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Kulmbach

Der Vater der Waldorfschule ist 80

Reinhart Engelen hat alternative Pädagogik nach Wernstein gebracht. Sein halbes Leben hat er in der Gemeinde Mainleus zugebracht. Dort ist er heute noch als Baumeister tätig.



80. Geburtstag hat kürzlich Reinhart Engelen gefeiert, der die Freie Waldorfschule Wernstein-Veitlahm ins Leben rief und über viele Jahre leitete. Die Glückwünsche der Marktgemeinde Maineus überbrachte Bürgermeister Robert Bosch (links). Weiter nach rechts Antje Essensohn, die an der Waldorfschule unterrichtet, Tochter Franziska Bartels, Reinhart Engelen mit Ehefrau Irmgard sowie das Ehepaar Georgia und Enno Landwehr, die zu den Gründungseltern der Waldorfschule gehören.
80. Geburtstag hat kürzlich Reinhart Engelen gefeiert, der die Freie Waldorfschule Wernstein-Veitlahm ins Leben rief und über viele Jahre leitete. Die Glückwünsche der Marktgemeinde Maineus überbrachte Bürgermeister Robert Bosch (links). Weiter nach rechts Antje Essensohn, die an der Waldorfschule unterrichtet, Tochter Franziska Bartels, Reinhart Engelen mit Ehefrau Irmgard sowie das Ehepaar Georgia und Enno Landwehr, die zu den Gründungseltern der Waldorfschule gehören.  

Mainleus - Reinhart Engelen gilt als der Gründungsvater der Freien Waldorfschule Wernstein, die im Mainleuser Ortsteil Veitahm ihr Zuhause hat. Dieser Tage hat Engelen, der in Saarbrücken geboren ist, mit seiner Familie und Freunden 80. Geburtstag gefeiert. Der Jubilar hat ein reich erfülltes Leben hinter sich und könnte eigentlich ein Buch darüber schreiben. Einiges davon erzählte er aus Anlass seines Geburtstages: "Eigentlich bin ich für Mainleus erst vierzig Jahre alt, denn nur vier Jahrzehnte, aber doch genau die Hälfte meines Lebens, habe ich hier verbracht."

Reinhart Engelen freute sich besonders über die Glückwünsche von Bürgermeister Robert Bosch, aber noch mehr über die neue Ampelanlage an der Mainleuser Umgehungsstraße: "Sie ist für mich wie ein großes Geburtstagsgeschenk, denn noch immer fahre ich täglich zwei- bis viermal hinauf nach Wernstein und Veitlahm. Und das jetzt endlich mit Ruhe und sicherem Gefühl an der Kreuzung."

Es waren mehrere Stationen, ehe Engelen mit seiner Familie in Mainleus eine endgültige Bleibe fand und hier 1984 ein Haus im Kirchweg erwarb. Im Schwarzwald und in Stuttgart ging er zur Schule und in München und Tübingen studierte er das Lehramt und unterrichtete zunächst über zwölf Jahre an einer Waldorfschule in Stuttgart als Lehrer. Reinhart Engelen zog es dann in der Bundesrepublik allerdings ostwärts: "Am Pfingstsonntag 1977 habe ich da im Abendlicht so schön goldglänzend die Mauern von Schloss Wernstein gesehen. Und da dachte ich, das probiere ich mal hier. Wir sind uns dann einen Tag später ganz schnell mit dem Schlossherrn handelseinig geworden."

Reinhart Engelen konnte sich aus der Waldorfschule in Stuttgart loslösen und baute in nur drei Jahren eine Freie Waldorfschule auf. 1979 wurde ein Verein zum Bau der Schule gegründet. Damals war es noch völlig ungewöhnlich, in Bayern eine Waldorfschule einzurichten. Während die Mainmetropole Würzburg acht Jahre lang für die Genehmigung zu kämpfen hatte, ging es in Wernstein schneller. Zwar wähnte sich auch Engelen mit seinen Mitstreitern fast schon am Ende der Fahnenstange angelangt, doch plötzlich meldete sich die Regierung von Oberfranken, die sich von den Plänen nicht nur begeistern, sondern auch überzeugen ließ.

Engelen erinnert sich: "Ich bin dann mit der Genehmigung zum zuständigen Schulrat nach Kulmbach, und als er mich fragte, in wie viel Jahren wollen Sie denn anfangen, sagte ich, nächste Woche." Mit neun Schülern hat der Unterricht an der Schule 1980 angefangen. Wernstein war Deutschlands kleinste Zwergschule. Heute sind es 99 Kinder, die hier von 13 Lehrern unterrichtet werden.

Reinhart Engelen erzählt weiter aus seinem Leben: "Meine Frau Irmgard und ich haben sechs Kinder groß gezogen und sie sind alle tüchtige Menschen geworden, so dass sie jetzt nicht auf ein Erbe spekulieren müssen. Als die Kinder aus dem Gröbsten heraus waren, begann meine Frau, die Gymnasiallehrerin ist, 1980 mit dem Unterricht an unserer Freien Waldorfschule. Diese wurde übrigens von der Regierung als einer der drei Gründe für die Erhebung von Mainleus zur Marktgemeinde genannt, weil Mainleus eine Waldorfschule hat."

Und in Wernstein-Veitlahm wird Engelen auch im hohen Alter nicht müde, sein ehrgeiziges Projekt zu Ende zu bringen: "Dort oben bastele ich seit 20 Jahren an Häusern, vor allem an dem roten Haus für "Handel und Wandel", an dem ich die Grundmauern mit eigener Hand hochgezogen habe, und an dem gelben Haus, das einmal alle Menschen beherbergen soll, auch wenn sie wenig Geld haben. Ich möchte es gerne fertig haben, bevor ich selber alt werde." Vorsorglich hat Reinhart Engelen vor zwei Jahren die gemeinnützige "Wernstein-Stiftung" ins Leben gerufen, um die beiden Häuser auch künftig ihrer Bestimmung erhalten zu können. Er hat auch den Vorsitz im Stiftungsrat übernommen.

Bis 1997 oblag Engelen die Leitung der Waldorfschule und danach übernahm er mit dem Demeterhof von Schloss Wernstein eine ganz andere Aufgabe. Mit der Waldorfschule ist er auch heute noch sehr eng verbunden, zumal seine Tochter Franziska Bartels dort als Lehrerin tätig ist. Inzwischen haben sich die sechs Kinder auf die ganze Welt verteilt - und mit 18 Enkeln und drei Urenkeln ist der Kindersegen in der Familie sehr groß. Reinhart Engelen: "Leider kann sich meine Frau an dem reichen Kindersegen nicht mehr erfreuen, denn sie ist seit einer Reihe von Jahren so dement, dass sie als einzigen Menschen gerade noch mich erkennt. Trotzdem behalten wir sie zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung, wo sie sich wohlfühlt und gerne etwas zu lachen hat." Im Augenblick freut man sich in der Familie auf die Geburt des vierten Urenkels.

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Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
12. 09. 2018
18:28 Uhr

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12. 09. 2018
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