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Kulmbach

Der Hühnerstall auf vier Rädern

Die Bauernfamilie Kaßel aus Windischenhaig hat sich ein weiteres Standbein geschaffen. Ihre Hühner ziehen einmal pro Woche um und produzieren besonders leckere Eier.



Durch das wöchentliche Versetzen des Hühnermobils gelangen die Tiere regelmäßig auf frische Grünflächen. Unser Bild zeigt (von links) Reinhold, Lisa, Gudrun und Daniel Kaßel vor dem fahrbaren Stall. Fotos: Rainer Unger
Durch das wöchentliche Versetzen des Hühnermobils gelangen die Tiere regelmäßig auf frische Grünflächen. Unser Bild zeigt (von links) Reinhold, Lisa, Gudrun und Daniel Kaßel vor dem fahrbaren Stall. Fotos: Rainer Unger   » zu den Bildern

Windischenhaig - Eine tierfreundliche Freilandhaltung und ein wöchentlicher Wechsel auf stets neue grüne Wiesen: Das ermöglicht das Hühnermobil der Familie Kaßel, das sie im Dezember vergangenen Jahres in Betrieb genommen hat. Durch den "Hühnerstall auf vier Rädern" kommen die 225 im ökologischen Landbau gehaltenen Tiere ständig auf neue, rund 800 bis 900 Quadratmeter große Grünflächen. Im Gegenzug bedanken sie sich mit besonders leckeren Eiern mit sonnengelbem Dotter, die von den Kunden geschätzt werden, erzählt Betriebsinhaber Reinhold Kaßel.

Die Idee für die Anschaffung des Hühnermobils stammt von Kaßels Sohn Daniel, der von 2013 bis 2017 an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Landwirtschaft studierte. Einer seiner Mitschüler erzählte ihm vor vielleicht vier Jahren, dass seine Eltern für ihren Bauernhof ein Hühnermobil angeschafft haben. Sie seien davon so begeistert gewesen, dass sie ein knappes Jahr später ein zweites kauften.

Nach Beendigung seiner Ausbildung machte sich Daniel Kaßel Gedanken, wie er den elterlichen Betrieb wirtschaftlicher gestalten und ausbauen könnte. Da sein Großvater Manfred schon lange Jahre hobbymäßig 20 bis 30 Hühner hielt, begann er im Februar 2018 damit, selbst eine Art provisorisches Hühnermobil zu bauen, für das sein Vater rund 60 Hühner kaufte. Die Erfahrungen, die die beiden Männer machten, waren derart positiv, dass sie sich im Sommer näher mit dem Thema beschäftigten und diverse Angebote einholten.

Im Juli entschieden sie sich, ein Hühnermobil und weitere Tiere der Rasse "Lohmann brown" zu kaufen. Nachdem sie das Gefährt Mitte November geliefert bekamen und die Tiere kurz danach, konnten diese sofort einziehen. "Einige Wochen brauchten die Tiere zum Eingewöhnen, bevor sie Weihnachten mit dem Eierlegen begannen", blickt Reinhold Kaßel zurück. "Dadurch, dass die Tiere ganzjährig Auslauf auf der grünen Wiese haben und somit stets mit gesundem Grünfutter versorgt sind, ist die Carotin-Aufnahme höher. Das Eigelb ist deswegen farbintensiver und sonnengelb, und die Eier schmecken besser", erläutert Daniel Kaßel. Das sagen auch die Nachbarn, die beim Einkauf zunächst an der Tür geklingelt haben, bevor die Familie ihr "Eier-Haisla" im Hof aufgestellt hat, das 24 Stunden am Tag geöffnet hat. "In dem befindet sich ein Kühlschrank mit den verpackten Eiern und einer Kasse, in die die Kunden einzahlen können. Mittlerweile kommen fast alle Nachbarn zum Einkauf", erzählt Bäuerin Gudrun Kaßel. "Es kommen aber auch Leute aus Kulmbach, Neudrossenfeld, Mannsflur und sogar Altenkunstadt, die teils auf Facebook gelesen haben, was wir machen. Sie sehen sich an, wie wir die Hühner halten, finden das toll und kaufen unsere Eier."

"Neulich kamen zwei Radfahrer aus Bayreuth vorbei, die haben das zufällig mitbekommen und ebenfalls gleich Eier gekauft", ergänzt Tochter Lisa Kaßel, die seit 2016 ebenfalls in Weihenstephan-Triesdorf, Lebensmittelmanagement studiert. "Und das mit dem Bezahlen funktioniert auch. Ich glaube, bisher haben noch keine fünf Euro gefehlt", fährt Gudrun Kaßel fort.

"Ein Nachbar hat uns sogar angeboten, dass ich mein Hühnermobil auf seinem Grundstück aufstellen kann, damit ihm meine Tiere die Moosarbeit abnehmen", verrät Reinhold Kaßel. Jeden Samstag versetzt er den Stall samt dem Zaun zusammen mit seinem Sohn auf eine neue Fläche, während er auf der alten dem Gras dann vier bis sechs Wochen Zeit lässt zum Nachwachsen. "Dadurch wird die Grünfläche schonend genutzt und es ist keine Nachsaat nötig, eine Verschlammung und Verkotung des Bodens findet nicht statt", erklärt Daniel Kaßel. Das Gefährt mit einer durchgängigen Bodenplatte ist schnell versetzt. Es wird einfach nur an einen Traktor angekoppelt. Im Innenbereich finden sich Schlafplätze auf stabilen Sitzstangen, Wasser- und Futterbehälter für eine autarke Versorgung, an der Seite Einstreunester für die Eier, die somit leicht entnommen werden können. Viele Fenster sorgen für eine ausreichende Helligkeit. Durch einen Gitterlaufboden und ein Mistband gelangt der Kot auf die untere Ebene, die einmal in der Woche ausgemistet wird. "Das gesamte Modell ist sehr hygienisch. Dadurch befinden sich auch weniger Keime im Stall, was Krankheiten vorbeugt", erläutert Daniel Kaßel.

Neben den Hühnern befinden sich auf dem Areal auch zwei Ziegen. "Das ist wegen der Raubvögel, die dadurch abgeschreckt werden. Bisher hatten wir auch noch keinerlei Probleme", verrät Reinhold Kaßel. Weil das mit der Direktvermarktung der rund 185 Eier, die die Tiere im Schnitt am Tag legen, so gut klappt, verkauft die Familie inzwischen auch Eier-Nudeln und Speisekartoffeln, die sie anbauen. Mit dem Hühnermobil hat sich die Familie Kaßel, die ihren Betrieb mittlerweile in der sechsten Generation führt, ein weiteres Standbein geschaffen. Sie blickt voller Optimismus in die Zukunft.

Autor

Rainer Unger
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Veröffentlicht am:
02. 05. 2019
16:58 Uhr

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Rainer Unger

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02. 05. 2019
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