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Kulmbach

Der ganz normale Wahnsinn auf dem Land

Martina Schwarzmann ist im tiefsten Oberbayern aufgewachsen. Mit Gitarre und jeder Menge bissigem Humor erzählt sie von ihren Erlebnissen und ihrem Leben.



Ganz allein auf der großen Bühne im Schönen Hof der Plassenburg konnte Martina Schwarzmann ihr Publikum bis fast um Mitternacht bestens unterhalten. Foto: Klaus Klaschka
Ganz allein auf der großen Bühne im Schönen Hof der Plassenburg konnte Martina Schwarzmann ihr Publikum bis fast um Mitternacht bestens unterhalten. Foto: Klaus Klaschka  

Kulmbach - Wozu es am Sonntag ein ganzes Sinfonieorchester brauchte, das schaffte Martina Schwarzmann am Samstagabend ganz allein: Ihr Publikum im vollbesetzten Schönen Hof der Plassenburg fast bis Mitternacht bestens zu unterhalten. Seit bald 20 Jahren tourt sie mit ihrer Gitarre über die Kabarett-Bühnen des Freistaats und wurde vielfach mit Preisen versehen, zuletzt mit dem Kulturpreis Bayern, verliehen vom Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Mit Wissenschaft hat sie allerdings wenig am Hut. Eher mit dem ganz normalen Leben auf dem Land und dem täglichen familiären und zwischenmenschlichen Nahkampf.

Wie sie das als Mutter von "vier minderjährigen Mitbewohnern" schafft, das breitet sie in allen Einzelheiten aus. Vorallem: Sie ist weder eine stets fürsorgliche Glucke, noch hat sie im Entferntesten die Chance auf einen Ehrenpreis des Landwirtschaftsamts für die vorzüglichste Haushaltsführung. Ist ihr auch "wurscht". Sie sieht das pragmatisch: Wenn‘s funktioniert, dann passt‘s auch, und - "was du heute kannst besorgen, des könnt‘ mer auch morgen machen".

Martina Schwarzmann wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb im oberbayerischen Dorf Überacker im Landkreis Fürstenfeldbruck auf. Nach dem Hauptschulabschluss begann sie eine Ausbildung zur Köchin im Bayerischen Hof in München. Danach arbeitete sie acht Jahre als Köchin. Ihre künstlerische Karriere erlangte sie also auf dem zweiten Bildungsweg: Augen und Ohren auf und das wahre Leben locker aus der Distanz betrachten.

Sie karikiert den Alltag. Ihre minderjährigen Mitbewohner, erzählt Schwarzmann, haben kein Smartphone, auf dem sie ständig herumtippen. Dafür bohren sie ersatzweise in der Nase. Überhaupt: Das Aufstehen um 7 Uhr morgens wegen der Kinder war bei der Vorfreude zur Mutterschaft so nicht eingeplant. Möglicherweise sollte man doch die Oma mit ins Haus nehmen, überlegt sie. Wenn für sie jeden Tag in der Früh der Pflegedienst kommt, dann könnte der doch ein paar Minuten auch gleich die Kinder versorgen und aus dem Haus schicken.

Schwierig ist es auf dem oberbayerischen Land auch mit den Ausländern, erzählt Schwarzmann weiter. "Manchmal muss man schon überlegen, warum die überhaupt gekommen sind. Bestimmt hamms auch dort, wo‘s herkommen, keine Freunde g‘habt und sind deswegen weg." Und vor allem das Sprachproblem! "Können‘s bittschön..." hat sie neulich eine Preußische ganz freundlich gefragt... "Da hat sich die gleich beleidigt gefühlt! Sie bitch hat‘s verstanden." Das ist das englische Wort für "Schnalln", klärt Schwarzmann ihr Publikum auf. "Dabei sagt man bei uns nie , Sie Schnalln‘. Schnalln is immer mit du. Davon hatt‘ die Preußische halt keine Ahnung."

Grobschlächtig erzählte Martina weitere Vorkommnisse und Schwänke aus ihrem Leben am oberbayerischen Land. Dass man, um Körpergefühl zu entwickeln, keinen Yoga-Kurs braucht zum Beispiel; sich in Brennesseln setzen tut das Gleiche. Dazu auch Geschichten über und unter der Bettdecke - in Klartext. Erstaunlich poetisch sind dazu ganz im Gegenteil die Lieder, die sie zwischendurch singt. Nur manche mit bissigem Nebenton, alle aber ganz liebenswürdig. Trotz allem Erfolg hat sie noch einen Traum: Sie will später noch eine Punk-Band haben. Das ist allerdings im Augenblick schwierig, weil sie keine Zeit hat, sich in den Punk einführen zu lassen. Das ist rituell aber notwendig: "Haste mal ne Mark" war sie vor Jahren angegangen worden, erzählt sie. Sie hatte aber nur einen 50-Mark-Schein dabei. Zum Glück konnte der Punk herausgeben. Doch ja, Punk, das wäre noch ihr Traum. Geht aber erst, wenn die minderjährigen Mitbewohner flügge sind. Solang wird Martina Schwarzmann wohl noch auftreten. - Hoffentlich werden ihre Mitbewohner nicht so schnell selbstständig.

Autor
Klaus Kaschka

Klaus Klaschka

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Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
16:48 Uhr

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Klaus Kaschka

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Veröffentlicht am:
22. 07. 2019
16:48 Uhr



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