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Kulmbach

Dem Tod ein Schnippchen schlagen

Die Dorfbühne Marktschorgast wagt sich im Jubiläumsjahr an einen bayerischen Klassiker: den "Brandner Kaspar". Das Publikum bei der Premiere ist begeistert.



Mit großem Erfolg wagte sich die Dorfbühne Marktschorgast an den bayerischen Komödienklassiker "Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben". Im Bild (von links): der Boanlkramer (Thomas Lengel) und der Brandner Kaspar Claus Linhardt. Foto: Werner Reißaus
Mit großem Erfolg wagte sich die Dorfbühne Marktschorgast an den bayerischen Komödienklassiker "Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben". Im Bild (von links): der Boanlkramer (Thomas Lengel) und der Brandner Kaspar Claus Linhardt. Foto: Werner Reißaus  

Marktschorgast - Die Dorfbühne Marktschorgast spielt seit 20 Jahren mit großem Erfolg Laientheater auf hohem Niveau. Im Jubiläumsjahr sollte es nicht die übliche Komödie, sondern etwas Anspruchsvolleres sein. Die Wahl der Verantwortlichen fiel dabei auf "Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben". Das Wagnis ist geglückt: Die Schauspieler der Dorfbühne Marktschorgast um Regisseur Andreas Gebel zeigten sich bei der umjubelten Premiere von ihrer besten Seite. Doch es waren nicht nur die schauspielerischen Leistungen aller Akteure, die die Besucher begeisterten, sondern vor allem die Inszenierung, die mit sehr viel Einfallsreichtum und auch Mut auf die Bühne gezaubert wurde.

Weitere Termine

Die weiteren Aufführungen sind

am Freitag, 29. März, Samstag,

30. März, Freitag, 5. April, Samstag, 6. April, und Freitag, 12. April, jeweils 20 Uhr in der Turnhalle am Kapellenberg. Karten gibt es im

Internet unter www.dorfbuehne- marktschorgast.de und unter

Telefon 09227/9469891.


Der "Brandner Kaspar" ist eine literarische Figur aus einer Erzählung von Franz von Kobells, die aus Oberbayern stammt und bereits 1871 veröffentlicht wurde. Die Titelfigur betrügt den als Person auftretenden Tod und ergaunert sich zusätzliche Lebensjahre. Dadurch entsteht zwar einige Verwirrung in der himmlischen Ordnung, doch am Ende wird der Kaspar von den Segnungen der ewigen Glückseligkeit überzeugt. Der "Brandner Kaspar" zählt ohne Zweifel zu den schönsten bayerischen Theaterstücken. In der Geschichte wird deutlich, dass niemand unfehlbar ist, nicht einmal der Boanlkramer, der die Aufgabe hat, jeden ins ewige Reich zu begleiten, dessen Uhr abgelaufen ist. Und diese Rolle übernahm bei der Dorfbühne Thomas Lengel. Eine Glanzrolle für den erfahrenen Laienschauspieler, der auch schon auf größeren Bühnen sein Talent zeigte. Die Rolle des Boanlkramers war Thomas Lengel wie auf den Leib geschrieben.

Der Boanlkramer ist der Tod, der die Menschen erlöst und sie in den Himmel führt. Durch diese Fahrten ist ihm häufig kalt, weshalb er auch den Kirschgeist beim "Brandner Kaspar" gerne annimmt. Trotz seiner göttlichen Aufgabe ist er bei den meisten Sterblichen gefürchtet und verhasst - und wegen seiner schwierigen Aufgabe eigentlich bemitleidenswert.

Und der einzige Mensch, der zu ihm freundschaftliche Gefühle hegt, ist der Brandner Kasper. Der Boanlkramer lenkt einen Schuss, der für den Brandner gedacht war, nicht ins Herz, sondern als Streifschuss an das Ohr. Für den Boanlkramer war es im Nachhinein betrachtet ein Fehler, und deshalb unternimmt er alles, um diesen rückgängig zu machen.

Der Tod besucht den Brandner Kaspar also in dessen Hütte, um ihn zu bewegen, freiwillig mitzukommen. Mit einem Kartenspiel und ein bisschen Kirschgeist erschleicht sich der Kaspar allerdings noch einige Jahre - zum Leidwesen des Boanlkramers. Zunächst bleibt das im Himmel unbemerkt, doch als Marei, Kaspars Enkelin, ins Paradies darf, fliegt der Schwindel auf, und der Boanlkramer muss alles zurechtrücken. Das allerdings ist kein einfaches Unterfangen - doch schließlich schafft er es mit einer tüchtigen Portion Bauernschläue.

Im gleichen Atemzug mit Thomas Lengel muss Claus Linhardt genannt werden, der als Brandner Kaspar ebenfalls eine Idealbesetzung ist. Überhaupt ist es der Vorsitzenden der Dorfbühne Marktschorgast, Tatjana Lengel, in Zusammenarbeit mit Regisseur Andreas Gebel gelungen, die Darsteller passend zu ihren Charakteren mit der richtigen Rolle zu besetzen, wie etwa die Marei und den Flori, die von Elke Sacha und Marc Benker verkörpert wurden. Marei, die sich rührend um ihren Großvater kümmert, und Flori, der als Wilderer sein Geld verdient. Ronny Metzner spielte den Simmerl, ein Jäger im Dienste des Fürsten, dessen Schießkünste zu wünschen übrig lassen. Er hat obendrein ein Auge auf Marei geworfen, die aber hoffnungslos in Flori verliebt ist.

Ulli Popp spielt die selbstbewusste Bürgermeisterin, und Andrea Sengenberger wird gleich mit zwei Rollen fertig, als Therese und Afra. Eine Klasse für sich waren die Darsteller des Himmels mit Ralph Händler als Petrus an der Spitze und Manfred Klückmann als Nanntwein, der seine Aufgaben fleißig erledigt und mit seinen Mitmenschen fast nur lateinisch spricht. Fehlen noch Leon Metzner als Erzengel Michael und Anna-Marija Lengel als Turmair.

Ein Sonderlob verdienen sich auch die Bühnenbauer mit Markus Pfeiffer, Thomas Lengel, Oswald Popp und Claus Linhardt, denn die wunderbare Konstruktion des Himmels wurde eigenes mit einem Statiker und einem Schreiner entworfen. Tatjana Lengel dazu: "Der Bühnenbau dauerte intensive drei Monate. Es wurden drei Kubikmeter Holz verbaut, 50 Quadratmeter OSB-Platten, 2000 Schrauben, 100 Quadratmeter Stoff und 1100 Meter Kabel." Mitgearbeitet haben auch Markus Pfeiffer für die Technik, Kerstin Linhardt als Souffleuse und Wolfram Müller-Bröder für die Kostüme.

Autor

Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
27. 03. 2019
17:00 Uhr

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Werner Reißaus

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Veröffentlicht am:
27. 03. 2019
17:00 Uhr



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