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Kulmbach

Der fürstliche Sitz der Arbeiterwohlfahrt

Wo einst Christiana Sophie Wilhelmine residierte, kümmert sich heute die AWO um das Wohl der Menschen. Das wäre sicher im Sinne der Prinzessin gewesen.



Das einstige Domizil der Prinzessin Christiana Sophie Wilhelmine in der Oberen Stadt in Kulmbach. Fotos: Erich Olbrich
Das einstige Domizil der Prinzessin Christiana Sophie Wilhelmine in der Oberen Stadt in Kulmbach. Fotos: Erich Olbrich   » zu den Bildern

Kulmbach - Am oberen Ende der Oberen Stadt in Kulmbach befindet sich eine Engstelle. Für die Fußgänger wurde in dem Haus Obere Stadt 36 ein sicherer, überdachter Gang angelegt. Auf der Straßenseite fällt über dem rundbogigen Rustika-Portal ein sehr schöner Wappenstein auf, darauf im gesprengten Giebel eine Wappenkartusche und die Initialen C.S.W.M.Z.B., darunter die Jahreszahl 1729.

Das Wappen zeigt den roten Brandenburger Adler mit goldenen Kleestängeln auf den Flügeln. Auf der Brust des Adlers ist der Zollern-Schild zu sehen, den Abschluss nach oben hin bildet ein Fürstenhut. Die Initialen bedeuten "Christiana Sophie Wilhelmine Markgräfin zu Brandenburg". Sie war die einzige Tochter des Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth (Regierungszeit 1712-1726) und seiner Gemahlin Sophie, einer wegen ihrer Schönheit gefeierten Prinzessin von Weißenfels.

Näheres aus der Geschichte dieser Prinzessin Christiana Sophie Wilhelmine (sie wollte übrigens immer mit Wilhelmine angesprochen werden), ist aus einer Veröffentlichung von Professor Dr. Fritz Limmer zu erfahren: "Einiges aus dem Leben einer unglücklichen Prinzessin, die in den gastlichen Mauern Kulmbachs ihren Frieden fand: Bis zu ihrem zwölften Jahr wurde sie unter strenger Obhut ihrer Tante Christiane Eberhardine, Königin von Polen, in Dresden erzogen. Nach dem 1712 erfolgten Regierungsantritt ihres Vaters kam sie an den Hof ihrer Eltern nach Bayreuth. Sie wird als frohes und lebenslustiges Mädchen beschrieben mit einem ungewöhnlichen Liebreiz.

Bald stellten sich auch die ersten standesgemäßen Bewerber ein, darunter Georg Friedrich Karl von Brandenburg-Kulmbach. Die Werbung war der Mutter nicht angenehm und sie versuchte, diese Bindung zu verhindern. Der Neid auf die Schönheit der Tochter führte zur Anwendung unfeiner Mittel. In ihren Diensten befand sich in dieser Zeit der Kammerjunker Ernst Bogislav von Bobser. Diesem soll die Markgräfin 4000 Dukaten versprochen haben, falls er es schafft, die Prinzessin zu schwängern.

Lange widerstand Christiana den Annäherungsversuchen, wobei ihre Mutter sehr erfinderisch war, Gelegenheiten zu schaffen, um die beiden alleine sein zu lassen. Auch soll der Kammerjunker sehr geschickt in der Eroberung von Frauen gewesen sein.

Schließlich entwickelte sich zwischen den beiden ein heftiges Liebesverhältnis. Die von der Mutter gewünschten Folgen zeigten sich bald.

1726 gebar die Prinzessin auf dem Lustschloss Eremitage missgestaltete tote Zwillinge. Der Vater, Markgraf Georg Wilhelm, der von dem Verhältnis nichts ahnte, war erbost, sein Zorn richtete sich gegen die beiden Liebenden. Bobser entzog sich durch eine Flucht nach Bamberg und die verführte Prinzessin wurde in strenge Haft auf die Plassenburg verbannt.

Von Schritten gegen seine Gemahlin ist nichts bekannt geworden.

Der Tod ihres Vaters am 18. Dezember 1726 verschaffte der Prinzessin wesentliche Hafterleichterungen. Der neue Markgraf war ausgerechnet dieser Georg Wilhelm, der um sie geworben hatte. Er wollte sie sofort in Freiheit setzen, dies scheiterte aber am Einspruch ihrer Tante Christiane Eberhardine, die der Nichte, die von ihr erzogen wurde, den Fehltritt nie verzieh. Aber sie durfte in den Schlössern zu Selb, dann Hohenberg Wohnung nehmen.

Nach dem Tode der Tante 1727 schenkte ihr der Markgraf vollkommene Freiheit. Sie nahm nun dauernd Aufenthalt in Kulmbach, wo sie das nach ihr benannte "Prinzessin-Haus" bezog. In einem im "Hirschgraben" gelegenen parkähnlichen Garten bewohnte sie ein Schlösschen, welches sie "Wilhelminenruhe" nannte. Leider wurde dieses für Erweiterungsbauten des Markgraf- Georg-Friedrich-Gymnasiums abgebrochen. Damit verlor die Stadt eines ihrer wahrlich nicht im Überfluss vorhandenen Baudenkmäler.

Vom Bayreuther Hofleben wollte die Prinzessin nichts mehr wissen, abgesehen von einem kurzen Besuch blieb sie in Kulmbach. Nun versuchte der Kammerjunker Bobser, wieder mit ihr in Kontakt zu kommen. Natürlich versprach er sich davon größere Vorteile, ehrenhafte Motive waren ihm fremd. Um zu seinem Ziel zu kommen, strengte er einen Eheprozess an, hatte doch Christiane ihm ein schriftliches Eheversprechen gegeben. Der Klage wurde nicht Folge geleistet.

Am 1. Januar 1729 sorgte die Prinzessin erneut für ungeheures und peinliches Aufsehen, trat sie doch in der St. Michaelskirche in Stadtsteinach zum katholischen Glauben über. Was die Veranlassung dazu war, kann nicht mehr festgestellt werden. Die Folgen dieses ungewöhnlichen Schrittes waren für die Prinzessin sehr unangenehm. Das zwischenzeitlich wieder hergestellte Verhältnis zu ihrer Familie war nun vollständig zerstört. Der streng lutherische Markgraf Georg Friedrich entzog ihr die ihr zustehenden Ehrbezeugungen und ließ sie aus dem Kirchengebet ausschließen. Das bisher freundliche Umfeld im lutherischen Kulmbach wurde äußerst getrübt. Nur mit Mühe gelang es der Obrigkeit, offene Ausbrüche der Empörung zu unterdrücken.

Vier Jahre gingen ins Land, dann trat eine neue Wandlung im Seelenleben der Prinzessin ein. Sie rang sich zu dem Entschluss durch, wieder zu der Religion ihrer Familie zurückzukehren. Nach einer kurzen religiösen Vorbereitung durch den Hofprediger Hagen fand anlässlich des Osterfestes 1733 der Wiedereintritt in die Lutherische Kirche statt.

Auf Befehl des frommen Markgrafen Georg Friedrich wurde dieser Tag, der 5. April 1733, mit allergrößten Feierlichkeiten und unter Aufwand ungewöhnlichen Prunkes begangen.

Um 9 Uhr vormittags fuhr Prinzessin Wilhelmine in einem mit sechs prächtigen Schimmeln bespannten Hofgalawagen zur St. Petrikirche. Am Haupttor standen zwei markgräfliche Minister zum Empfang der Prinzessin bereit. Mit größter Ehrerbietung geleiteten die beiden Minister sie zum Markgräflichen Gestühl.

Zunächst nahm ihr der Superintendent Dietrich die Beichte ab. Alsdann folgte der gewöhnliche Gottesdienst, an dessen Schluss die Prinzessin wieder in das Kirchengebet eingeschlossen wurde. Nach Beendigung des Gottesdienstes ging die Prinzessin unter Vortritt einer Zahl von Hofkavalieren und Hofdamen zum Altar, um das Abendmahl in beiderlei Gestalt zu empfangen. Nach dem Absingen des ambrosianischen Lobgesanges fand der feierliche Akt unter dem Donnern der Geschütze der Plassenburg sein Ende.

Nach Jahren größter Unruhe folgten Jahre stiller Zufriedenheit. Sie lebte nun in Bescheidenheit und Einfachheit. Sie fühlte sich wohl unter der Kulmbacher Bürgerschaft. Ihre größte Freude war es, bedürftigen Mitmenschen zu helfen. Sie hat viel Leid gestillt und sich die Achtung ihrer Mitmenschen zu erwerben gewusst.

Die Markgräfin Friederike Sophie Wilhelmine, die Schwester Friedrichs des Großen, schreibt in ihren Memoiren über die letzten Kulmbacher Jahre der Prinzessin: "Die Prinzessin hat Verdienste, ihr Betragen war immer tadellos, sie hat unendlich viel Gutes getan, und ihre guten Eigenschaften vergüten den Fehltritt, den sie so unglücklich war, zu begehen."

Im Alter von 47 ½ Jahren starb die Prinzessin in der "Wilhelminenruhe" zu Kulmbach am 15. Juli 1749 an einem "Stickfluss". Ihr Leichnam wurde in der Fürstengruft unter dem Hochaltar der St. Petrikirche in feierlicher Weise mit allen fürstlichen Ehren beigesetzt. Hofprediger Johann Christoph Silchmüller hielt die Leichenpredigt, in der kein Wort über die teilweise skandalösen Lebensumstände der Prinzessin vorkam. Ihr langjähriger Hofmeister v. Erffa verteilte ein von ihm zu ihrem Lobe verfasstes Gedicht von 20 Strophen.

Die Inschrift auf einer Zinnplatte in der Fürstengruft der Petrikirche über ihrem Sarg lautet folgendermaßen:

HIER RUHET IN GOTT

DIE WEILAND

DURCHLAUCHTIGSTE FÜRSTIN UND FRAU

FRAU

CHRISTIANA SOPHIE WILHELMINE

MARKGRÄFIN ZU BRANDENBURG;

WARD GEBOREN ZU BAYREUTH DEN 5 JANUAR 1702

ENTSCHLIEF IN IHREM ERLÖSER SELIG ALLHIER ZU

KULMBACH, DEN 15. JULI 1749 FRÜH UM HALB 2 UHR

UND ERWARTET IN DIESER FÜRSTLICHEN GRUFT IN

WELCHER SIE AM 17. DIESES MONATS BEIGESETZT WURDE

EINE FRÖHLICHE AUFERSTEHUNG

LEICHENTEXT MARCI 7.V.37

DER HERR HAT ALLES WOEL GEMACHT;

SEINEM NAMEN SEI LOB; PREIS; EHRE

AMEN:

1806 brachen plündernde französisch-bayerische Truppen, die angeblich einen unterirdischen Gang von der Fürstengruft zur Plassenburg suchten, ihren Sarg auf und verstreuten ihre Gebeine. Anlässlich der Renovierung der Petrikirche im Jahre 1878 wurden die herumliegenden Knochen und Kleiderreste wieder eingesammelt und von Neuem eingesargt.

Das Prinzessin-Haus erfüllte nach ihrem Tod verschiedene Funktionen als Bürgerhaus, Lateinschule (1879-1893), Höhere-Töchter-Schule (1893-1919), Wohnhaus und ist heute Geschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt.

Autor

Erich, Marcus Olbrich
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
17:18 Uhr

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Erich, Marcus Olbrich

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Veröffentlicht am:
29. 09. 2019
17:18 Uhr



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