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Kulmbach

Die ersten Herren des Oberlandes

Monsignore Professor Rüdiger Feulner bringt bald ein Buch über die Entwicklung des Oberlandes heraus. In Marienweiher gibt er einen Teil seines Wissens preis.



Monsignore Professor Dr. Dr. Rüdiger Feulner überzeugte mit seinem unheimlich geschichtlichen Wissen und zog seine Zuhörer mehr als eineinhalb Stunden in seinen Bann.	Foto: Helmut Engel
Monsignore Professor Dr. Dr. Rüdiger Feulner überzeugte mit seinem unheimlich geschichtlichen Wissen und zog seine Zuhörer mehr als eineinhalb Stunden in seinen Bann. Foto: Helmut Engel  

Marienweiher - Auf reges Interesse ist der Vortrag von Monsignore Professor Dr. Dr. Rüdiger Feulner über die administrative Entwicklung des Stadtsteinacher Oberlands gestoßen, den er dieser Tage im Kantoratsgebäude der Basilika Marienweiher hielt. Dorthin musste die Veranstaltung verlegt werden, weil die Heizung im Wallfahrerhaus ausgefallen war. Feulner bestellte dabei wieder einmal sein unglaubliches Gedächtnis unter Beweis. Er referierte ohne Vorlage mehr als eineinhalb Stunden und zitierte dabei Hunderte von Jahreszahlen.

Die Gaugrafschaften: Bevor Professor Feulner näher auf die einzelnen Orte einging, erklärte er zunächst, wie sich die verwaltungstechnischen und pfarrlichen Strukturen "im oberen Steinacher Land" entwickelten, die sich vor 1000 Jahren angekündigt hatten und die heute noch vorzufinden sind.

Bis ins neunte Jahrhundert war das Land zwischen Frankenwald und Fichtelgebirge unbesiedelt. Franken sei zu dieser Zeit in kleinere Einheiten aufgeteilt gewesen, sagte Feulner. Die alten Herzogtümer waren durch die fränkischen Könige in Gaugrafschaften aufgeteilt. Unsere Gegend war der mittelalterliche Gaugrafschaft Radenzgau, die sich im Wesentlichen mit dem heutigen Regierungsbezirk Oberfranken deckt, allerdings ohne Bamberg und das Fichtelgebirge. Von etwa 900 bis 1003 war das "mächtige Geschlecht" der Grafen von Schweinfurt, die zu jener Zeit über ein riesiges Territorium herrschten, die Herren des Radenzgau mit den ersten Städten Banz, Kronach, Creußen und Hersbruck. Spuren hätten sie in der Region hauptsächlich in den damals größten Städten Kronach und Stadtsteinach hinterlassen, die um 920 gegründet wurden. Die Schweinfurter trieben die Kolonisation voran.

Das Fürstbistum: Heinrich I. von Schweinfurt habe sich dann aber gegen den Kaiser aufgelehnt. "Er hat sich geweigert, den Vasalleneid zu leisten". Nach dem Sturz Heinrichs von Schweinfurt im Jahr 1003 bildeten die Schweinfurter Besitzungen um Bamberg, im Volkfeldgau und Radenzgau den Kern des Besitzes des neu gegründeten Fürstbistums Bamberg. Der Kaiser wollte kein anderes Adelsgeschlecht mehr einsetzen, weil er Angst vor dem gleichen dynastischen Problem hatte. "Ein Bischof regierte höchstens 20 Jahre, und danach konnte ein neuer eingesetzt werden", sagte Feulner. Doch es bedurfte auch einer weltlichen Grafschaft als Schutzmacht, "weil die Bischöfe ja keine Todesurteile sprechen konnten". Weltliche Schutzmacht waren die Grafen von Abenberg. Sie übten die Macht bis etwa 1140 aus. In dieser Zeit habe es auch oft Kompetenzschwierigkeiten und Streitigkeiten mit dem Fürstbischof gegeben. Danach ging die Macht auf die Grafen von Andechs über, die fast genau hundert Jahre regierten. Nach dem Aussterben der Andechs-Meranier im Jahre 1248 ging die weltliche Macht bis 1803 uneingeschränkt an die Fürstbischöfe von Bamberg über.

Daneben gab es im Gebiet des heutigen Oberfranken das mächtige Geschlecht der Hohenzollern, der späteren Markgrafen von Brandenburg. Das Gebiet teilte sich während der Reformation in zwei Machtblöcke, in das Gebiet der protestantischen Markgrafen Brandenburg-Kulmbach und in das Kulmbacher Oberland des katholischen Fürstbischofs von Bamberg. "Die Strukturen der heutigen Zeit gehen auf diese Zeit zurück."

Es wurden neue Verwaltungseinheiten eingerichtet. Die ältesten Verwaltungseinheiten waren Kronach, Teuschnitz, Lichtenberg, Rodeck, Münchberg, Stadtsteinach, Plassenburg (Kulmbach), Altstadt (Bayreuth) und Creußen. Das Land wurde vor allem durch Fürstbischof Friedrich von Hohenlohe urbar gemacht und kolonisiert. Die Orte in diesem Raum wurden mit Ausnahme des älteren Stadtsteinach fast alle im elften Jahrhundert gegründet.

Im Jahre 1348 waren die Orte Marktschorgast, Marktleugast, Ludwigschorgast, Kupferberg, Stadtsteinach und Enchenreuth allesamt Ämter und Vogteien. 1509 kam zu den sechs Orten noch Wartenfels als Amt dazu. Die wichtigste Stadt im Oberland sei Kupferberg gewesen, wo sich auch das Oberamt befand. Das geistliche Gebiet der Diözese Bamberg sei nicht immer deckungsgleich mit dem politischen Gebiet des Hochstifts Bamberg gewesen.

Insgesamt hatte das Fürstbistum Bamberg unter dem regierenden Fürstbischof 18 Domkapitulare als Beratungsgremium des Bischofs. Der geistlichen Verwaltungsbehörde stand ein Generalvikar vor. Für das weltliche Hochstift sei der Hofrat und der Hofmeister zuständig gewesen. Alle Dokumente mussten durch die Hofkanzlei gesiegelt werden.

Die Gerichtsbarkeit: Für die Außenverwaltung waren Ämter zuständig, geleitet von einem Kastellan. Die Kastellane waren adelig und Aufsichtsbeamte auf Lebenszeit. Die unterstellten Vögte waren bürgerliche Rechtsgelehrte. Die für die Steuern und Abgaben zuständigen Kastenämter wurden von erfahrenen Verwaltungsbeamten geleitet und die Hals- oder Hochgerichte ebenfalls von Vögten. "Vögte waren immer Hochrichter." Die Kommunen wurden immer von vier Bürgermeistern und acht Räten geleitet. Alle zwei Jahre wurden jeweils zwei Bürgermeister neu gewählt. Die vier Bürgermeister übten gemeinsam mit den Räten die niedere Gerichtsbarkeit aus. Bei größeren Orten wurden noch jeweils vier Viertelmeister gewählt. Die Niedergerichtsbarkeit übte in den kleineren Ortschaften, in denen es keine Bürgermeister gab, auch der sogenannte Schultheiß aus, der auf Lebenszeit ernannt wurde. Dieses Amt sei an Grundbesitz gebunden gewesen, "meist war es der mit dem größten Grundbesitz".

All diese historischen Fakten, die Feulner in seinem Vortrag dargestellt hat, sind bald in einem Buch zu diesem Thema nachzulesen, das in den nächsten Monaten erscheinen wird.

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Helmut Engel
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Veröffentlicht am:
11. 02. 2019
17:14 Uhr

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Helmut Engel

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11. 02. 2019
17:14 Uhr



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