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Kulmbach

Die Lust an der Selbstvermessung

Elektronische Armbänder, smarte Uhren und Apps für Mobiltelefone liefern Daten über die eigene Gesundheit. Kulmbacher Fitnessstudios kennen Sinn und Unsinn solcher Helfer.



Fitness-Tracker sind beliebt. Die elektronischen Helfer liefern Daten über den eigenen Körper.
Fitness-Tracker sind beliebt. Die elektronischen Helfer liefern Daten über den eigenen Körper.  

Kulmbach - Um Fieber oder den Blutdruck zu messen, sind elektronische Geräte schon lange unverzichtbar. Dank neuer Technologie lassen sich mittlerweile alle möglichen Daten über die eigene Fitness und den Gesundheitszustand ermitteln. 30 Prozent der Deutschen machen bei der Selbstvermessung des Körpers schon mit, hat das Meinungsforschungsinstitut Yougov herausgefunden. Obwohl es auch viele kritische Stimmen gibt, freuen sich Hersteller und Händler der Armbänder, Anhänger und Computer-Uhren über eine steigende Nachfrage. Kulmbacher Fitnessstudios beobachten, dass der Trend weiter an Fahrt gewinnt.

Problem Datenschutz

Fitness-Armbänder, Computer-Uhren und Apps sammeln nicht nur persönliche Informationen der Nutzer, sondern geben sie auch weiter. Verbraucherschützer haben erneut vor Datenschutzmängeln gewarnt. Die Deutschen sehen darin das größte Problem der Geräte. Der Datenschutz ist bei der digitalen Vermessung der eigenen Körperfunktionen 94 Prozent der Deutschen wichtig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Instituts Yougov.

 

Die Umsätze im Bereich E-Health sollen sich in Deutschland von 300 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 662 Millionen Euro bis 2020 mehr als verdoppeln, teilt Yougov mit. Das Geschäft mit der elektronischen Gesundheitsmessung floriert.

Die Geräte können beispielsweise eine Satellitenortung nutzen und somit den Träger darüber informieren, wie viel er sich bewegt. Der Nutzer erhält Aufzeichnungen über seinen Puls oder den Kalorienverbrauch und morgens erfährt er, ob er einen gesunden Schlaf hatte.

Doch was taugen die Fitness-Tracker? Mittlerweile drängen unzählige Hersteller auf den Markt. Der Vertrieb läuft nicht nur über Sportfachgeschäfte und den Elektronikhandel, sondern auch über Fitness-Studios. Stefan Schmidt, der Geschäftsführer des Kulmbacher Familien-Fitness-Clubs "Fit'n Fun", verkauft die Geräte. Zusammen mit den Kunden hat er einige Praxiserfahrung im Umgang damit sammeln können.

"Es gibt viele Leute, die durch einen Fitness-Tracker motiviert werden", erklärt Stefan Schmidt. "Andere sagen, dass sie so etwas nicht brauchen." Der Nutzen hänge stark davon ab, welches Ziel man erreichen will. Wer vorhat, sein Gewicht zu reduzieren, für den könne eine Messung der Aktivitäten durchaus neue Erkenntnisse und interessante Einsichten bringen.

Dass Sitzen das neue Rauchen ist, habe sich längst herumgesprochen, sagt der Inhaber des Fitnessstudios. Eine reine Schreibtischtätigkeit im Beruf wirke sich langfristig gesundheitsschädlich aus. "Der Körper reagiert darauf, indem er den Stoffwechsel absenkt und degeneriert." Mit Sport lässt sich gegensteuern, aber womöglich ist das nicht genug. "Wenn man sonst nur sitzt, reicht zwei Mal in der Woche trainieren nicht aus", betont Schmidt.

Um zu wissen, ob man sich im gesamten Alltag genügend bewegt, könne ein Fitness-Tracker durchaus helfen. Das Gerät weiß, dass die empfohlenen zehntausend Schritte pro Tag noch nicht erreicht sind und gibt dem Träger womöglich den richtigen Anstoß, abends noch einen kleinen Spaziergang zu machen.

Die Deutsche Sporthochschule in Köln äußert allerdings Bedenken. Denn auf die erhobenen Daten sei nicht unbedingt Verlass. Die Armbänder, Uhren und Apps liefern nur Berechnungen, aber keine echte Betreuung, heißt es dort.

"Es gibt so viele unterschiedliche Modelle und mittlerweile einen Kampf der Systeme", sagt der Fitnessstudio-Chef Schmidt. "Für uns ist jedes Gerät nur ein Werkzeug." Es wird dann sinnvoll eingesetzt, wenn es ein umfassendes Bild aller Aktivitäten liefert und die Ergebnisse schließlich sinnvoll interpretiert werden. Das Thema digitale Datenerfassung gewinnt in Zukunft noch mehr Dynamik, glaubt Stefan Schmidt. Arbeitgeber und Versicherungen sind sehr daran interessiert. "Das ist sehr sensibel und wird kontrovers diskutiert."

Vorteile und Nachteile sieht auch Klaus Knorr, der Geschäftsführer des Kulmbacher Fitnessstudios "KA 2". Für den Laien sei es prinzipiell nicht schlecht, wenn er sich mit Hilfe eines Geräts die eigene Bewegungssituation vor Augen führt. "Man gibt Gewicht, Alter und Geschlecht ein und die Software errechnet dann die Ergebnisse", erklärt Knorr. "Ich finde das interessant und auch lustig." Aber die Aussagekraft sei oft nicht sonderlich hoch und das Resultat ungenau.

Es sei trotzdem spannend zu erfahren, wie lange und wie tief man schläft. "Aufgrund solcher Daten ein Trainingsprogramm zu steuern, halte ich für übertrieben", sagt der "KA 2"-Chef. Ein umfassendes Bild vom Gesundheitszustand oder von der Körper-Gewebe-Situation können nur der Arzt oder das Fitnessstudio liefern.

Messergebnisse sind schön und gut, sagt Klaus Knorr. Aber wichtig seien auch die Planung sowie die Begleitung auf dem Weg zu mehr Fitness und Gesundheit. Das können smarte Uhren und Armbänder nicht leisten, sagt der Geschäftsführer. "Aber solange sie die Menschen zu mehr Bewegung motivieren, erfüllen sie ihren Zweck."

 
Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
01. 06. 2017
18:12 Uhr

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Stefan Linß

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01. 06. 2017
18:12 Uhr



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