Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Kulmbach

Der versteckte Turm

Das Eckhaus am Festungsberg in Kulmbach ist einst ein Adelssitz gewesen. Auch heute noch ist das schlossartige Erscheinungsbild erkennbar.



Der Löwenkopf über dem ehemaligen Eingang ist ein Zeichen von Wohlstand.
Der Löwenkopf über dem ehemaligen Eingang ist ein Zeichen von Wohlstand.   » zu den Bildern

Kulmbach - In alten Schriften liest man öfters von der Lage Kulmbachs im Kranz von malerischen Schlössern und Adelssitzen. Von diesen sind im Stadtgebiet heute nur noch zwei äußerlich einigermaßen unversehrt geblieben: Das Künßbergische Schlösschen auf der Stadtmauer und die sogenannte Kleinkinderschule in der Waaggasse. Die anderen verbergen sich in Bürgerhäusern, beziehungsweise sind ganz verschwunden. Das Landbuch von 1531 kennt zwölf Adelsbehausungen, von denen aber nur vier ausdrücklich als Burggüter bezeichnet sind.

Das Anwesen Festungsberg 2 lässt seine einstige Zweckbestimmung als Burggut erst bei genauerem Hinsehen erahnen und mit einiger Fantasie ist zusammen mit dem Anbau an der Nordwestecke des Hauptgebäudes auch ein schlossartiges Erscheinungsbild erkennbar.

Die Erbauung des dreigeschossigen Gebäudes ist nach der Zerstörung am Konraditag 1553 erfolgt, wobei es als sicher gilt, dass die Grundmauern mittelalterlich sind. Der rundbogige, heute als Fenster genutzte Zugang, lässt darauf schließen, dass das Untergeschoss einst gewölbt war. Sicherlich haben einige dieser gewölbten Untergeschosse den Brand überstanden.

Die früheren Ausmaße des Hauses dürften vergleichbar mit den heutigen sein. Die architektonische Gestaltung atmet in Maß und Zahl den Geist der Renaissance. Unter dem heute geschieferten Giebeldreieck ist Fachwerk verborgen, das dem massigen Baukörper die Schwere nahm.

Das bereits erwähnte vermauerte Rustika-Portal, dessen Schlussstein ein künstlerisch bemerkenswerter Löwenkopf ziert, war einst der Haupteingang. Diese Schlusssteine sind Kopien antiker Vorlagen und werden als sogenannte Maskarons oder Fratzenköpfe bezeichnet. In der Renaissance haben sie sich als Bauschmuck verbreitet und kommen oft als Schlusssteine in Fenster- oder Türstürzen oder als Schmuck von Konsolsteinen vor. Natürlich dienten sie auch zur Erkennung eines Hauses. Solcher Bauschmuck ist stets ein Zeichen des Wohlstandes des Hausbesitzers. Der Löwe ist außerdem ein Sinnbild der Stärke. Im Volksglauben schützen die Fratzenbilder vor dem bösen Blick und sollen das "Böse" von den Bewohnern abhalten.

Links daneben sind in der Rundung neben dem jetzigen Eingang noch Turmreste erkennbar, ähnlich denen des erhaltenen Turms/Bürgerlochs in der Spitalgasse. Im Anbau befindet sich nun der Eingang zum Anwesen "Festungsberg 2". Die schöne Eingangstür schaut zwar alt aus, wurde aber zu einem späteren Zeitpunkt von dem Schreinermeister Novy von der Firma Höfling gefertigt. Der Anbau ist typisch für die Renaissance und hatte früher ein anderes Aussehen als heute. Darauf deuten zwei halb eingemauerte Säulen an der Innenwand hin. Möglicherweise gehörte zu diesen eine dritte Säule. Alle zusammen dienten als Stützen für einen Arkadengang.

Wer die Fensterwände an der Südseite genauer betrachtet, erkennt, dass diese sogar den Unregelmäßigkeiten der Außenmauer angepasst sind. Im Obergeschoss gibt es noch Reste von Stuckdecken, die wohl in der Barockzeit angebracht wurden. Verziert sind diese Decken von relativ schwerfälligen Rahmen und Bandwerkstuck. Später eingezogene Wände haben diesen jedoch zum Torso werden lassen.

Autor

Erich, Marcus Olbrich
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
16:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Baukörper Die antike Zeit (1599 v. Ch. - 476 n. Ch.) Geschichte Hauseigentümer Häuser Mittelalter (500 - 1419) Stadtbefestigung Türme Zeit der Renaissance und des Humanismus (1420 - 1599) Zerstörung
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Einen schlanken Fuß machte sich Dr. Daniel Burger beim Anziehen des Beinzeuges seines gotischen Harnisches.

12.11.2019

Hüpfen im Stahlkleid

Daniel Burger präsentiert bei den Freunden der Plassenburg Rüstungsgeschichte und -technik. Dabei kommt er ganz schön ins Schwitzen. » mehr

Unter mehreren Häusern im Stadtzentrum befinden sich alte Gewölbekeller.

01.09.2019

Ganz neue Blicke auf die Heimatstadt

Die erste Stadtsteinacher Stadtführung kam außerordentlich gut an. Nach dem dreistündigen Rundgang waren die Teilnehmer begeistert. Deswegen gibt noch eine Runde. » mehr

Heute ist der Blick von der Straße, an der einst der Schwanenbräukeller stand, frei auf ein neues Wohngebäude. Der Schwanenbräukeller wurde im Januar 2018 abgerissen.	Fotos: Erich Olbrich

25.08.2019

"Der schöne Spiegel in der Wolfskehle"

Der Baumeister der Plassenburg, Caspar Fischer, wohnte dereinst im Spiegelgut. Das Anwesen ist längst der Spitzhacke zum Opfer gefallen. » mehr

Zimmerermeister Rainer Spindler aus Stadtsteinach hielt den Richtspruch auf dem Baugerüst des Erweiterungsbaus der Kindertagesstätte Ludwigschorgast. Er erhob das Glas und lobte die Arbeit der Handwerker, Planer sowie aller, die zum Entstehen des Gebäudes beitragen. Foto: Klaus-Peter Wulf

10.11.2019

Kindergarten-Anbau im Zeitplan

Auf dem Anbau der Kindertagesstätte in Ludwigschorgast steht der Richtbaum. Das Projekt wird knapp 1,5 Millionen Euro kosten. » mehr

Die Jungen und Mädchen des Paul-Gerhardt-Kindergarten haben die Häuser, die die Stadt darstellen, selbst gebastelt.

08.11.2019

Eine Legende, die Kinder gut verstehen

Am 11. November ehren die Kinder St. Martin mit Laternenumzügen. Im Paul-Gerhardt-Kindergarten, werden die Jungen und Mädchen auf diesen Tag gut vorbereitet. » mehr

Die sanierte Villa in der Luitpoldstraße in Kulmbach wirkt einladend und behaglich. Luisa Streng, die Leiterin der BRK-Tagespflegeeinrichtung, steht mit ihrem Team bereit für die neue Aufgabe. Fotos: Stefan Linß

vor 4 Stunden

Betreuung mit Stil

Kulmbachs erste solitäre Tagespflege eröffnet in der Ruppert-Villa in der Luitpoldstraße. Der BRK-Kreisverband freut sich über die gelungene Sanierung des historischen Gebäudes. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lehrermedientag 2019 Hof

Lehrermedientag 2019 | 20.11.2019 Hof
» 58 Bilder ansehen

Susis Blaulichtparty Weißenstadt

Susis Blaulichtparty | 16.11.2019 Weißenstadt
» 47 Bilder ansehen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 Garmisch-Partenkirchen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 | 17.11.2019 Garmisch-Partenkirchen
» 29 Bilder ansehen

Autor

Erich, Marcus Olbrich

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
16:50 Uhr



^