Topthemen: BrandserieHof-GalerieKaufhof-PläneBayern HofGerch

Kulmbach

Der Weihermühlen-Traum ist ausgeträumt

Der Landeskirchenrat hat sich für Coburg als neue Jugendbildungsstätte entschieden. In Kulmbach sind die Verantwortlichen enttäuscht und fühlen sich ein wenig verschaukelt.



Dass die zentrale Lage und um mehrere Millionen Euro niedrigere Kosten kein Argument sind, die Weihermühle als Standort für die künftige oberfränkische Jugendbildungsstätte der Landeskirche zu wählen, stößt in Kulmbach auf wenig Verständnis. Nach der Bekanntgabe zeigten sich (von links) der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch, Landrat Klaus Peter Söllner, die stellvertretende Landrätin und Synodalin Christina Flauder, der Geschäftsführer der Weihermühle, Diakon Stefan Ludwig und Dekan Thomas Kretschmar verwundert über die Entscheidung des Landeskirchenrats. Foto: Melitta Burger
Dass die zentrale Lage und um mehrere Millionen Euro niedrigere Kosten kein Argument sind, die Weihermühle als Standort für die künftige oberfränkische Jugendbildungsstätte der Landeskirche zu wählen, stößt in Kulmbach auf wenig Verständnis. Nach der Bekanntgabe zeigten sich (von links) der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch, Landrat Klaus Peter Söllner, die stellvertretende Landrätin und Synodalin Christina Flauder, der Geschäftsführer der Weihermühle, Diakon Stefan Ludwig und Dekan Thomas Kretschmar verwundert über die Entscheidung des Landeskirchenrats. Foto: Melitta Burger  

Kulmbach - Die Enttäuschung, aber auch das Unverständnis waren unübersehbar, als Dekan Thomas Kretschmar, Weihermühlen-Geschäftsführer Stefan Ludwig, Landrat Klaus Peter Söllner, der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch und stellvertretende Landrätin und Landessynodalin Christina Flauder am Mittwoch der Öffentlichkeit mitteilten, dass der Traum von einem evangelischen Jugendbildungszentrum im Landkreis Kulmbach ausgeträumt ist. Dekan Kretschmar machte aus seinen Empfindungen kein Geheimnis: "Bei mir ist natürlich die Enttäuschung groß. Das tut weh." Und Landrat Klaus Peter Söllner, sonst eher für ausgleichende Worte bekannt, hielt ebenso wenig zurück: "Das war ein äußerst merkwürdiges Verfahren." Das kirchliche Übernachtungshaus in der Weihermühle, vor wenigen Jahren erst mit Millionenaufwand saniert und erweitert, hat den Zuschlag nicht erhalten, obwohl es deutlich günstiger gewesen wäre und auch noch zentraler gelegen ist. Der Landeskirchenrat sprach sich für Neukirchen bei Coburg aus.

"Ein klitzekleiner Überlegungsgang"

Es habe, sagt Oberkirchenrat Michael Martin, viele Gründe gegeben, die letztlich zu der Entscheidung für Neukirchen bei Coburg und gegen die Weihermühle im Landkreis Kulmbach gesprochen haben. Die Finanzfrage sei nur ein Kriterium gewesen, auch wenn Neukirchen gleich um einige Millionen Euro teurer kommt als die Weihermühle. Michael Martin räumt auch ein, dass die finanzielle Differenz zwischen den beiden Standorten am Anfang noch viel größer gewesen sei. Sechs Millionen Euro statt der nun noch drei. Diese Differenz, sagt Martin, sei durch "Berechnungen immer kleiner geworden". Drei Millionen Euro mehr müssen in Coburg investiert werden, sagt Martin. Das sei aber "nur ein klitzekleiner Überlegungsgang" gewesen. Auch wenn sich der Landeskirchenrat jetzt für Coburg entschieden hat, sei das noch nicht die endgültige Entscheidung. Die werde in der Landessynode im Herbst getroffen, die die Finanzhoheit hat. Die Weihermühle sei allerdings endgültig aus dem Rennen. Die Synode könne im Herbst nur noch entscheiden, ob sie die Millionen für Coburg freigibt oder ob es in Oberfranken gar keine Jugendbildungsstätte geben wird. Im schlimmsten Fall könne es sein, dass sich das Projekt verzögert oder ganz gekippt wird, sagt Martin. Die Kulmbacher und ihr Engagement lobt er ausdrücklich. In der Kürze der Zeit hätten sie ein "tolles Ergebnis" vorgestellt und gezeigt, wie sehr sie hinter der Einrichtung in der Weihermühle stehen. Das werde die Landeskirche auch nicht ignorieren. Deswegen werde es am 23. Juli ein persönliches Gespräch mit dem Kulmbacher Dekan und dem Landrat geben.

 

Kulmbach sei erst spät ins Boot gekommen. Über den möglichen Standort Coburg sei bereits Wochen diskutiert worden. "Kurz vor Toresschluss wurden wir dann gebeten." Landrat Söllner schüttelte mehrfach ratlos mit dem Kopf, als er die Entscheidung der Landeskirche kommentierte. Kulmbach habe sich trotz der Kürze hervorragend präsentiert. "In nur sieben Tagen haben wir 50 Leute aus der Wirtschaft, den Kommunen, den Sozialverbänden aktiviert, die alle standen wie ein Mann." Doch schon an dem Abend der Präsentation habe er, sagt Söllner, das Gefühl gehabt, dass die Kulmbacher Präsentation möglicherweise gar nicht entscheidend gewesen sei. "Ich will kein Öl ins Feuer gießen, aber das war merkwürdig. Wir wurden verspätet in einen Zweikampf geschickt, den wir niemals gewollt haben. Eine realistische Chance war nur eingeschränkt gegeben."

 

Sinnlos seien die Kulmbacher Bemühungen dennoch nicht, machte der Landrat deutlich. Die Weihermühle sei durch die öffentliche Diskussion jetzt viel bekannter und könne gestärkt in die Zukunft gehen. Jetzt negativ auf Coburg zu blicken gehöre sich nicht, betonte Söllner. Kulmbach habe sich tapfer geschlagen und sich nichts vorzuwerfen.

Daran knüpfte auch Dekan Kretschmar an. Es gelte jetzt, den Impuls aufzunehmen, der aus der Kulmbacher Gesellschaft gekommen sei und das Netzwerk für die Weihermühle zusammenzuführen. "Vielleicht können wir ja einen Beirat bilden und die Wertschätzung für die Weihermühle nutzen." Möglicherweise könne man ja auch ein eingeschränktes Bildungsangebot auf die Beine stellen. Es gebe Signale aus der Landeskirche, die Weihermühle zu unterstützen. Was das genau bedeutet, konnte aber auch Dekan Kretschmar noch nicht sagen.

Die Kulmbacher haben alles Mögliche getan, ist auch Christina Flauder überzeugt. Kulmbach habe ein klares Signal seiner Geschlossenheit nach München geschickt. Geholfen habe es nicht, auch ihre eigene Enttäuschung sei groß, sagte Flauder. Sie wunderte sich auch über die Entwicklung der Zahlen. Bis vor Kurzem sei noch von sechs Millionen Euro Differenz gesprochen worden. Jetzt seien es nur noch drei Millionen. Und auch die Tatsache, dass zwei Dekanate von der Landeskirche in einen öffentlichen Wettbewerb geschickt wurden, aus dem eines zwangsläufig als Verlierer hervorgehen würde, gefällt Christina Flauder gar nicht.

Der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch sprach von einer großen Chance. "Natürlich sind auch wir jetzt traurig, dass die Weihermühle nicht zum Zuge kommt." Positiv sieht Bosch den Zusammenhalt im Landkreis und die Tatsache, dass die Kulmbacher sich auf ihre eigenen Stärken besonnen hatten und für ihren Standort, aber nicht gegen Neukirchen argumentiert haben. Bosch hofft nun, dass die Signale aus München, die Weihermühle zu unterstützen, noch zum Tragen kommen. Eins sei durch die Aktion auf jeden Fall bewirkt worden: "Die Weihermühle ist jetzt im Bewusstsein in der Region um einige Plätze nach vorne gerückt."

Ernüchtert sieht auch Geschäftsführer Stefan Ludwig auf die Entscheidung. Die Argumente, die letztlich den Ausschlag gegeben haben, seien nicht neu. "Es ist schade, dass die Kirche die Öffentlichkeit so aufrührt. Das darf man dem Prozess und auch der Kirche vorwerfen."

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 07. 2018
17:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Enttäuschung Evangelische Kirche Jugendbildungsstätten Landeskirchen Michael Martin Millionen Euro Robert Bosch GmbH Sozialverbände Stefan Ludwig Synoden
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Für die Weihermühle als Standort der evangelischen Jugendbildungsstätte Oberfranken sprechen sich Diakon Stefan Ludwig, Christina Flauder, Mitglied der Landessynode, und Dekan Thomas Kretschmar aus. Foto: Rainer Unger

11.06.2018

Eine Chance fürs Kulmbacher Land

Aus der Weihermühle könnte eine Jugendbildungsstätte werden. Doch ganz einfach ist das nicht. » mehr

Werben um Kandidaten für die Kirchenvorstandswahlen: (von links) Dekanatsjugendbeauftragter Stefan Ludwig, Landessynodale Christina Flauder, Dekan Thomas Kretschmar und Gisela Findeisen vom Vorstand der Kirchengemeinde Kulmbach-Mangersreuth hoffen, in den kommenden Wochen noch viele Kandidaten für eine Mitarbeit in den Kirchenvorständen interessieren zu können. Foto: Gerd Emich

12.04.2018

Die Kirche sucht Kandidaten

Erstmals können im Herbst in Bayern alle evangelischen Christen ihre Kirchenvorstände per Briefwahl bestimmen. Im Mai sollen die Vorschlagslisten komplett sein. » mehr

Modernste Räumlichkeiten hat die Weihermühle nach dem Erweiterungsbau heute schon.

29.06.2018

"Wir müssen lernen, zu sparen"

Dekan Thomas Kretschmar hat Verständnis für die Coburger, die sich ebenfalls um die künftige Jugendbildungsstätte bewerben. Die Kosten sprechen aber klar für Kulmbach, sagt er. » mehr

Kirche, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stehen fest an der Seite des Kulmbacher Dekanats, das sich bei der Landeskirche für die Weihermühle um den Sitz der künftigen evangelischen Jugendbildungsstätte Oberfranken beworben hat. Landrat Klaus Peter Söllner, stellvertretende Landrätin Christina Flauder und Dekan Thomas Kretschmar freuen sich über die Geschlossenheit der Kulmbacher.

03.07.2018

Starke Allianz für die Weihermühle

Hinter dem Projekt einer evangelischen Jugendbildungsstätte steht der ganze Landkreis. Kirche, Wirtschaft, Schulen. Wohlfahrtsverbände und Politik sind alle in einem Boot. » mehr

Mit einer Mischung aus weltlichen und spirituellen Liedern begeisterte "D.I.E.B.A.N.D" in der "Alten Spinnerei". Das Foto zeigt (von links) Gitarrist Stefan Lehner. Keyboarder Christian Hanf, Sängerin Katrin Hendrich, Gitarrist Stefan Ludwig und Gitarrist Stefan Niemann. Foto: Stephan Stöckel

06.05.2018

Klänge, die die Seele berühren

"D.I.E.B.A.N.D" begeistert bei einem Auftritt in der "Alten Spinnerei". Das Publikum kann sich nur schwer verabschieden. » mehr

Mit Chorleiter Diakon Stefan Ludwig probten Johannes Popp, Carina Eber, Marina Herold, Lisa Herold, Janine Grillmeier und Nina Frank das Lied "Lord I give you my Heart". Foto: Christina Holzinger

05.03.2018

In Kulmbach gospelt es wieder

Die evangelische Jugend hat einen neuen Chor ins Leben gerufen. Spätestens in der Adventszeit soll das Publikum seine Freude an den Akteuren haben. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Markus Söder beim CSU-Sommerfest in Bad Steben

Markus Söder beim CSU-Sommerfest in Bad Steben | 18.07.2018 Bad Steben
» 84 Bilder ansehen

I am from Austria

I am from Austria | 18.07.2018 Kulmbach
» 8 Bilder ansehen

Franken-Aktiv-Tag

Franken-Aktiv-Tag | 17.07.2018 Schwarzenbach an der Saale
» 61 Bilder ansehen

Autor

Melitta Burger

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 07. 2018
17:50 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".