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Kulmbach

Die Wiedergeburt des Wahrzeichens

Vor 25 Jahren feiern die Kulmbacher die Rückkehr des Luitpold-Brunnens. Dabei sollte das Monument von 1898 eigentlich durch ein modernes Kunstwerk ersetzt werden.



Der Obelisk des Luitpold-Brunnens ragt in den Himmel. An der Spitze in zehneinhalb Metern Höhe glänzt die Strahlenkugel. Foto: Martin Kreklau
Der Obelisk des Luitpold-Brunnens ragt in den Himmel. An der Spitze in zehneinhalb Metern Höhe glänzt die Strahlenkugel. Foto: Martin Kreklau   » zu den Bildern

Kulmbach - Seine Strahlenkugel glänzt golden in der Sonne. Eine Taube lässt sich auf einer der kupfernen Muschelschalen nieder und Touristen schießen ein Erinnerungsfoto. Der Luitpold-Brunnen auf dem Kulmbacher Marktplatz ist Fixpunkt und Zentrum der Stadt. Um ihn herum spielt das Leben - ob im Eiscafé, an der Bratwurstbude, auf dem Wochenmarkt oder am nächsten Wochenende beim Altstadtfest. Mittendrin im Getümmel ragt der Obelisk in den Himmel und wirkt dabei so, als hätte er immer dort gestanden.

Der Luitpold-Brunnen

1898 hat die Stadt den Luitpold-Brunnen zum ersten Mal auf dem Kulmbacher Marktplatz aufgestellt. Die Nationalsozialisten ließen ihn 1936 abbauen. Die Fragmente lagerten im Bauhof, ehe der Brunnen 1994 seine Rückkehr erlebte.

Der zehneinhalb Meter hohe Brunnen erinnert an die Antike. In der Mitte des Sandsteinbeckens ragt ein dreieckiger Obelisk nach oben. Die Strahlenkugel an der Spitze erinnert an einen Stern. Becken in Form von kupfernen Muschelschalen sowie Figuren aus Bronze zieren das Baudenkmal.


Fast vergessen: Dabei war der Brunnen fast fünf Jahrzehnte lang von der Bildfläche verschwunden. Zerlegt, verbeult, verstaubt und fast vergessen lagerte das Denkmal im Bauhof. Erst 1994 kehrte es zurück an seinen angestammten Ort.

Mit einem Brunnenfest feierten die Bürger vor nunmehr 25 Jahren am 29. Juli 1994 die Wiedererrichtung. Die Stadtkapelle und die Bierstadtmusikanten spielten auf und am Abend nahm Oberbürgermeister Dr. Erich Stammberger den Brunnen wieder in Betrieb. Die Freude war groß und der vorausgegangene Streit fast schon vergessen.

Die Bürger entscheiden: Denn eigentlich wollte der Stadtrat den Luitpold-Brunnen gar nicht mehr. Der kahle Marktplatz sollte zwar wieder aufgewertet werden. Aber lieber mit etwas Zeitgenössischem. Ein Wettbewerb für moderne Künstler wurde ausgerufen und einige Zeit später wieder gestoppt. Die Kulmbacher forderten nämlich ihren alten Brunnen zurück. Allen voran kämpfte der Kreis der Freunde des Luitpold-Brunnens.

So kam es Ende 1993 zu einer Bürgerbefragung. Die Mehrheit der Kulmbacher sagte damals ja zum historischen Baudenkmal.

Neue Anschlüsse: Doch bevor er aufgestellt werden konnte, war eine akribische Arbeit nötig. Fachleute kümmerten sich darum, die zerlegten Fragmente zu restaurieren. Auf dem Marktplatz mussten neue Wasserleitungen und die Stromversorgung für die Beleuchtung installiert werden. Im Sommer 1994 war das Werk vollbracht.

Prestigeobjekt für 29 000 Mark: Die Geschichte des Brunnens hat 100 Jahre zuvor begonnen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde er vom Künstler Martin Dülfer geschaffen, der als Architekt von Jugendstil-Bauwerken berühmt geworden ist. Die Kulmbacher haben Dülfer beauftragt, ein Monument zu Ehren des bayerischen Prinzregenten Luitpold zu kreieren. Das Prestigeobjekt kostete mehr als 29 000 Mark.

1898 ist der Luitpold-Brunnen auf dem Marktplatz zum ersten Mal aufgestellt worden. Die römische Zahl MDCCCXCVIII prangt bis heute auf einer Tafel. Zentral ist ein Bronzerelief mit dem Konterfei des Regenten zu sehen. Die Skulpturen schuf der Bildhauer Eduard Beyrer. Niedliche Knaben halten Eichenlaub-Girlanden. Daneben dienen als Wasserspender die Köpfe von Ziegenbock, Widder und Bulldogge. Das Wasser plätschert zunächst in drei bronzene Schalen, die die Form von Meeresmuscheln haben, und fließt von dort in das große Becken.

Der Dank des Regenten: Wie es in den historischen Aufzeichnungen heißt, hat sich Seine Königliche Hoheit Prinzregent Luitpold "für die Huldigung und das Treuebekenntnis aus Kulmbach wohlgefälligst bedankt".

Doch die Geschichte meinte es zunächst gar nicht gut mit dem Luitpold-Brunnen. Die Nationalsozialisten bauten ihn 1936 ab, um auf dem Marktplatz mehr Raum zu schaffen für ihre Aufmärsche. Die zerlegten Teile überlebten glücklicherweise den Krieg. Doch an den Wiederaufbau des Brunnens dachte in den jungen Jahren der Bundesrepublik offenbar niemand.

Erst in den 1970er- und 1980er-Jahren wurde das Thema Luitpold-Brunnen langsam wieder aktuell. Am Ende sollte es bis 1994 und damit knapp 50 Jahre dauern, bis sich die Kulmbacher ihr Stück Geschichte zurückholten.

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
17:20 Uhr

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Autor

Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
17:20 Uhr



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