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Kulmbach

Die Stimmen der Nation

Bernd Händel ist als Sitzungspräsident bei Fastnacht in Franken bekannt. Auf der Naturbühne überzeugte er als Stimmenimitator. Allerdings waren nur wenige Gäste gekommen.



Vor allem als Stimmenimitator kam Bernd Händel auf der Naturbühne Trebgast am Samstag hervorragend an. Foto: Rainer Unger
Vor allem als Stimmenimitator kam Bernd Händel auf der Naturbühne Trebgast am Samstag hervorragend an. Foto: Rainer Unger  

Trebgast - Hoher Besuch herrschte auf der Naturbühne Trebgast. Dort hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso eingefunden wie ihre Vorgänger Helmut Kohl und Gerhard Schröder, die ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber und unzählige weitere Promis. Nein, natürlich nicht persönlich, aber wer die Augen schloss, der konnte meinen, sie seien wirklich da: Der begnadete Stimmenimitator Bernd Händel trieb auf der Bühne sein Unwesen und traf damit den Geschmack des Publikums, das sich köstlich amüsierte. Der Nürnberger Humorist ist bekannt als Sitzungspräsident des Veitshöchheimer Faschings, als der er seit 2006 fungiert. Das Bayerische Fernsehen überträgt die Kultsendung seit über 30 Jahren.

Ziel seines Spotts waren am Wehlitzer Berg vor allem die Großen aus der Politik. So verriet er, dass er jedes Mal zu Gott bete, wenn er den amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Fernsehen sieht: "Herr, lass Hirn regnen oder Steine. Hauptsache, du triffst!" Insbesondere als Stimmenimitator startete Händel seine Attacken aufs Zwerchfell der nur rund hundert Besucher. Zum Beispiel wenn er als Gerhard Schröder dessen Lebensweisheiten zum Thema Frauen kundtat: "Es ist immer schön, wenn man die Frau fürs Leben gefunden hat, aber es ist noch schöner, wenn man ein paar mehr kennt!" Als sich Norbert Blüm beim Ex-Kanzler beschwerte und nachfragte, ob er zu Angela Merkel wirklich gesagt habe, dass er ein Idiot wäre, antwortete der: "Ja, aber die wusste das schon!"

Herrlich war auch der Sketch mit einer Live-Schaltung ins Nürnberger Max-Morlock-Stadion, wo er als Reporter diverse Sportler interviewte. Da gab Franz Beckerbauer preis, dass er während der Fußball-Weltmeisterschaft auf die Intensivstation eingeliefert worden war, weil er die Spiele der deutschen Mannschaft verfolgt hatte. Bundestrainer Jogi Löw verriet, dass er im Auftrag des DFB nun versuche, einen Bus zu verkaufen: "Der ist nur drei Mal benutzt." Auch den Angstgegner der deutschen Mannschaft gab er preis: der Ball. Wunderbar zynisch war auch die Spielanalyse: "Wenn der Stürmer einmal links und einmal rechts am Tor vorbei schießt, dann ist der Ball im Durchschnitt im Tor."

Als eingefleischter Clubberer widmete er dem FC Nürnberg ein Liebeslied und das war ausnahmsweise mal nicht witzig. Es war ein ehrliches Bekenntnis zum neunfachen deutschen Meister und dessen ruhmreicher Vergangenheit.

Nach diesem Intermezzo wurde aber wieder kräftig gekalauert, erfuhr das Publikum, warum Angela Merkel keinen Lippenstift benutzt: "Meine Frau sagt, das ist nur was für Frauen!" Norbert Blüm hat jetzt einen Film gemacht für kleine Leute: "Bungee von der Teppichkante", bei dem auch Berti Vogts mitspielt. Politisch mindestens genauso unkorrekt präsentierte sich Händel, wenn er als Peter Maffay dessen Hit "Und es war Sommer" zum Besten gab: "Ich war 1,16 und sie zwei Meter zehn, in ihre Augen konnte ich nie sehn."

Als Sohn von Willi Händel, der zusammen mit Karl Vogt von 1958 bis 1988 als Nürnberger Mundartduo Peterlesboum mit fränkischen Texten die Menschen begeisterte und insbesondere beim Nürnberger Volksfest für Stimmung sorgte, konnte er nach der Pause nicht umhin, einige Lieder der Künstler zu bringen, allerdings in einer aktuellen Fassung, so wie sie sie wohl heute singen würden. Auch Silvester Capone, als der er bereits bei Fastnacht in Franken geglänzt hatte, sorgte er für Lacher.

Bitterböse war auch Händels Vorschlag zur Rentenreform: "Ab 2019 darf jeder Rentner bei Rot über die Straße, ab 2020 wird es Vorschrift!" Es war ein lockerer, heiterer Abend, der mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

Autor

Rainer Unger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 07. 2018
17:50 Uhr

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24. 07. 2018
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