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Kulmbach

Der Syrer mit dem scharfen Blick fürs Detail

Abd Almoumn Aksti ist vor über drei Jahren nach Deutschland geflüchtet. In Kulmbach vermisst er nur eines: mehr Kontakt, um die Sprache besser zu lernen.



Ein Natur- und Blumenfreund: Abd Almoumn Alksti vor einigen Fotografien in seiner Aussstellung.
Ein Natur- und Blumenfreund: Abd Almoumn Alksti vor einigen Fotografien in seiner Aussstellung.  

Kulmbach - Abd Almoumn Alksti hat seine erste Fotoausstellung eröffnet. Im Cafe Schobert sind Aufnahmen des 47-Jährigen Syrers aus der Region zu sehen: "Ich mag diese Kleinigkeiten, an denen andere vorbeilaufen. Den Käfer auf der Blume. Die vertrocknete Dolde einer Distel oder den Falter auf der verbrannten Erde", sagt der aus Damaskus stammende Mann. Das Außergewöhnliche: "Ich habe alle Fotos mit meinem Handy gemacht. Denn für eine teure Kamera habe ich nicht genügend Geld."

Aus Syrien flüchtete Abd Almoumn Alksti auf Grund des Krieges. Mehr möchte er dazu nicht sagen. "Meine Frau und meine beiden Kinder sind noch drüben und ich hoffe, dass sie bald ausreisen dürfen. Ich wünsche mir, dass sie hier in Sicherheit leben dürfen", sagt der Mann, der ein Bleiberecht besitzt. In Damaskus hatte der 47-Jährige unter anderem als Busfahrer gearbeitet. "Ich habe 120 Kinder transportiert, aber hier ist mein Führerschein nicht anerkannt", bedauert er. Nicht zuletzt scheiterte er bei der Prüfung an der Sprache. "Den ersten Kurs habe ich bestanden, beim weiterführenden bin ich leider durchgefallen."

Damit er die Sprache besser erlernt, wäre er gerne mehr integriert. Einer seiner guten Bekannten ist Hans Stelter. Der sagt mit einem Schmunzeln: "Ich habe ihn mit zum Schachklub genommen, aber nicht dran gedacht, dass bei dem Strategiespiel so gut wie nicht gesprochen wird."

Alkstis Sprachpate ist Manfred Ströhlein, der sich mit seiner Frau Heidi bei der Vereinigung "Kulmbach ist bunt" engagiert und den Syrer im Café Grenzenlos kennengelernt hat. "Wir waren uns sofort sympathisch", sagt er und erzählt von der "Schreibwerkstatt" im Mehrgenerationenhaus in Mainleus, die er regelmäßig mit Abd Almoumn Alksti besucht. Doch trotz dieser vereinzelten und auch herzlichen Kontakte, fühlt sich Alksti einsam: "Ich wohnte in der Heimat mit meiner großen Familie in einem Haus. Hier bin ich am Abend immer sehr allein. Dann ist es besonders schlimm."

Manchmal hat er schon kleine Gedichte verfasst, sie auf Zettel geschrieben und diese mit seiner Han-dynummer fremden Menschen auf der Straße mit einem Lächeln in die Hand gedrückt. Umsonst.

Wenn Abd Almoumn Alksti von den Unterschieden zwischen seiner Heimat und Kulmbach erzählt, fällt einiges ein. "In Damaskus ist immer Chaos. Hier dagegen ist alles sehr geordnet. Der Verkehr und auch das Verhalten der Kunden in den Geschäften", sagt er und lacht. Manches wundert ihn auch. Zum Beispiel, dass in Deutschland abgepackte Lebensmittel aber auch Benzin unterschiedliche Preise haben. "Bei uns kostet das in jedem Geschäft das Gleiche."

Oder dass die Patienten bei Zahnersatz die Kosten zum großen Teil selbst übernehmen müssen. In Syrien hatte das fast komplett der Staat übernommen. Anderseits gebe es dort zum Beispiel keine Versicherungen, denn: "Das ist gegen Gottes Wille und verboten."

Der weltoffene Muslim, der in Kulmbach regelmäßig zum Blut spenden geht, hofft nun vor allem auf einen Job. "Ich habe einige Jahre als Fliesenleger geschafft und mir die Knie ruiniert, deshalb kann ich nicht jeden Job machen." Aber das sei dann auch schon die einzige Einschränkung.

Autor

Gabriele Fölsche
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Veröffentlicht am:
02. 10. 2019
16:54 Uhr

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Autor

Gabriele Fölsche

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Veröffentlicht am:
02. 10. 2019
16:54 Uhr



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