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Kulmbach

Der "Hohner'sch Odl"

Mit Herzblut hat Waltraud Sommer die Gaststätte ihres Urgroßvaters bis zu ihrem Tod geführt. Der Hausname beruht auf ihrem Großvater Adam.



Der "Hohner’sch Odl" in der Kulmbacher Straße 5 in Stadtsteinach. Stolz ziert die Schrift "Kommunbräu Hohner" das Haus. Der Eingang war früher zur Straße hin, jetzt ist er aus Sicherheitsgründen seitlich. Vorne im Bild die letzte Wirtin Waltraud Sommer, die in diesem Jahr ebenfalls verstarb.	Fotos: Archiv Sesselmann
Der "Hohner’sch Odl" in der Kulmbacher Straße 5 in Stadtsteinach. Stolz ziert die Schrift "Kommunbräu Hohner" das Haus. Der Eingang war früher zur Straße hin, jetzt ist er aus Sicherheitsgründen seitlich. Vorne im Bild die letzte Wirtin Waltraud Sommer, die in diesem Jahr ebenfalls verstarb. Fotos: Archiv Sesselmann   » zu den Bildern

Stadtsteinach - Wenn man die Familiengeschichte des Namens Hohner auf einen Nenner bringen möchte, so erscheint das fast unmöglich. Denn in unserer Gegend war der Name früher überall vertreten. Es wird kaum eine Ortschaft ohne diesen Namen im alten Landkreis Stadtsteinach geben. Gehäuft tritt er allerdings in Triebenreuth vor dem Jahr 1700 mit 100 Nennungen in der dortigen Genealogie auf. In Wartenfels und Umgebung und in Ludwigschorgast gab es den Namen bereits vor 1800 und in Stadtsteinach findet man den Namen 190 Mal im Bürgerbuch.

 

Ein Wildensteiner: Im Jahre 1810 taucht ein Schuhmacher Johann Hohner aus Wildenstein, verheiratet mit einer Barbara Tittel aus der Kapellmühle, in der Forstamtstraße 7 in Stadtsteinach auf. Unter den Hohners in unserer Gegend gab es auffällig viele Schuster. Johann Hohners Sohn Eduard Hohner heiratete eine Katharina Bauerschmidt und zog mit ihr in die Kulmbacher Straße 5. Dort war er als Landwirt und Wirt tätig. Die Wirtsstube war sicherlich schlicht, das Gebäude einstöckig und man dachte von außen eher an einen Bauernhof. Eine seiner Töchter heiratete in die benachbarte Gastwirtschaft Schott (heute Ploner), die andere heiratete den Dentisten und Friseur Georg Ploner aus Herzogenaurach, der seinen Laden im Haus Marktplatz 7 hatte. Mittlerweile wurde ein weiteres Stockwerk errichtet und die Gastwirtschaft wurde immer mehr zum Mittelpunkt. Zwei Söhne sind wahrscheinlich nach Amerika ausgewandert. Der weitere Sohn Adam Hohner, der Namensgeber des Hausnamens, übernahm im Jahr 1916 den elterlichen Hof mitsamt Bierwirtschaft.

 

Der Namensgeber: Adam Hohner, genannt "Hohner’sch Odl" (1882 bis 1954) heiratete 1912 Katharina Schmidt aus Unterzaubach 15, und er nannte sich nicht nur Wirt, sondern auch Kommunbrauer. Das Bier wurde im Kommunbrauhaus in der Braugasse (heute Bahnhofstraße) gebraut. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es sieben Wirte und Brauer, später noch vier, die von 1864 bis 1942 dort abwechselnd ihr eigenes Bier nach eigenen Rezepten brauten. Anschließend wurden die Fässer in Keller gebracht, und wenn es aufgebraucht war, musste man wieder zum Brauen in die Kommunbräu. Adam Hohner meldete mit seinem Bier sogar eine eigene Brauerei an, und von 1930 bis 1942 konnte man Hohner-Bier kaufen. Nachdem es gebraut war, transportierte er den Gerstensaft in seine Lagerkeller am Lindenweg. Im Ortsteil Höfles gab es drei große Teiche, aus denen die Kommunbrauer ihren Eisvorrat besorgten. Ein-Liter-Maßkrüge mit dem Schriftzug "Adam Hohner Stadtsteinach" oder auch "Kommun-Bräu H. Lorber Stadtsteinach" (Kronacher Straße 17) werden heutzutage mit bis zu 1000 Euro gehandelt. Bierdeckel aus dieser Zeit sind gesuchte Sammlerstücke.

 

Die Ära Anna Hellmuth: Zwei Söhne von Adam Hohner verließen Stadtsteinach. Walter zog nach Marienweiher und Eduard nach Altenkunstadt. Die älteste Tochter Anna heiratete 1935 Adam Hellmuth aus Berneck, der später in der Brauerei Schübel im Büro tätig war. Im Jahre 1948 wurde nun Anna Hellmuth für die nächsten 50 Jahre die Wirtin. In dieser Zeit war die Hochblüte beim "Hohner’sch Odl", dessen Name bis heute geblieben ist. Das Bier wird seit 1942 von der Brauerei Schübel geliefert und die Stammtische sorgten dafür, dass die Stube immer voll war.

Wenn der Senioren-Stammtisch unter der Federführung von Heinrich Schramm tagte, waren alle Plätze belegt. Jeder Stanicher versuchte, zu diesem erlauchten Kreis dazuzugehören, denn es galt als Ehre, bei der Wirtin Anna einen, besser gesagt, seinen Krug auf dem Brett unterhalb der Decke zu deponieren.

Auch der "Fußball Club 1930", ab 1952 Turn- und Sportverein, war Dauergast in der Gaststätte Hohner, war doch der Ehemann der Wirtin, Adam Hellmuth, ein langjähriger Funktionär bei den Fußballern. So waren Vorsitzender Konrad Bauerschmidt mit Max Köhler, Hans Heiß, Georg Schübel, Josef Heiß und Albert Breiden und weiteren Sportlern gerne bei Sitzungen beim "Odl".

 

Die eiserne Wirtin: Seit dem Tod von Anna Hellmuth im Jahre 2007 führte deren Tochter Waltraud Sommer die Traditionsgaststätte mit Herzblut weiter. Sie überlegte nicht lange, obwohl sie das Rentenalter schon erreicht hatte. Sie sah sich in der Pflicht, eisern für die treuen Gäste da zu sein. Viele Stadtsteinacher waren froh, dass ihr "Odl" immer noch offen stand, und so kamen viele treue Gäste, um die gemütliche Atmosphäre zu genießen. War doch das Wirtshaus früher ein Treffpunkt, um Information auszutauschen, Neuigkeiten zu erfahren oder gar Geschäfte auszuhandeln.

Für viele war es einfach ein Muss, nach dem Gottesdienst noch in die "klaa Kerng" zu gehen und den sonntäglichen Frühschoppen bei der Waltraud zu pflegen. Nachdem Waltraud Sommer in diesem Jahr verstarb, schloss in Stadtsteinach wieder einmal eine Gaststätte für immer ihre Tore.

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Siegfried Sesselmann

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Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
17:48 Uhr

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Siegfried Sesselmann

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08. 11. 2019
17:48 Uhr



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