Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

Kulmbach

Der gute Geist hinter den Kulissen

Heute setzt die Baumeisterin den Schlussstein: Nach 37 Jahren geht Marion Resch-Heckel in Pension. Seit dem Jahr 1982 bringt sie sich im oberfränkischen Bauwesen ein.



Marion Resch-Heckel, Abteilungsdirektorin des Bereichs Planung und Bau bei der Regierung von Oberfranken, geht in den Ruhestand. Foto: Ralf Münch
Marion Resch-Heckel, Abteilungsdirektorin des Bereichs Planung und Bau bei der Regierung von Oberfranken, geht in den Ruhestand. Foto: Ralf Münch  

Bayreuth/Kulmbach - Marion Resch-Heckel studierte an der Technischen Universität Braunschweig, wechselte dann nach München. Nach dem Abschluss sammelte sie praktische Erfahrungen in verschiedenen Münchner Architekturbüros. Danach bewarb sie sich für den Staatsdienst, unterstand als Referendarin der Obersten Baubehörde im Freistaat und glänzte 1982 mit der zweitbesten bayerischen Staatsprüfung im Fachgebiet Hochbau. "Ich wollte damals meinen Horizont erweitern", erinnert sie sich. Die Bauordnung, das Baugesetzbuch, das alles wollte sie "besser durchdringen", die Verwaltung verstehen.

Letztlich hat sie es darin zur Meisterschaft gebracht: Ihre Karriere beendet sie als Abteilungsdirektorin des Bereichs Planung und Bau an der Regierung von Oberfranken. Ihre Laufbahn im Dienst der bayerischen Staatsbauverwaltung, im höheren bautechnischen Verwaltungsdienst, führte sie hierher. "Coburg, Bamberg, Bayreuth - mir hat’s hier einfach gefallen", sagt die 64-Jährige, die in Kulmbach lebt. "Ich hatte das Gefühl, hier könnte ich etwas bewirken."

Zunächst ist sie bei der Regierung von Oberfranken an der Ortsplanungsstelle beschäftigt. Dort geht es vor allem um Bauleitpläne und übergeordnete städtebauliche Aspekte. "Es war eine Chance, einen Weitblick zu bekommen und über das einzelne Gebäude hinaus zu denken."

Eine ihrer ersten Wirkungsstätten für die Städtebauförderung war die Stadt Pegnitz. "Rathaus, Rosengasse, Kirchenumfeld, man sieht heute noch, was man einst bewirkt hat. Es ist schön, zu sehen, dass etwas geschaffen wird, woran man beteiligt war." Noch immer ist sie begeistert von ihrem vielschichtigen Beruf, der Künstlerisches mit handfesten Dingen verbinde, wie sie sagt. "Außerdem kann man bis ins Detail entwerfen. Dieses breite Spektrum lag mir, ebenso aber auch der Umgang mit Menschen."

Ihr Schicksal wendet sich, als sie 1988 als Architektin Abteilungsleiterin am Landbauamt Bayreuth wird. Ihre Mitarbeiter: überwiegend Männer. "Ich war als Frau damals eine Exotin, die erste Abteilungsleiterin in Teilzeit an einem Landbauamt in Bayern", stellt Resch-Heckel im Rückblick fest. Endlich kann sie sich ihrer Leidenschaft widmen: Der Sanierung historischer und denkmalgeschützter Gebäude.

Ihre Zeit im Landbauamt bezeichnet sie als "wunderbar", da sie sich um "supertolle Projekte" kümmern durfte. Zum Beispiel die Sanierung der Markgrafenkirchen in Trebgast, Neudrossenfeld und Thurnau. In letzterer lernte sie ihren späteren Mann, den CSU-Landtagsabgeordneten Dieter Heckel kennen, der vor drei Jahren gestorben ist. Von 1994 bis heute verfolgt sie die Instandsetzung des Thurnauer Schlosses. So entwickelte sie zusammen mit dem Statiker ein Konzept, wie der Hans-Georgen-Bau, in dem heute das Forschungsinstitut für Musiktheater untergebracht ist, trotz des teils sumpfigen Untergrunds denkmalgerecht saniert werden konnte. An der Rückseite wurden große Pfeiler angebracht, woran alles andere gehängt wurde. "Einschließlich der Stuckdecken konnten wir so die komplette Ausstattung retten." Beratend steht sie nach wie vor dem Stiftungsrat von Schloss Thurnau zur Seite.

Schloss Fantaisie in Donndorf und dessen Umbau zu einem Gartenkunstmuseum bedeutet Marion Resch-Heckel fast noch mehr. "Hier habe ich viel Herzblut reingesteckt, quasi bis zur letzten Türklinke." Ihrem Schwerpunkt Denkmalpflege kommt die große Menge an historischer Substanz in der Region entgegen. Für die bayerische Schlösserverwaltung kümmert sie sich etwa auch um das Neue Schloss mit Italienischem Bau in Bayreuth. "Ich habe sogar die Memoiren der Markgräfin Wilhelmine gelesen, um mich einzufühlen für die Gestaltung", erzählt Resch-Heckel.

Als sie ihre beiden Kinder bekam, wechselte sie in Teilzeit. Ihre Karriere verlor sie aber nicht aus dem Blick. 2001 wird sie Referentin an der Regierung für den staatlich geförderten Hochbau und wird 2004 Leiterin des Sachgebiets Siedlungs- und Wohnungsbau. Jetzt stehen kommunale Bauvorhaben im Mittelpunkt - Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten - und das staatlich geförderte Wohnungswesen. "Viele Gebäude aus den fünfziger und sechziger Jahren waren in einem schlechten Zustand, jahrelang wurde zu wenig gebaut", sagt Resch-Heckel. Daher ist sie sehr stolz auf die Umgestaltung des Menzelsplatzes in Bayreuth, einem Modellvorhaben. "Mir war es wichtig, vor allem etwas für benachteiligte Menschen zu tun, denn die anderen können sich selbst helfen." Ihre soziale Ader führt die Architektin auf ihre eigene Kindheit zurück. Sie wuchs mit drei Brüdern auf, "in kleinen Verhältnissen", wie sie selbst sagt. Sechs Personen lebten bescheiden in drei Zimmern. "Diese Erfahrungen aus meiner Kindheit und Jugend habe ich verinnerlicht und bin froh, über die Bildungschancen, die ich bekommen habe, um einen höheren Lebensstandard zu erzielen.

Seit 2007 ist sie für das ganze staatliche Bauwesen in Oberfranken zuständig. Damit ist zum Beispiel die Aufsicht über die staatlichen Bauämter in Bayreuth und Bamberg verbunden. Die Abteilungsdirektorin ist für rund 850 Mitarbeiter verantwortlich. "Ich habe nie alleine alles erreicht, sondern immer im Team, mit meinen Kollegen und Mitarbeitern", sagt Resch-Heckel. Immer wieder hätten sie "Schlüsselfiguren" in ihrem Leben, Familienmitglieder, Freunde, Partner oder Vorgesetzte unterstützt. "Als ich die Stelle angetreten habe, hatte ich selbst Angst vor meiner eigenen Courage", räumt sie ein. "Aber es hat sich gut entwickelt."

Früher sei sie öfter rausgefahren, um zu sehen, wo sie wie am besten helfen könne. "Ich bekomme mittlerweile nur noch Problemfälle auf den Tisch und versuche, sie zu lösen." Dabei helfe ihr, dass sie sehr gut vernetzt sei. "Für uns zählt das Ergebnis und wir freuen uns als Regierung, wenn etwas Gutes herauskommt." Sie selbst sieht sich da eher als Vermittlerin, zu der die Beteiligten Vertrauen hätten. "Ich bin mehr der Geist hinter den Kulissen." Vereinfachen, effizientes Vorgehen, die richtigen Weichen stellen - so versteht sie ihre Aufgabe.

Der Straßenbau fällt ebenfalls in ihr Ressort. Resch-Heckel verantwortete auch das Planfeststellungsverfahren und den Architektenwettbewerb für die Umgehung von Unter-steinach. Für Kauerndorf hätte sie statt der Tunnellösung einen Ausbau der Bundesstraße mit städtebaulicher Neuordnung für sinnvoller erachtet. "Manchmal wird erst Jahre später erkannt, dass ein früherer Vorschlag der passendere gewesen wäre", sagt sie gelassen, weil sie diese Situationen schon oft erlebt hat.

Langweilig wird es ihr im Ruhestand nicht. Sie ist Vizepräsidentin der Bayerischen Architektenkammer und im Landesdenkmalrat vertreten. Vor fünf Jahren, als sie ernsthaft erkrankt war, entdeckte sie ihre Neigung zum Malen wieder. "Ich kann gut mit mir allein sein, und es gibt für mich in Oberfranken noch einiges zu erkunden." Im Fitness-Studio, beim Nordic Walking oder Schwimmen will sie sich fit halten, freut sich aber auch darauf, mehr Zeit für ihre Enkelkinder zu haben. "Ich kann meine Kinder entlasten und vielleicht lerne ich, die Welt noch einmal mit anderen Augen zu sehen."

Autor

Ute Eschenbacher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bau Bautechnik Bauwesen und Bauwerke Denkmalpflege Dieter Heckel Gebäude Hochbau Planfeststellungsverfahren Staaten Straßenbau Technische Hochschulen
Bayreuth Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mit dem Cluster-Neubau am Beruflichen Schulzentrum ist ein großer Wurf gelungen. Die Freude bei Schulleiter Alexander Battistella (links) und Landrat Klaus Peter Söllner ist groß, dass auch der Kreistag "Grünes Licht" für das 12-Millionen-Projekt gegeben hat. Foto: Werner Reißaus

01.08.2019

Grünes Licht für Millionen-Neubau

Das Berufliche Schulzentrum in Kulmbach wird für zwölf Millionen Euro erweitert. Der Cluster-Bau wird über ein Kommunales Investitionsprogramm gefördert. » mehr

Sondervorschriften für den Landkreis Kulmbach zur elektromagnetischen Strahlung von Mobilfunkmasten (wie hier in der Caspar-Fischer-Straße) sind nicht möglich, wofür die Grünen im Schulausschuss plädiert hatten. Was die Strahlung nach dem digitalen Ausbau in Schulen über WLAN betrifft, wird sich das Landratsamt mit einem ausgewiesenen Spezialisten in Verbindung setzen und diesen zu Rate ziehen. Foto: Klaus Klaschka

25.07.2019

Ausschuss will Experten hören

Im Schulausschuss des Landkreises ging es um WLAN und Mobilfunk. Einem Antrag der Grünen mochte sich das Gremium nicht anschließen. » mehr

Das Bauwerk der Mälzerei Meußdoerffer ist gekennzeichnet durch Zinnenkränze und turmartige Schornsteine in neugotischen Formen.

26.07.2019

Neue Liebe zum alten Backstein

Kulmbachs historische Industriebauten können zum Politikum werden. Das Landesamt für Denkmalpflege weiß, welche Gemäuer schützenswert sind und welche nicht. » mehr

Von vorne sieht die Fassade noch am besten aus. Doch schützenswert ist sie nicht, sagt der Denkmalschutz. Das liegt unter anderem daran, dass an dem Gebäude schon viel verändert wurde. Foto: Gabriele Fölsche

22.07.2019

Ziegel-Nostalgie gegen Beton-Moderne

Soll man die alte Mälzerei Müller erhalten? Darüber streiten sich in Kulmbach derzeit die Geister. Architektur, sagt Tino Heß, verändert sich. Die Sanierung sei zudem unbezahlbar. » mehr

Außer Thomas Nagel (FDP) stimmten am Donnerstag alle Stadträte über die Fraktionen hinweg dem Bauantrag eines Investors zu, der in der Pestalozzistraße auf dem Areal der ehemaligen Mälzerei Müller 120 Studentenappartements und 37 Seniorenwohnungen bauen will. Die Visualisierung zeigt, wie das Gebäude aussehen soll, das nächstes Jahr gebaut wird.

18.07.2019

Grünes Licht für Studentenwohnheim

Fast einstimmig spricht sich der Stadtrat für den Abriss der ehemaligen Mälzerei Müller und den Bau von knapp 160 Wohnungen an dieser Stelle aus. 2020 ist Baubeginn. » mehr

Wer alte Häuser saniert, kommt ohne Überraschungen kaum davon. Bernd Ohnemüller zeigt, wie marode viele der Dachbalken sind. Das war nicht die einzige Entdeckung, die den Bau nun deutlich teurer macht. Fotos: Melitta Burger

27.06.2019

Bauamtssanierung wird deutlich teurer

Auf 2,7 Millionen Euro wurde die Sanierung geschätzt. Jetzt ist der Betrag auf rund 3,6 Millionen Euro gestiegen. Die Stadt hofft auf höhere Zuschüsse für das sehr alte Haus. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Ramelow im Höllental

Ramelow im Höllental | 19.08.2019 Hölle
» 60 Bilder ansehen

SonneMondSterne Saalfeld

SonneMondSterne-Festival | 10.08.2019 Saalburg
» 122 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0 | 17.08.2019 Hof
» 120 Bilder ansehen

Autor

Ute Eschenbacher

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
00:00 Uhr



^