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Kulmbach

Die größte Unverpackt-Abteilung Deutschlands

Ohne Schnickschnack: In Kulmbach eröffnet die größte Unverpackt-Abteilung in einem deutschen Supermarkt. 240 Produkte stehen bei Edeka Seidl ab Mittwoch zur Auswahl.



Die Mehrweg-Behälter, in denen die unverpackten Lebensmittel transportiert werden, kann man entweder von zu Hause mitbringen oder im Edeka-Markt käuflich erwerben, wie Inhaber Michael Seidl demonstriert.
Die Mehrweg-Behälter, in denen die unverpackten Lebensmittel transportiert werden, kann man entweder von zu Hause mitbringen oder im Edeka-Markt käuflich erwerben, wie Inhaber Michael Seidl demonstriert.   Foto: Gabriele Fölsche

Kulmbach - Oft werden sie klimaschädlich produziert und ebenso entsorgt - oder werden in der freien Natur sich selbst überlassen: Verpackungen. Gebraucht werden sie meist nur einmal, auf jeden Fall aber nur vorübergehend. Und jedes Mal, wenn jemand darauf verzichtet, ein Produkt verpackt zu kaufen, wenn es dies doch auch in losem Zustand gibt, trägt er seinen Teil dazu bei, die Welt zu retten. Klimaschutz ist das Gebot der Stunde, um die Erde zu bewahren, wie die jungen Leute der Fridays-for-Future-Bewegung auch in Kulmbach immer wieder einfordern.

Zeitplan und Fakten

Am Montag, 19. August, wird im Kulmbacher Edeka-Markt die Abteilung, in der sich zurzeit der Kaffee befindet, abgebaut. Am Dienstag wird dort die Unverpackt-Abteilung eingerichtet und am Mittwoch eröffnet sie bereits.

Inhaber Michael Seidl hat die Unverpackt-Produkte bewusst in einer Abteilung zusammengefasst, damit diejenigen Kunden, die Wert auf verpackungsfreie Ware legen, nicht lange suchen müssen.

Die Feststellung, dass Kulmbach damit über den Supermarkt mit Deutschlands größter Unverpackt-Abteilung verfügen wird, ist nach Worten von Michael Seidl nicht aus der Luft gegriffen. Er habe sich in Fachzeitschriften und im Internet informiert und habe lediglich zwei Supermärkte in Deutschland mit größeren Abteilungen dieser Art gefunden. Einer führe nur etwa die Hälfte des in Kulmbach geplanten Sortiments, der andere nur insgesamt 144 Artikel, also ebenfalls deutlich weniger.

"Ich bin kein Fanatiker", sagt Michael Seidl, Inhaber von Edeka Seidl in Kulmbach. Das bedeutet für ihn: "Ich kaufe natürlich die unverpackten Lebensmittel, die mir auch schmecken. Wenn es ein Lebensmittel eben nicht unverpackt gibt, verzichte ich allein aus diesem Grund allerdings nicht darauf. Aber wenn viele so denken, ist der Anfang schon gemacht."

 

Ein breites Angebot von der Nudel bis zum Essig: Den Anfang hat er in seinem Geschäft in Kulmbach auch gemacht und dabei nicht gekleckert, sondern geklotzt. Ab kommenden Mittwoch, 21. August, wird Edeka Seidl in Kulmbach Deutschlands größte Unverpackt-Abteilung in seinem Supermarkt mit insgesamt 240 Nahrungsmitteln zu bieten haben, die lose erhältlich sind. Jeder Kunde kann sie sich dort, wo bis zum Wochenende noch die Kaffeeabteilung zu finden ist, in eine von zu Hause mitgebrachte Box oder in ein Glas abfüllen und abwiegen. Besondere Anforderungen an das Gefäß gibt es nach Worten von Michael Seidl nicht. "Sauber sollte es halt sein." Und wer keine geeigneten Gefäße zur Hand hat, kann im Laden Mehrweg-Behälter käuflich erwerben.

Praktisch sieht das so aus, dass die Kunden eben jenes Behältnis auf einer Waage, die ebenfalls in dieser Abteilung zu finden ist, abwiegen, um das Gewicht der Box oder des Glases festzustellen. Dies wird dann abgezogen, damit tatsächlich nur der Inhalt bei der Endabrechnung zählt. Lose erhältlich werden dann bei Edeka Seidl vorwiegend trockene Lebensmittel sein, die nicht gekühlt werden müssen. Dazu zählen unter anderem Getreide, Müsli, Nüsse, Trockenfrüchte, Tee, Kaffee, Backzutaten, Süßwaren wie dereinst im Tante-Emma-Laden, Hülsenfrüchte, Nudeln und Reis. Aber beispielsweise auch Essig und Öl gehören dazu. Dabei müssen wie in Deutschland üblich auch die gesetzlichen Vorgaben beachtet werden. Michael Seidl: "Olivenöl beispielsweise dürfen wir offen nicht verkaufen. Fragen Sie mich nicht warum, aber es ist so. Wir haben uns erkundigt." Und auch mit gekühlten Produkten gibt es teilweise Schwierigkeiten.

 

Die Idee stammt aus Kulmbach: Die Idee, eine Unverpacktabteilung in dieser Dimension zu eröffnen, "stammt von uns", wie Michael Seidl auf Nachfrage erklärt. Und mit "uns" meint er sich und sein Team. Der Kulmbacher Edeka-Markt ist ein inhabergeführtes Geschäft. Das heißt, der Inhaber hat auch das Sagen darüber, was er in seinem Markt verkaufen möchte. "Ich habe Edeka in einigen Gesprächen überzeugt, sodass ich jetzt für die Unverpackt-Abteilung auch die Unterstützung habe. Aber hätte ich diese Unterstützung nicht, hätte ich es trotzdem gemacht", sagt der Inhaber.

Und warum er denkt, dass dies der richtige Schritt ist, erläutert Michael Seidl auf Facebook. Er bezieht sich auf Daten, die die Wissenschaftszeitschrift National Geographic auf ihrer Internet-Plattform veröffentlich hat. Und dort heißt es: "Bis 2015 haben wir mehr als 6,9 Milliarden Tonnen Plastikmüll erzeugt. Etwa 9 Prozent davon wurden recycelt, 12 Prozent wurden verbrannt und 79 Prozent landeten auf Deponien oder in der Umwelt. In unseren Meeren schwimmen bereits mehr als fünf Billionen Plastikteile. Schätzungen zur Langlebigkeit von Plastik reichen von 450 Jahren bis ,für immer‘."

 

Warum weniger mehr ist: Bereits jetzt finden Kunden im Kulmbacher Edeka-Markt zahlreiche Produkte, die im Verkauf ohne Einweg-Verpackung auskommen. So können Fleisch, Wurst, Käse, frische Backwaren, Obst, Gemüse, Eier und Tiernahrung in von zu Hause mitgebrachten Behältern transportiert werden. Ab Mittwoch werden dann bei Edeka Seidl mehr als tausend verpackungsfreie Artikel erhältlich sein. Das umfangreiche Angebot umfasst auch eine Bio-Seife im Mehrweg-Glas und eine Milchtankstelle mit frischer Milch direkt vom Bauern aus der Umgebung.

Die Mehrzahl der Lebensmittel in der Unverpackt-Abteilung stammt nach Worten von Michael Seidl aus biologischer Erzeugung. "Wir arbeiten bereits mit einem Bio-Großhändler zusammen, der uns dann diese Produkte lose, also in Säcken beispielsweise, anliefern wird." Wie genau das aussehen wird, werde man sehen.

 

Technische Wunderwerke: Und so birgt die Abteilung, die ab Montag aufgebaut wird, auch für den Marktinhaber selbst noch den einen oder anderen Überraschungseffekt. Wie immer, wenn man Neuland betritt. Das gilt auch für den Clou der Abteilung, eine Flockenquetsche, zwei Mühlen und eine Mus-Creme-Maschine. Damit können Getreide zu Frühstücksflocken gequetscht, Getreide und Nüsse gemahlen und Nüsse zu einem natürlichen Brotaufstrich verarbeitet werden. "Die Mus-Creme-Maschine muss man sich so vorstellen, dass es dort verschiedene behälter mit Nüssen gibt, der Kunde drückt dann drauf, um eine bestimmte Menge zu bestimmen, und das Gerät verarbeitet die Nüsse dann automatisch und ohne jeden Zusatz zu einer Creme, die zu hundert Prozent aus Nüssen besteht", erläutert der Chef des Edeka-Markts.

Auch unabhängig von dieser Abteilung achtet Michael Seidl nach eigenen Worten darauf, dass die Produkte in seinem Supermarkt mit möglichst wenig Verpackungsmaterial auskommen. Und er bietet auch umweltfreundliche Zellulosebeutel zum Kauf an, die auch auf dem eigenen Komposthaufen "entsorgt" werden können und nicht nur in der Biotonne. "Aber alles geht freilich nicht. Ich kann natürlich nur das ins Sortiment nehmen, was ich auch mit wenig Verpackungsmaterial bekomme. Und letztlich entscheidet sowieso der Kunde, ob solche Dinge wie die Unverpackt-Abteilung Bestand haben. Wenn etwas nicht gekauft wird, verschwindet es auch wieder."

Autor
Sabine Emich

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Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
18:00 Uhr

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Autor
Sabine Emich

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Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
18:00 Uhr



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