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Kulmbach

Die "Stadtgespenster"

Der Waaf’n-Brunnen in der Fritz-Hornschuch-Straße war nicht jedermanns Sache. Inzwischen gehört er zum gewohnten Bild.



Längst haben sich die Menschen an den Waaf’n-Brunnen an der Ecke Kressenstein/Fritz-Hornschuch-Straße gewöhnt. Foto: Erich Olbrich
Längst haben sich die Menschen an den Waaf’n-Brunnen an der Ecke Kressenstein/Fritz-Hornschuch-Straße gewöhnt. Foto: Erich Olbrich  

Kulmbach - Während er den einen gefiel, lästerten die anderen über den Brunnen. Die in Granit gehauenen Figuren wurden als "Stadtgespenster" bezeichnet oder es wurde gesagt, "die sehn aus wie fünf Glatzköpfe beim Friseur". Gemeint ist der Waaf’n-Brunnen an der Ecke Kressenstein/Fritz-Hornschuchstraße. Die Enthüllung der Steinplastik erfolgte am 28. Juli 1979, kurz vor der Bierwoche, durch Oberbürgermeister Dr. Erich Stammberger.

Stammberger sprach bei der Eröffnung deutliche Worte über die ablehnenden Meinungen: "Gab es doch auch Stimmen, die von einer Geldverschwendung sprechen, aber bitte überlegen wir doch, dass wir in unserer Zeitperiode auch die Verpflichtung haben, etwas für das attraktive Stadtbild und überhaupt für Kunstwerke zu tun. Es muss Einrichtungen in unserer Stadt geben, die jedem Bürger und Besucher Freude bringen und es darf nicht die nüchterne Nachrechnung über wirtschaftliche Rentabilität ausschlaggebend sein."

Besonders Stadtbaudirektor Carl Siegl, der das gestalterische Konzept entwickelt und die Entwürfe selbst angefertigt hatte, dankte der Oberbürgermeister für seine Arbeit. Ursprünglich sollten die von der bekannten Kulmbacher Künstlerin Ursula Wolf gefertigten Pläne des Brunnens in Bronze umgesetzt werden, aber man entschied sich aus Kostengründen für massiven Granit. Ursula Wolf wollte dabei einen spezifischen Akzent setzen: eine Gruppe, die das Gespräch sucht, aufeinander zugeht, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist. Der Schwarzacher Bildhauer Erich Hiemisch hat die Modelle gefertigt und die Steinmetzarbeiten zusammen mit fünf weiteren Steinmetzen aus Flossenbürg ausgeführt. Er war in der Materialwahl sehr korrekt und bestand darauf, dass die gesamte Brunnenanlage im Granitbruch Flossenbürg aus einem Block gesprengt wurde, um Farbverschiedenheiten der einzelnen Becken zu vermeiden.

Professor Dr. Wolfgang Protzner wertete es als ein besonderes Zeichen, dass der Brunnen am 20. Juli, dem Tag des Attentates auf Adolf Hitler, angeliefert wurde. Liegt doch der Steinbruch nahe dem Konzentrationslager Flossenbürg, wo auch bekannte Persönlichkeiten des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus wie Dietrich Bonhoeffer und Admiral Wilhelm Canaris ihr Leben lassen mussten.

Die Firma Helmut Freund aus Kulmbach installierte die Wassertechnik. Die Elektro-Installation übernahm die BELG. Fundamentarbeiten und Platzgestaltung erledigten die Männer des Bauhofes.

Die Kosten für den Brunnen hatten sich letztlich von der anfänglich geplanten Summe von 80 000 Mark auf schließlich 180 000 Mark plus Mehrwertsteuer erhöht.

Autor

Erich, Marcus Olbrich
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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
16:34 Uhr

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Erich, Marcus Olbrich

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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
16:34 Uhr



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