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Kulmbach

Die "Freiheit" kann tödlich enden

Einen "Kaltstart" in die Motorradsaison sollte jeder Biker vermeiden. Am Wochenende gab es im Landkreis gleich zwei Unfälle, bei denen Motorradfahrer schwer verletzt wurden.



Motorradfahren ist für viele Menschen ein besonderes Erlebnis. Damit sie das genießen können und nicht im Krankenhaus landen, rät die Polizei Bikern, sich vorzubereiten. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Motorradfahren ist für viele Menschen ein besonderes Erlebnis. Damit sie das genießen können und nicht im Krankenhaus landen, rät die Polizei Bikern, sich vorzubereiten. Foto: Sebastian Gollnow/dpa  

Kulmbach - Kaum ist der Frühling da, prägen schon wieder schwere Motorradunfälle die Polizeinachrichten. Im Landkreis Kulmbach hat es am Freitag und am Sonntag gleich zwei Stürze mit schlimmen Folgen gegeben; die Unfallorte lagen nur rund 300 Meter auseinander. Eine Kurve bei Braunersreuth im Bereich Presseck wurde gleich zwei Bikern zum Verhängnis. Als Unfallursache gibt die Polizei für die Unfälle zu hohe Geschwindigkeit an. Für Klaus-Peter Lang, den Verkehrssachbearbeiter der Kulmbacher Polizei, ist das ein Grund, an die Vernunft und Vorsicht der Motorradfahrer zu appellieren.

Oberfrankenweit mehr Motorradunfälle

Der heiße Sommer 2018 wird als "Mitverursacher" für das Ansteigen der Zahl der Motorradunfälle in ganz Oberfranken angegeben. 799 Mal im Vergleich zu 785 im Vorjahr waren Motorräder an Verkehrsunfällen beteiligt. Sieben Biker, im Vorjahr waren es acht, verloren ihr Leben. Auch drei Motorroller oder Mofafahrer erlitten bei Unfällen tödliche Verletzungen. 710 motorisierte Zweiradfahrer, und somit 3,2 Prozent mehr, erlitten bei den Verkehrsunfällen auf oberfränkischen Straßen Verletzungen (2017: 688).

Traurige Wahrheit aus der oberfränkischen Unfallstatistik der Polizei: Knapp zwei Drittel (469 von 799) der oberfränkischen Motorradunfälle im vergangenen Jahr wurden von den Bikern selbst verursacht.

Motorradsternfahrt am 27. und 28. April

Mit der Motorradsternfahrt in Kulmbach will das Polizeipräsidium dazu beitragen, dass Biker sicher in die Saison starten können. "Ankommen statt umkommen" ist auch in diesem Jahr am 27. und 28. April in Kulmbach wieder das Motto der Veranstaltung, zu der Tausende Motorradfahrer aus ganz Bayern und darüber hinaus erwartet werden. Das Event ist Teil der Verkehrssicherheits- und Präventionsarbeit der oberfränkischen Polizei und gilt als jährliche Auftaktveranstaltung für die Motorradsaison. Die Sternfahrtbesucher können sich an dem Wochenende über zahlreiche sicherheitsrelevante Themen zum Straßenverkehr informieren. Informationen zur Motorradsternfahrt sowie zu den kostenlosen Fahrsicherheitstrainings und den Anfahrten gibt es unter: www.motorradsternfahrt.de

Der erste Unfall ereignete sich am Freitag gegen 16.35 Uhr auf der Staatsstraße 2195 zwischen Presseck und Stadtsteinach. Auf der ehemaligen Bergrennstrecke, in der Nähe von Braunersreuth, verlor ein 22-jähriger Kronacher mit seiner Honda CBR 600 auf der Fahrt in Richtung Stadtsteinach in einer leichten Linkskurve die Kontrolle über sein Motorrad und landete im Straßengraben. Den schwer verletzten Mann fand ein weiterer Motorradfahrer, der Erste Hilfe leistete und die Rettungsdienste zu Hilfe rief. Der 22-jährige erlitt nach Angaben der Polizei mehrere Kopfverletzungen und Wirbelbrüche. Der Schaden an dem total zerstörten Motorrad wird auf rund 4500 Euro geschätzt. Die Unfallursache laut Polizei: Überhöhte Geschwindigkeit.

Nur zwei Tage später und 300 Meter von der ersten Unfallstelle entfernt geschah dann am Sonntag gegen 13.55 Uhr der nächste schwere Unfall, an dem ebenfalls ein Motorradfahrer allein beteiligt war. Der 51-jährige Biker hat, wie die Stadtsteinacher Polizei berichtet, ebenfalls eine Kurve unterschätzt, geriet auf die Gegenfahrbahn und stürzte in einer angrenzenden Wiese. Der Mann erlitt schwere Verletzungen. An seiner Yamaha entstand Schaden in Höhe von rund 5000 Euro.

Klaus-Peter Lang hofft, dass dieses Jahr nicht so endet wie das vergangene. 2018 hat es 44 Unfälle mit Beteiligung eines Motorrads im Landkreis Kulmbach gegeben. Im Jahr davor waren es nur 36 gewesen. Die Statistik verzeichnet eine Steigerung um 22,2 Prozent. Um 24 Prozent, von 33 auf 41, ist die Zahl der verletzten Biker angestiegen. Ein Motorradfahrer erlitt, ebenfalls auf der Strecke zwischen Stadtsteinach und Presseck, im September sein Leben. Unfälle mit Motorrollern und Mofas werden in einer eigenen Statistik erfasst. 17 Unfälle haben sich mit solchen Fahrzeugen im vergangenen Jahr im Landkreis Kulmbach ereignet, 15 vorwiegend junge Menschen wurden dabei verletzt.

Die Ursachen sind vielfältig. Zu hohe Geschwindigkeit ist sicher die Hauptursache. Manche Biker, sagt Klaus-Peter Lang, kommen mit der Streckenführung nicht zurecht, andere begehen Fehler beim Handling ihrer Maschine. "Das sind oft ganz normale Fehler, die auch einem Autofahrer passieren. Aber wenn ein Pkw in eine Leitplanke rutscht, dann ist halt die Beifahrerseite kaputt. Der Motorradfahrer rutscht in die Leitplanke und verletzt sich dabei meist schwer. Das Polster fehlt", macht der Verkehrssachbearbeiter deutlich. Natürlich sind nicht immer die Biker selbst schuld, wenn sie verunglücken. "Ein entgegenkommendes oder querendes Motorrad wird leicht auch mal übersehen."

Nach den ersten schweren Motorradunfällen dieser Saison appelliert Klaus-Peter Lang an die Vernunft aller Verkehrsteilnehmer. "Wer sich das erste Mal nach dem Winter wieder auf seine Maschine setzt, sollte es langsam angehen lassen und sich erst wieder reinfinden." Sicherheits- und Fahrtrainings seien zu empfehlen, wie sie vor der Motorradsternfahrt in Kulmbach von Fahrschulen in der Region angeboten werden. Ganz wichtig ist es, wie Klaus-Peter Lang betont, gute Schutzkleidung zu tragen. Daran sollte man nicht sparen. "Sie dämpft schwere Verletzungen."

Auch das Polizeipräsidium rät Bikern dringend, nicht unvorbereitet in die Saison zu starten: "Motorradfahrer sollen mit Aufwärmtrainings die über den Winter vernachlässigten Fahrfertigkeiten wieder auffrischen, denn die sichere Handhabung des motorisierten Zweirades bedarf einer gewissen Übung und Routine. Vor allem Erst- und Wiedereinsteigern, die einige Jahre auf das Fahren verzichtet haben, fehlt in der Regel die nötige Fahrpraxis. Hier ist das Erlernen oder die Auffrischung der Fahrfähigkeiten unabdingbar. Grundsätzlich sollte jeder Biker zum Saisonbeginn ein Motorrad-Sicherheitstraining absolvieren."

Doch nicht nur der Fahrer, sondern auch die Maschine muss auf Vordermann gebracht werden. Ein Sicherheits-Check ist wichtig. Bremsen, Reifen und Beleuchtung wie insgesamt die Technik sollten überprüft werden. Einfach losfahren kann gefährlich sein: "Nicht selten kommt es während der langen Winterstandzeit der Fahrzeuge zu technischen Ausfällen wie beispielsweise spröden Bremsleitungen, die - sofern sie erst während der Fahrt festgestellt werden - fatale Folgen nach sich ziehen können."

Nicht nur während des Blitzer-Marathons in dieser Woche setzt die Polizei im Landkreis Kulmbach auf Geschwindigkeitskontrollen. Klaus-Peter Lang macht zudem deutlich, dass die Polizei verstärkt auch aufgemotzte Bikes unter die Lupe nehmen wird. "Viele nehmen Veränderungen an ihren Maschinen vor, beispielsweise montieren sie laute Auspuffrohre. Das sollte man tunlichst unterlassen", macht der Kulmbacher Polizeibeamte deutlich.

Autor

Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
01. 04. 2019
17:44 Uhr

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Melitta Burger

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01. 04. 2019
17:44 Uhr



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