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Kulmbach

Der Wald leidet immens

Die Borkenkäfer sind weiter auf dem Vormarsch. Das ist an der Fränkischen Linie deutlich zu sehen.



Unter der andauernden Trockenheit leiden insbesondere die Waldbestände an den Südhängen der Fränkischen Linie, wie Revierförster Frank Hömberg bei der Exkursion von Landrat und Forstexperten an der Stadtgrenze von Stadtsteinach aufzeigt.
Unter der andauernden Trockenheit leiden insbesondere die Waldbestände an den Südhängen der Fränkischen Linie, wie Revierförster Frank Hömberg bei der Exkursion von Landrat und Forstexperten an der Stadtgrenze von Stadtsteinach aufzeigt.   » zu den Bildern

Stadtsteinach - Über den aktuellen Zustand des Waldes hat sich Landrat Klaus Peter Söllner am Freitagnachmittag vor Ort von Sachkundigen des Forstes unterrichten lassen. "Es fehlt an Regen", erläuterte der Bereichsleiter Forst des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kulmbach, Dr. Michael Schmidt. Die Trockenheit breite sich von Norden her mittlerweile über sämtliche Waldgebiete bis in den Bayerischen Wald aus. Am stärksten seien die Südhänge wie an der Fränkischen Linie betroffen. Breite Streifen von verdorrten Fichten sind bereits von Weitem zu sehen. Käfer finden beste Lebensbedingungen. Der Wald als CO2-Speicher funktioniert immer weniger, und als Wirtschaftsraum liegt er darnieder. Besonders Privatwaldbesitzer erzielen keinerlei Gewinn mehr. Die Regel seien inzwischen Verluste.

An einem ähnlichen Wendepunkt wie nach dem Hitzejahr 2003 und nach den folgenden Käferjahren bis 2009 sowie nach dem Sturm "Kyrill" 2007 ist der Baumbestand jetzt wieder betroffen. Damals zum Beispiel waren im Stadtsteinacher Forst 42 Prozent der Fichten "verloren". Die damaligen Aufforstungen sind nun wieder gefährdet. Der erneut lange trockene Sommer 2018 war nicht einmalig. In diesem Jahr ist es genauso. Die Jahresmitteltemperatur steigt weiterhin an, wies Revierförster Frank Hömberg anhand einer Temperaturkarte nach; und insbesondere in Nordbayern bleibt Regen aus. Fichte auf Diabas, am Südhang und dann noch Trockenheit passen nicht zusammen. Inzwischen setze man wenigstens drei Baumarten, teils sechs. Aber schwierig werde es nun auch für Weißtanne, Esche, Ahorn und Eiche. Die Douglasie sei noch widerstandsfähig.

Bei warmer und trockener Witterung finden Käfer beste Lebensbedingungen. Die durch zu wenig Wasser bereits angeschlagenen Bäume sind gegen Käferbefall immer weniger widerstandsfähig. Das Forstamt misst den Käferbefall mit besonderen Fallen auf der Anhöhe der Fränkischen Linie. Die Population hat inzwischen die Gefährdungsstufe erreicht. In einer Woche fanden sich im April 5600 Buchdrucker, Kupferstecher wurden Anfang Juli 126 500 gefangen. Seit April waren es 45 000 Buchdrucker und 539 000 Kupferstecher. Und das in einer Falle. "In "normalen Jahren waren es 30. Und die Käfer dieses Jahres werden uns auch im nächsten Jahr beschäftigen", sagte Carmen Hombach von der Waldbesitzervereinigung Kulmbach/Stadtsteinach. "Die Käfer graben sich jetzt, wenn es kühler wird, ein und kommen im Frühjahr wieder."

Schadholz wird konsequent aus dem Wald geholt. Im Bereich von Revierförster Sebastian Fohl sind riesige Harvester eingesetzt. Auf so leer gewordenen Lichtungen können sich die Bäume wieder aussäen - sofern sich nicht vorher besonders Brombeeren dort ansiedeln, die ausgesamte Pflanzen erst gar nicht hoch kommen lassen. Hier muss dann zusätzlich eingegriffen werden. Die Fällungen dienen allerdings nur der Schadenbeseitigung. Das gefällte Holz ist an sich nichts wert. Der Holzmarkt ist eingebrochen. Es gibt zu viel Holz, der Preis liegt mittlerweile unterhalb der Grenze, die ein Waldbesitzer bekommen müsste, um wenigstens ohne Verlust zu wirtschaften. Das bestätigte auch Privatwaldbesitzer Jürgen Geier den Exkursionsteilnehmern an der Grenze seines Waldbesitzes und zeigt auf den Waldbesitz seines Nachbarn: Hinter einer Reihe von grünen Bäumen ist dessen Baumbestand den Südhang hinab völlig verschwunden.

Neupflanzungen müssen geschützt werden. "Für die Staatsforsten ist das machbar, weil notwendig", erklärte Frank Hömberg. Für private Waldbesitzer sei dies aber eine weitere Belastung. Es müsste dringend Subventionen aus München geben. Der Erhalt des Waldes sei eine gesetzliche Aufgabe des Staates.

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Klaus Kaschka

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Veröffentlicht am:
22. 09. 2019
16:58 Uhr

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Klaus Kaschka

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22. 09. 2019
16:58 Uhr



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