, sagt Simon Ries.

Die Schließung, betont OB Henry Schramm, sei nur vorübergehend und in erster Linie den Sicherheitsbedenken geschuldet, die die Architekten wegen der anstehenden Bauarbeiten geäußert haben. Anschließend könne, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, das JUZ wieder in seine Räume zurückkehren. Die Stadt wolle aber die Räumlichkeiten wie den Veranstaltungssaal neben dem JUZ auch noch anderen Nutzern zur Verfügung stellen.

Schon seit vielen Jahren teilen sich die Stadt Kulmbach und der Landkreis Kulmbach die Kosten für dieses Jugendzentrum, dessen umfangreiches Programm einzigartig in der gesamten Region ist. Der Kreisjugendring ist dabei neben den drei hauptamtlichen Kräften im JUZ mit für die Programmgestaltung und Konzeption verantwortlich.

Nachdem nun seit Ende Juli endgültig feststehe, dass der Betrieb des JUZ und die nötigen Bauarbeiten in dem Gebäude aus Sicherheitsgründen nicht miteinander vereinbar sind, habe man sich überlegen müssen, wie man mit der Situation umgehe, sagte Landrat Klaus Peter Söllner gegenüber der Frankenpost . Es habe zwischenzeitlich sowohl Gespräche zwischen ihm und OB Schramm wie auch zwischen Stefan Lehner vom JUZ, Jürgen Ziegler vom Kreisjugendring und Vertretern der Stadt Kulmbach gegeben. Übereinstimmend seien alle zu dem Ergebnis gekommen, dass an der vorübergehenden Schließung der Einrichtung kein Weg vorbeiführe.

Wie es konkret weitergehen wird mit dem JUZ sei derzeit noch nicht abschließend geklärt, informiert der Landrat. Die Vertragsverlängerung im vergangenen Jahr sei auch deshalb nur für ein Jahr erfolgt, weil man damals schon absehen konnte, dass es womöglich Probleme geben wird. Es sei, sagt der Landrat, auch angedacht, die Konzeption der Jugendarbeit grundsätzlich neu zu ordnen.

Damit spricht der Landrat ein Thema an, das schon seit Jahren immer wieder die Politik beschäftigt. Weil gerade rund um das JUZ ein Brennpunkt entstanden ist, diskutiert man in Kulmbach über Streetworker, die dort eingesetzt werden sollen. Eine Neuordnung könnte auch diesen Forderungen gerecht werden. Ein Patentrezept habe man noch nicht, sagt Klaus Peter Söllner. Es gebe derzeit auch noch kein Ausweichquartier für das Jugendzentrum. Der Kreisjugendring habe bereits den Auftrag, Standorte zu suchen.

Das hauptamtliche Team des JUZ muss sich um seine Arbeitsplätze keine Sorgen machen, selbst wenn der Betrieb einige Monate ruhen sollte, erklärt Stefan Lehner. Auch er hilft mit bei der Suche nach einem Ausweichquartier. Das muss natürlich keine rund 1700 Quadratmeter Fläche haben. Zur Überbrückung gehe es auch mit einem Cafe und ein paar Räumen drumherum, sagt Lehner. "Wir sind dankbar, dass wir bisher ein so großes Haus hatten. Jetzt müssen wir uns halt anpassen. Hyperventilieren hilft hier jetzt nichts. Wir müssen die Situation nun ordentlich analysieren und dann sehen, welche Ressourcen es gibt." Größere Angebote wie der Indoorspielplatz müssten während der Übergangszeit allerdings wohl Pause machen.

Autor

Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
04. 09. 2018
17:28 Uhr

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04. 09. 2018
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