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Kulmbach

Die Geburtshelfer einer Partnerschaft

Georg und Elisabeth Bauer erinnern sich an die Gründungsjahre der freundschaftlichen Verbindung zwischen Marktleugast und Pilisszentiván. Vom 27. August bis 1. September feiern Oberfranken und Ungarn das 25. Jubiläum der Partnerschaft.



Vor 25 Jahren haben die Vertreter beider Gemeinden in der Marktleugaster Schulturnhalle die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet und anschließend das Ereignis gebührend und zünftig gefeiert. Unser Bild zeigt (von links) Marika Mirk, zweiten Bürgermeister Raimund Huber, Landrat Herbert Hofmann, die Bürgermeister Gabor Penzes und Manfred Huhs, Gemeinderat Karl Richolm aus Pilisszentiván und Initiator Georg Bauer. 	Repro: Archiv Markt Marktleugast
Vor 25 Jahren haben die Vertreter beider Gemeinden in der Marktleugaster Schulturnhalle die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet und anschließend das Ereignis gebührend und zünftig gefeiert. Unser Bild zeigt (von links) Marika Mirk, zweiten Bürgermeister Raimund Huber, Landrat Herbert Hofmann, die Bürgermeister Gabor Penzes und Manfred Huhs, Gemeinderat Karl Richolm aus Pilisszentiván und Initiator Georg Bauer. Repro: Archiv Markt Marktleugast   » zu den Bildern

Marktleugast - Ein Ereignis der Superlative, die Feiertage zur 25-jährigen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden zwischen Marktleugast und dem ungarischen Pilisszentiván vom 27. August bis 1. September werfen ihre Schatten voraus. Das Ehepaar Georg und Elisabeth Bauer blicken dankbar zurück und sagen im Gespräch mit der Frankenpost : "Es ist für uns ein Traum, dass wir diese Partnerschaft über 25 Jahre erleben durften. Und es ist ein Glücksfall für diese Verbindung, dass sich die Bürgermeister Gabor Penzes und Manfred Huhs von Beginn an sympathisch waren."

Die Anfänge dieser Partnerschaft, übrigens die erste auf Gemeindeebene zwischen Deutschland und Ungarn - vorher gab es nur Verbindungen zwischen Städten beider Länder - reichen bis zum Zweiten Weltkrieg zurück. "Im November 1944, als die deutschen Truppen bereits im Rückzug waren, erging der Aufruf von der Wehrmacht an die deutschstämmige Bevölkerung in Pilisszentiván, von der Möglichkeit der Evakuierung nach Deutschland Gebrauch zu machen. So kamen Ende 1944 etwa 360 Personen - vor allem Kinder und Frauen - nach Deutschland, überwiegend nach Marktleu-gast und die Nachbarorte. Unter ihnen war auch ich als Zwölfjähriger", erzählt Georg Bauer.

Zu ersten Verwandtschaftsbesuchen konnte es erst Ende der 1960er Jahre kommen. 1984 war dann eine Gruppe von Wallfahrern aus Pilisszentiván in Marienweiher, bei der verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehungen zu neuem Leben erwachten. 1985 bestritt die Altliga des 1. FC Marktleugast ein Freundschaftsspiel in Pilisszentiván. Noch im selben Jahr unternahm der gemischte Chor der ungarischen Gemeinde eine Konzertreise nach Bordesholm in Norddeutschland und machte Zwischenstation in Ludwigschorgast, wobei die Gäste auf Vermittlung des Ehepaars Bauer in Privatquartieren in Ludwigschorgast, Kupferberg und Marktleugast untergebracht waren. Der Chor präsentierte bei einem "Bunten Abend" in der Turnhalle des FC Ludwigschorgast sein grandioses Können. 1986 sorgten die Reise und ein Konzert des Musikvereines Marktleugast, der schon 1984 bei einer Reise durch Ungarn in Sankt Iwan aufgespielt hatte, für einen großartigen Eindruck in der ungarischen Gemeinde.

In den Jahren davor hatte Georg Bauer schon bei einer Unterhaltung mit dem damaligen zweiten Marktleugaster Bürgermeister Raimund Huber eine Verbindung mit seiner ungarischen Heimatgemeinde angeregt. Den ersten Anstoß zu einer Partnerschaft mit einer europäischen Gemeinde gab Huber dann 1985 mit einem entsprechenden Antrag an den Marktgemeinderat. Er sagte nach dem Besuch mit der Blasmusik in Ungarn: "Wenn schon eine Partnerschaft, warum dann nicht mit Pilisszentivan!"

"Am 1. Juli 1987 stellte ich dann den schriftlichen Antrag an den Gemeinderat Marktleugast, eine solche Partnerschaft mit Sankt Iwan einzugehen. Ich erinnerte dabei an die Worte des dortigen Ratsvorsitzenden Gabor Penzes: Der Musikverein hat mit seinem Konzertbesuch viel bewegt und bewirkt. Ich wohne seit 20 Jahren in Pilisszentivan, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", erinnert sich Georg Bauer an die Worte Penzes'. Einmütig stimmte der Marktleugaster Rat dieser Verbindung zu.

Den Weg bereitete dann ein Treffen im März 1988 in Gerlingen bei Stuttgart, mit dem Ergebnis, dass neben Städtepartnerschaften auch solche auf Gemeindeebene möglich wurden. "Als dann dort der ungarische Botschaftsrat Jozsef Kovacs verkündete, dass die Gemeindepartnerschaft zwischen Marktleugast und Pilisszentiván die erste ist, war die Freude bei Manfred Huhs und mir groß. Kovacs sagte damals zu mir: ,Sie haben sich aus den Dörfern um Budapest eine Perle herausgesucht!' Der ungarische Ministerpräsident Karoly Grosz hat dann bei einem Staatsbesuch in München mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß die Partnerschaft per Handschlag genehmigt." Ein großes Dankeschön richtet Georg Bauer an Altlandrat Herbert Hofmann, der mit seinem großen persönlichen Einsatz in München einen wesentlichen Beitrag am Zustandekommen beigesteuert hat.

Mit einer großen Delegation machten sich die Marktleugaster dann im Oktober 1988 auf den Weg nach Ungarn, wo in den Tagen vom 19. bis 23. Oktober die offiziellen Unterschriften unter die Partnerschaftsurkunden zwischen Pilisszentiván und Marktleugast gesetzt wurden. Der Urkundentext lautete: "In Bekenntnis zu einer Politik der Verständigung und des Friedens zum besseren Verstehen zwischen den Völkern, in dem Wunsche nach einem dauerhaften Austausch der Beziehungen in allen Bereichen des kommunalen Lebens zur Überwindung trennender Grenzen, in der Hoffnung auf eine stetige Freundschaft zwischen unseren Gemeinden und ihren Bürgern schließen nach bestehenden vielfältigen Kontakten auf verschiedenen Ebenen die Gemeinden Pilisszentiván in Ungarn und Marktleugast in der Bundesrepublik Deutschland eine offizielle Partnerschaft."

Die Bürgermeister Gabor Penzes und Manfred Huhs besiegelten dies unter dem Beifall der Festversammlung in der Turnhalle mit ihren Unterschriften, berichten Georg und Elisabeth Bauer. Penzes habe damals in Würdigung des Tages erklärt: "In der 260-jährigen Geschichte unseres Dorfes gibt es kaum ein Datum, das so herausragend wäre, wie das heutige. Wir halten es für eine Ehre, dass 1987 in Marktleugast einstimmig beschlossen wurde, mit unserer Gemeinde eine Partnerschaft zu knüpfen."

"Gabor Penzes sagte bereits 1988, dass diese Partnerschaft für beide Kommunen Früchte tragen werde, sowohl für die einzelnen Bürger, als auch für die Einrichtungen auf kultureller oder sportlicher Ebene. Er hat Recht behalten, diese Verbindung lebt und wird von vielen mit ihrem persönlichen Einsatz gepflegt", schaut Georg Bauer zurück.

Aus den vielen Projekten mit finanzieller Unterstützung aus Oberfranken - ob privat, geschäftlich, kommunal oder durch Firmen - ragen die Unterstützung für die Orgel in der Pilisszentiváner Kirche, die Kreuzwegstationen, der Brunnen vor dem Rathaus sowie die Schule und der Kindergarten heraus. Bauer erinnert sich an viele Transporte, ob mit Schulmöbeln und -tafeln, Spielsachen und Ausstattung für den Kindergarten sowie Bekleidung aller Art für die Bevölkerung. Unvergesslich ist für Elisabeth Bauer die Fahrt am 6. Dezember 1988, dem Nikolaustag, nach Ungarn. Mit dem Marktleugaster Gemeindebus, beladen mit Bananen, Äpfeln und Apfelsinen sind die beiden nach Pilisszentiván kutschiert und haben den Kindern eine riesige Freunde bereitet, die so etwas nicht kannten.

Es ist ein Glücksfall für diese Verbindung, dass sich die Bürgermeister Gabor Penzes und Manfred Huhs von Beginn an sympathisch waren.

Georg Bauer


Der ungarische Ministerpräsident Karoly Grosz und der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß haben die Partnerschaft per Handschlag genehmigt.


In der 260-jährigen Geschichte unseres Dorfes gibt es kaum ein Datum, das so herausragend wäre, wie das heutige.

Gabor Penzes, Bürgermeister von Pilisszentiván

bei der Unterzeichnung der

Partnerschaftsurkunde im Jahr 1988


Die Früchte jahrzehntelangen Engagements

In guter Erinnerung ist Georg Bauer auch noch die Fünfjahresfeier 1993 in Ungarn, als Bürgermeister Manfred Huhs, dem damaligen Landrat Herbert Hofmann und ihm als Initiator in Würdigung ihrer Verdienste um die Partnerschaft die Ehrenbürgerwürde Pilisszentiváns angetragen wurde.

Tränen hat der heute 83-Jährige in den Augen, wenn er auf seinen 80. Geburtstag zu sprechen kommt. Riesig hat sich Bauer gefreut, dass ihm Gabor Penzes aus Ungarn als Überraschungsgast die Ehre gab und ihn mit dem Goldenen Ehrenring mit Wappen seiner Gemeinde auszeichnete.

Wie Öl sind ihm, der sich über drei Jahrzehnte nun intensiv um und für die Partnerschaft mit Pilisszentiván eingesetzt hat, die Worte von Marika Mirk zur 20-Jahr-Feier der deutsch-ungarischen Verbindung zwischen den zwei Gemeinden untergegangen: "Wenn es Georg Bauer nicht gäbe, gäbe es diese Partnerschaft nicht!"

"Wir haben in den Jahren einzigartige Erlebnisse gehabt, die wir beide nicht missen möchten. Die bevorstehenden Tage werden für uns zwei schwere Tage, weil wir uns von den Ungarn verabschieden. Denn aus gesundheitlichen Gründen können wir nicht mehr nach Pilisszentiván reisen", bedauerte Elisabeth Bauer schweren Herzen zum Abschluss des Gespräches.

Und Georg Bauer sagt: "Ich werde in meiner Rede am Freitagabend darauf hinweisen: Wir beide haben die zurückliegenden Partnerschaftsjahre gelebt und meine Elisabeth war gerne Quartiermeisterin, um die Gäste privat unterzubringen. Jederzeit könnten wir erhobenen Hauptes durch Pilisszentiván gehen, denn sie wissen, was sie durch uns erfahren haben."

Und: "Glücklich und froh bin ich, dass Manfred Huhs weiter im Partnerschaftsausschuss dabei ist."


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Von Klaus-Peter Wulf
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Veröffentlicht am:
23. 08. 2014
00:00 Uhr

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Von Klaus-Peter Wulf

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23. 08. 2014
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