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Kulmbach

Die Augustiner vom Holzmarkt

Heute erinnert nur noch der Name der Klostergasse an den Standort eines Augustinerklosters am Holzmarkt. Auf dem Gelände steht heute die VR-Bank Oberfranken-Mitte.



Das Augustinerkloster befand sich zwischen Holzmarkt, Webergasse und Klostergasse. Der Lageplan stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Das Augustinerkloster befand sich zwischen Holzmarkt, Webergasse und Klostergasse. Der Lageplan stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.   » zu den Bildern

Kulmbach - Inmitten der Stadt Kulmbach stand dereinst ein berühmt-berüchtigtes Augustinerkloster. Gegründet wurde es im Jahre 1340 vom Burggrafen Johann II. zu Nürnberg und seiner Gemahlin Elisabeth. Die Mönche dieses Klosters sollen aber bis 1420 ein sehr ausschweifendes Leben geführt haben. Burggraf Johann sah sich deshalb schließlich veranlasst, ihnen dies zu verbieten. Er ließ den General des Augustiner-Ordens durch den Papst auffordern, sich des Klosters anzunehmen.

Im Hussitenkrieg 1430 wurde das Kloster stark in Mitleidenschaft gezogen. Vieles wurde zerstört und das Heiligtum geschändet. Die Mönche führte man aufs Eis des Mains und misshandelte sie. 1433 waren die Schäden an der Kirche wieder beseitigt und sie konnte neu geweiht werden. Durch fromme Stiftungen vermehrte sich der Besitz des Klosters.

In der Folgezeit muss es großartig ausgebaut worden sein, denn als Martin Luther 1518 auf seiner Reise nach Augsburg darin eingekehrt sein soll, soll er gesagt haben, dass er nie ein schöneres Kloster seines Ordens gesehen habe. Der schriftliche Nachweis, dass Martin Luther hier übernachtet hat, war bislang nicht zu finden, wohl aber ist überliefert, dass er Kulmbacher "Gliess" sehr geschätzt habe. Also musste er mit dieser Köstlichkeit in Berührung gekommen sein. Er suchte sogar für seinen Haushalt eine Köchin, die diese zubereiten konnte.

Erwin Hermann schreibt in seinem Buch "Geschichte der Stadt Kulmbach" darüber, dass Philipp Melanchthon auf seinem Weg zum Trienter Konzil in Kulmbach übernachtete. Eine wichtige Aufgabe der Mönche war die Erziehung talentvoller Bürgersöhne und adeliger Jünglinge. Diese wurden auf den Universitätsbesuch vorbereitet. Die zahlreichen Gebäude des Klosters, Konvent-Haus, Klosterkirche, Kreuzgang, Frauen-, Anna-, Elisabeth-, Zwölfbotenkapelle, Brauhaus und auch der Garten waren mit einer hohen Mauer umgeben.

Nach der Einführung der Reformation in Kulmbach 1528 erhielt das Kloster einen evangelischen Geistlichen. Doch löste es sich ab diesem Zeitpunkt langsam auf, sodass 1547 nach der Säkularisation (Verweltlichung aller kirchlichen Güter) aus ihm ein Verwaltungsamt wurde .

Die Klostergebäude waren funktionslos geworden und standen leer. Um dem Feind keinen Unterschlupf zu gewähren, haben die Verteidiger der Stadt sie selbst angezündet. So verwundert es nicht, dass das ehemalige Augustiner-Kloster nach der völligen Zerstörung Kulmbachs im Bundesständischen Krieg 1553 nicht wiederaufgebaut wurde.

Das Gelände am Holzmarkt, wo sich heute die VR-Bank Oberfranken-Mitte und die ehemalige Hypobank befinden, war zum Teil sogar noch im 19. Jh. unbebaut. Bei Grundausgrabungen für deren Neubau, ist man 1921 auf zwölf Holzsärge gestoßen. Es fanden sich keinerlei Grabbeigaben, so dass man hier Mönchsgräber vermutete. Auch beim Neubau der Christenn’schen Malzfabrik wurden einige Särge und kleine Kreuze ausgegraben. Auf einer Zeichnung ist noch die im gotischen Stil errichtete wuchtige Kirche mit Strebepfeilern an den Seitenwänden und einem hohen viereckigen Turm erkennbar.

Daneben schließt sich das eigentliche Kloster an, ein zweigeschossiges Gebäude mit kleinen Fenstern. Rechts der Kirche ist der mit einer Mauer umschlossene Friedhof zu erkennen. Nicht zu sehen sind das Brauhaus, die Klostermühle (die abgerissene Beckenmühle) und der Klostergarten. Über die weiß man aber genauer Bescheid, da es eine Beschreibung der Klosterruine aus dem Jahr 1557 gibt, die alle Teile des Geländes einzeln aufführt. Die Zeichnung muss zwischen der ersten und zweiten Belagerung entstanden sein, also im Herbst 1553.

Der letzte Mönch namens Günter, gewöhnlich der "würdige Herr" genannt, starb 1549 in Kulmbach. Ein Spross einer angesehenen Kulmbacher Familie, Dr. Lukas Schondorfer, war eine Zeit lang Prior des Klosters und hatte gleichzeitig einige Pfarreien in der Umgebung inne. Die Schondorfer Felder lagen westlich des Künzels-Baches.

Autor

Erich, Marcus Olbrich
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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
17:06 Uhr

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Erich, Marcus Olbrich

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Veröffentlicht am:
07. 10. 2019
17:06 Uhr



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