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Kulmbach

Die Anpacker vom Dienst

In der Gemeinde Ködnitz gehen die Bürgermeister mit gutem Beispiel voran. Zusammen mit einigen Helfern legen sie selbst Hand an, um der Kommune Kosten zu sparen.



Hartmut Penning beim Heckenschnitt an der Kindertagesstätte. Dahinter Herbert Büschel, zweiter Bürgermeister Hermann Popp und der Ködnitzer Bürgermeister Stephan Heckel-Michel.	Fotos: Werner Reißaus
Hartmut Penning beim Heckenschnitt an der Kindertagesstätte. Dahinter Herbert Büschel, zweiter Bürgermeister Hermann Popp und der Ködnitzer Bürgermeister Stephan Heckel-Michel. Fotos: Werner Reißaus   » zu den Bildern

Ködnitz/Fölschnitz - Hand- und Spanndienste gibt es eigentlich schon lange nicht mehr. Doch die Gemeinde Ködnitz mit ihren vielen Ortsteilen ist noch ein gelebtes Beispiel für die sogenannten Naturaldienste, die es früher zur Verminderung von Abgaben an die Gemeinde gab.

Die Gemeinden verpflichteten vor mehr als 50 Jahren ihre Bürger zu bestimmten körperlichen Arbeiten, die unter dem historischen Begriff "Frondienst" zusammengefasst waren. Nun, Frondienste sind es nicht, die Bürgermeister Stephan Heckel-Michel mit seinem Stellvertreter Hermann Popp und einer Handvoll Mitarbeiter das Jahr über schwerpunktmäßig in Fölschnitz verrichten. Vielmehr übernehmen sie freiwillig Aufgaben, für die die Kommune sonst ein Unternehmen beauftragten müsste. Und das Wichtigste ist dabei: Die beiden Bürgermeister sehen es nicht als Belastung, sondern sie gehen gern mit gutem Beispiel voran, wie in dieser Woche beim Rückschnitt einer Hecke an der Kindertagesstätte in Fölschnitz.

Unter dem Begriff Handdienste war einst der Dienstpflichtige zu sehen, der mit seiner eigenen Hand Arbeiten verrichtete. Dann kannte man noch die Spann- und Gespanndienste. Der Begriff kommt von Anspannen der Zugpferde. Der Dienstpflichtige hatte ein Gespann oder Fuhrwerk mit Zugvieh und Geschirr zu stellen. Schließlich gab es auch noch die Schippendienste zur Errichtung von Bauwerken, der Anlage von Straßen und Wassergräben, Landwehren und Rodungen.

Hand- und Spanndienste wurden oft im Dienst der Allgemeinheit erledigt. Das war früher häufig der Bau von Ackerwegen und Landstraßen. Die dafür benötigten Materialien wie Steine oder Holz stellte in der Regel die Kommune zur Verfügung. Auch heute sehen kommunalrechtliche Vorschriften in der Bundesrepublik vor, dass Gemeinden ihre Einwohner unter gewissen Umständen zu Hand- und Spanndiensten verpflichten können. Hierbei handelt es sich um öffentliche Dienstleistungspflichten im Sinne von Artikel 12, Absatz 2 des Grundgesetzes, die nicht gegen das Zwangsarbeitsverbot verstoßen. Praktisch angewandt werden derartige Bestimmungen, wie eingangs bereits erwähnt, aber nicht mehr. Hand- und Spanndienste waren früher eine Verpflichtung zu körperlicher Arbeit für den Staat oder einen Herrscher.

Angefangen haben diese freiwilligen Hand- und Spanndienste vor drei Jahren in der Gemeinde Ködnitz damit, dass die Zufahrt zur Kneippanlage in Ebersbach in einem desolaten Zustand war. Zweiter Bürgermeister Hermann Popp: "Das war damals meine Idee, diesen Weg, der durch Wiesen ging, wieder ordentlich befahrbar und auch begehbar zu machen. Mit dabei waren damals Hartmut Penning, Reinhard Kortschack und Gerhard Maiwald. Ich habe damals auch mit den Grundstückseigentümern die Maßnahme besprochen. Die Gemeinde war ebenfalls involviert, weil sie die Kosten und den Transport für das Material übernehmen musste."

Hartmut Penning, der vor wenigen Tagen seinen 65. Geburtstag feiern konnte, ist als "Felschlicher", wenn es bei ihm zeitlich geht, immer gern dabei. Die Hilfsbereitschaft hat er wohl von seinen Eltern vererbt bekommen: "Ich sehe es für mich als eine Selbstverständlichkeit an, als rüstiger Rentner mitzuhelfen. Es gibt nun einmal gewisse Tätigkeiten, durch die man in einer Dorfgemeinschaft mithelfen kann. Ich bin froh, bei dieser Crew dabei zu sein und mithelfen zu können. Da gibt es kein großes Gerede hin und her, sondern da wird angepackt. Es ist auch schön, wenn man nachher sieht, dass wieder etwas gemeinsam geschafft wurde. Der Weg zur Kneippanlage wurde professionell gemacht, und er hat auch einen anhaltenden Wert." Das war bisher zeitlich die größte Maßnahme, denn knapp eine Woche war die "Felschlicher Hand- und Spanndienste-Crew" damit beschäftigt.

In der Folge wurde eine Sandsteinmauer im Garten des Rathauses neu gesetzt. Eine kräftezehrende Arbeit, die die beiden Bürgermeister Stephan Heckel-Michel und Hermann Popp im Alleingang erledigten. Der Gemeinde Ködnitz wurden damit Kosten erspart, denn die Arbeiten hätte eine Baufirma übernehmen müssen. In Eigenleistung legten Stephan Heckel-Michel und Hermann Popp auch eine Quellfassung unterhalb des Neuenmarkter Ortsteiles See bei frostigen Temperaturen frei, damit das Oberflächenwasser wieder geordnet ablaufen konnte. Bürgermeister Stephan Heckel-Michel: "Hermann Popp ist einfach der gute Geist und Ideengeber hier in Fölschnitz. Es ist toll, wenn sich in den einzelnen Ortsteilen immer wieder ein paar Bürger zusammenfinden und dann etwas für die Allgemeinheit machen. Es wäre schön, wenn es noch mehr solche hilfsbereiten Bürger in unserer Gemeinde geben würde. Es ist der Vorteil auf dem Land, dass man einander kennt, also nicht in der Anonymität lebt und eher bereit ist, etwas zu machen."

Kleine Aufgaben werden sofort erledigt, große später. Bürgermeister Stephan Heckel-Michel: "Vor wenigen Tagen haben wir im Kindergarten zusammengesessen. Da ging es darum, dass eine Treppenstufe locker ist. Es wurde darüber diskutiert, ob eine Firma beauftragt wird und Angebote eingeholt werden. Die Arbeit haben wir vergangene Woche selbst erledigt. Als Gemeinde erhofft man sich ja, dass die Vereine auch etwas für die Gemeinschaft tun. Da gehören wir als Bürgermeister dazu. Wir sind ein Teil dieser Gemeinde. Hermann Popp ist in Fölschnitz der Taktgeber und unser dritter Bürgermeister Heinz Mösch macht es in Ködnitz. Ähnlich verläuft es auch in Kauerndorf und Ebersbach."

Ködnitz ist damit zweifelsohne eine Vorzeigegemeinde im Landkreis Kulmbach. Nicht unerwähnt lässt der Bürgermeister aber auch die Mithilfe des Gartenbauvereins Fölschnitz-Kauerndorf. Zweiter Bürgermeister Hermann Popp stellt abschließend fest: "Es ist schön, dass es in jeder Ortschaft eine Handvoll Leute gibt, die mithelfen."

Und eines ist auch ganz wichtig: Nach getaner Arbeit setzt man sich zu einer Brotzeit zusammen.

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Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
17:30 Uhr

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Werner Reißaus

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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
17:30 Uhr



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