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Kulmbach

Die Nase kehrt zurück

Der Fisch des Jahres 2020 gehört zu den Arten, die in den heimischen Gewässern am stärksten gefährdet sind. Der Bezirksfischerei-Verein Kulmbach steuert entschieden dagegen.



Die Nase ziert das Titelbild auf dem Fischartenatlas des Bezirks. Gerd Suske (links) und Frank Podhorn vom Bezirksfischerei-Verein Kulmbach wollen dem Fisch des Jahres helfen. Foto: Stefan Linß
Die Nase ziert das Titelbild auf dem Fischartenatlas des Bezirks. Gerd Suske (links) und Frank Podhorn vom Bezirksfischerei-Verein Kulmbach wollen dem Fisch des Jahres helfen. Foto: Stefan Linß  

Kulmbach - Die Zeiten, als die Nase in großen Schwärmen durch die Flüsse schwamm, sind lange vorbei. Ihr massenhaftes Vorkommen bescherte den Anglern und Fischern einst einen reichen Fang. Doch von Mitte des 20. Jahrhunderts an ist der karpfenartige Fisch immer seltener geworden. In Oberfranken ist die Nase sogar vom Aussterben bedroht. Es gilt deshalb eine ganzjährige Schonzeit. Der Bezirksfischereiverein Kulmbach will dem Fisch des Jahres 2020 helfen. Der naturnahe Ausbau der Gewässer sei ein erster Schritt, sagt Vorsitzender Frank Podhorn im Gespräch mit der Frankenpost.

Dicke Lippe und silbrige Schuppen

Der Deutsche Angelfischerverband, das Bundesamt für Naturschutz und der Verband Deutscher Sporttaucher haben die Nase zum Fisch des Jahres 2020 gewählt.

Namensgebend ist die wulstige Oberlippe, mit denen die Nasen Algen vom Bodensubstrat abweiden und bodenlebende Kleintiere wie Insektenlarven oder Krebstierchen aufnehmen, heißt es in der Mitteilung des Angelfischerverbandes.

Das Schuppenkleid ist silbrig, am Rücken etwas dunkler und bäuchlings heller gefärbt. Typisch ist das Aufblitzen des silbrigen Schuppenkleids bei der Nahrungsaufnahme, wenn sich die Nase seitlich wegdreht, um die Algen abzuziehen.

Fischarten wie Nasen und Barben sind sogenannte Weidegänger. Sie leisten einen hohen Beitrag zur Selbstreinigungskraft der Gewässer. Wenn die typischen Fischarten in den Flüssen ihre ökologische Aufgabe nicht mehr erfüllen, verschlechtern sich die Wasserwerte und das Ökosystem droht zu kippen.

Die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken informiert, dass Nasen in unserer Region eine Länge von bis zu 50 Zentimetern und ein Gewicht von etwa einem Kilogramm erreichen.


Nach Auskunft der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken gibt es zwar noch letzte Inselpopulationen. Doch die Bestände sind klein. Nasen waren zuletzt noch im Roten Main oberhalb von Bayreuth heimisch, in der Sächsischen Saale bei Hof sowie unter anderem in Rodach, Itz, Regnitz und im vereinigten Main. Mit etwas Glück könnten der Main und auch der Weiße Main wieder stärker besiedelt werden.

Der Bezirksfischerei-Verein Kulmbach hilft mit beim Artenschutzprogramm des Bezirks Oberfranken. Zuletzt haben die Mitglieder 800 junge Nasen-Setzlinge im Main freigelassen. "Wir wollen die Nase wieder heimisch machen", sagt Gewässerwart Gerd Suske. Auch Äsche, Rutte, Bachforelle und der Aal gehören zu den Fischarten, die ohne das Engagement des Bezirksfischerei-Vereins im Raum Kulmbach überhaupt nicht mehr vorkommen würden.

Eines der Probleme, das den Rückgang der Fische verursacht, ist das Einschwemmen von Sedimenten im Fluss. Denn die Nase braucht Kies- und Schotterbänke zum Laichen. Gute Bedingungen gibt es im Main bei Mainleus an der Brücke nach Willmersreuth und im Weißen Main bei Lanzendorf. Gerd Suske hofft, dass die Nasen dort dauerhaft leben können. Die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Reproduktion der Fische gelingt, sei dort am höchsten.

Ein weiteres Problem, das besonders den Nasen zu schaffen macht, sind Querverbauungen im Fluss. Wehre verhindern, dass die Fische im Fließgewässer aufsteigen können, um ihre Laichhabitate zu erreichen, erklärt Suske.

Deshalb sei es wichtig, die Flüsse weiterhin naturnah auszubauen, betont Vereinsvorsitzender Podhorn. "In den letzten Jahren hat sich schon viel getan." An den Fließgewässern im Raum Kulmbach sind sinnvolle Strukturverbesserungen vorgenommen worden. Es gibt Kurven, Flachwasserzonen und Kiesbänke. Der Weiße Main in Kulmbach war an den beiden Flussarmen Flutmulde und Mühlkanal zuletzt eine Dauerbaustelle. Bagger haben für den Bau der Hochwasserschutzanlagen das komplette Flussbett aufgerissen. "Der Weiße Main war tot", sagt Podhorn. Bezirk, Stadt und Verein haben gemeinsam erkannt, dass etwas getan werden muss, um das Leben zurück in den Weißen Main zu bringen.

Die Bemühungen zahlen sich mittlerweile aus. Tausende Bachforellen und Äschen wurden eingesetzt. Und die Tier- und Pflanzenwelt wird immer vielfältiger.

Allerdings gibt es auch Rückschläge. Die extreme Trockenheit hat nicht nur die Pegel in den Flüssen und Bächen immer weiter sinken lassen. Als Folge hat sich auch das Wasser immer stärker erwärmt, sagt Gerd Suske. Das macht den Fischen ebenso zu schaffen wie die Ausbreitung von Kormoran, Fischotter und Biber. Gleichzeitig führt womöglich das Insektensterben dazu, dass die Fische weniger Nahrung finden.

Durch den regelmäßigen Besatz will der Bezirksfischerei-Verein die Vielfalt zurückbringen. Die Natur spiele nicht immer mit. Umso wichtiger sei es, behutsam vorzugehen. Podhorn und Suske sind froh, dass sich einige Bestände schon gut erholt haben. Beispielsweise sind die Barben, die einst verschwunden waren, heute im Landkreis wieder heimisch.

Gerd Suske ist seit 19 Jahren Gewässerwart. Er stellt fest, dass die Menschen sensibler werden und weniger Müll in die Flüsse werfen. Die Gewässerqualität sei sehr gut. Schädliche Einleitungen kommen so gut wie nie vor.

Wer sich für die Fischerei interessiert und mithelfen will, das Ökosystem Flusslandschaft zu erhalten, kann sich an den Bezirksfischerei-Verein Kulmbach wenden. Im Frühjahr 2020 steht im frisch renovierten Vereinsheim an der Kieswäsch die Fischerprüfung an, mit der der Fischereischein erworben wird. Lehrgangsleiter Peter Jensen, Vorsitzender Frank Podhorn, Gewässerwart Gerd Suske und Gerald Kummer erarbeiten mit den Teilnehmern unter anderem die Fisch- und Gewässerkunde und den Einsatz von Fanggeräten. Für den Kurs des Vereins, der am 7. Januar startet, sind noch Plätze frei. Mitte Dezember findet dazu ein Infoabend statt. Informationen gibt es im Internet unter der Adresse bfv-kulmbach.de.

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Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
14. 11. 2019
00:00 Uhr

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Stefan Linß

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14. 11. 2019
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