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Kulmbach

Der erste Kontakt

Die Kulmbacher bauen schon vor der Grenzöffnung die Freundschaft in die DDR aus. An den Fall der Mauer hat 1988 fast niemand geglaubt.



Eine Reisegruppe aus Kulmbach besucht wenige Tage vor dem Mauerfall die DDR. Die jungen Oberfranken erleben dort die Proteste der Bevölkerung mit. Fotos: Stadtarchiv Kulmbach
Eine Reisegruppe aus Kulmbach besucht wenige Tage vor dem Mauerfall die DDR. Die jungen Oberfranken erleben dort die Proteste der Bevölkerung mit. Fotos: Stadtarchiv Kulmbach   » zu den Bildern

Kulmbach/Saalfeld - Höchstpersönlich verhandelten Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß und DDR-Staatschef Erich Honecker im Jahr 1987 in Bonn über die geplante Städtepartnerschaft. Ein Jahr später war die Verbindung zwischen Kulmbach und Saalfeld besiegelt: Am 30. September 1988 unterzeichneten Oberbürgermeister Dr. Erich Stammberger aus Kulmbach und sein Amtskollege Bernd Franke feierlich die Urkunde. Danach begann eine Zeit des Umbruchs, die selbst kühnste Optimisten kaum für möglich gehalten hätten.

Die Serie

Vor 30 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer. Wir erinnern uns mit Zeitzeugen aus dem Kulmbacher Land an Geschehnisse und Geschichten rund um die friedliche deutsche Revolution.


Am 9. November 1989, vor mittlerweile 30 Jahren, fiel die Berliner Mauer und der Eiserne Vorhang verschwand. In direkter Anbindung an der B 85 gelegen, konnten sich Kulmbacher und Saalfelder in Freiheit immer näher kommen.

Sehnsüchtiger Wunsch: Diesen sehnsüchtigen Wunsch der Annäherung haben Saalfelder Bürger bereits Anfang November 1989 wenige Tage vor dem Mauerfall geäußert. Damals gab es im Thüringer Heimatmuseum eine Ausstellung über die Partnerstadt Kulmbach. Die Saalfelder betonten, sie wollen nicht nur Fotografien sehen, sondern die fränkische Bierstadt unbedingt einmal in natura erleben. Der Kulmbacher Delegation wurde in der DDR viel Sympathie entgegen gebracht.

Es muss mehr persönliche Begegnungen und private Kontakte geben, forderte Bürgermeister Franke. Er stellte in Aussicht, dass sich die Menschen in Ost und West aufeinander zu bewegen werden. Es war eine beinahe schon prophetische Aussage, die das Saalfelder Stadtoberhaupt kurz vor der Grenzöffnung getroffen hat.

Volle Erstaufnahmelager: DDR-Flüchtlinge haben bis Anfang November 1989 bereits zu Tausenden über die offenen Grenzen in Ungarn und die Tschechoslowakei ihren Staat verlassen. Die oberfränkischen Erstaufnahmelager platzten aus allen Nähten. Am 7. November hat sich dort innerhalb von 24 Stunden die Zahl der untergekommenen DDR-Aussiedler mehr als verdoppelt. In den Notunterkünften in Bayreuth, Coburg, Hof und Marktredwitz waren die Kapazitäten an Wohnraum erschöpft, meldete Klaus Peter Söllner, der damalige Sprecher der Regierung von Oberfranken und heutige Kulmbacher Landrat.

Kulmbacher erleben den Umbruch: In dieser turbulenten Zeit besuchten 20 junge Menschen aus Kulmbach die DDR, um sich dort selbst ein Bild von der Lage zu machen. Die Reisegruppe fuhr im Rahmen des deutsch-deutschen Jugendabkommens mit dem Evangelischen Jugendwerk über die Grenze. Es standen während der einwöchigen Tour die klassischen Sehenswürdigkeiten auf dem Programm, unter anderem der Naumburger Dom, die Wartburg und Schloss Cecilienhof. Viel spannender waren die Kontakte und die persönlichen Gespräche mit den DDR-Bürgern.

Die Kulmbacher erfuhren aus erster Hand, welche Stimmungslage in der Wendezeit dazu beigetragen hat, dass wenige Tage später die Mauer fallen sollte. Die Oberfranken sahen sogar die Massenproteste gegen das SED-Regime. Bei einem Besuch in Weimar schlossen sie sich einer Demonstration mit bis zu 30 000 Teilnehmern an.

Ende und Reform: Die DDR-Bürger forderten ein Ende der Einparteienregierung und eine Reform des Sozialismus. Die Kulmbacher zeigten sich beeindruckt, dass Menschen jeden Alters für ihre Rechte auf die Straßen gingen.

Weniger angetan war jedoch der Reiseführer, der der westdeutschen Besuchergruppe zugeteilt worden war. Er habe versucht, die Ereignisse herunterzuspielen, erinnerten sich die jungen Kulmbacher nach ihrer Rückkehr.

Den Weg in die Bundesrepublik haben in den Wochen vor dem Mauerfall 120 000 DDR-Bürger gefunden. Als eine Folge der Massenflucht und der Proteste öffnete die SED die Grenzen. Am Abend des 9. November verkündete SED-Politbüromitglied Günter Schabowski die Sensation. Alle Bürger dürfen private Reisen ins Ausland unternehmen, hieß es. Damit war 28 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer die innerdeutsche Grenze wieder offen.

Hilfe für die Freunde: Die Städtepartnerschaft mit Saalfeld erhielt nach dem Mauerfall neuen Auftrieb. Die Kulmbacher Stadtverwaltung hat im Zuge der deutschen Wiedervereinigung die Freunde aus Saalfeld dabei unterstützt, ihre kommunale Selbstverwaltung nach modernen Gesichtspunkten aufzubauen. Die beiden Freundeskreise aus Saalfeld und Kulmbach vereinigten sich am 3. Oktober 1990. Die deutsche Teilung ist seit diesem Tag Geschichte.

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
16:56 Uhr

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Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
16:56 Uhr



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