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Kulmbach

Die hohe Kunst des Orgelspiels

Alles andere als Hausmannskost gab es zur Trebgaster Kirchweih im Gotteshaus: Der Mailänder Organist Paolo Springhetti zog an der Königin der Instrumente alle Register.



Ein Meister seines Fachs: Paolo Springhetti konzentriert an der Trebgaster Barock-Orgel.	Foto: Dieter Hübner
Ein Meister seines Fachs: Paolo Springhetti konzentriert an der Trebgaster Barock-Orgel. Foto: Dieter Hübner  

Trebgast - "Wir haben hier schon die außergewöhnlichsten Konzerte mit ganz unterschiedlichen Eindrücken und Erinnerungen erlebt", begrüßte Pfarrer Peter Ahrens die Besucher, bevor er das Kirchenschiff und die Orgelempore für Paolo Springhetti, einen namhaften Experten für das Spiel auf historischen Instrumenten, der Orgel und dem Cembalo, freigab.

Musik aus dem Barock für Orgel und Cembalo, die am Kirchweih-Samstag in der Johanneskirche geboten wurde, war - zumindest für einen Teil der Zuhörer - gewiss keine leichte Kirchweih-Kost. Da war es ganz hilfreich, dass der Mailänder Konzertorganist, ein international anerkannter Spezialist für Barockmusik, die eine und andere Erklärung zur Musik und zum Instrument mit einfließen ließ. So sei jede Orgel ein Unikat, selbst Orgeln vom gleichen Baumeister seien nie identisch. Sein Hinweis, dass nicht jede Musik auf jeder Orgel gespielt werden könne, dürfte schon für manchen etwas überraschend gewesen sein.

"Obwohl ich viel Sympathie für französische Musik empfinde: Für ein französisches Repertoire ist die Trebgaster Orgel nicht geeignet", schränkte er ein. Deshalb sei es nicht einfach, immer das richtige Instrument zu finden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man für jede Orgel eigentlich ein besonderes Programm brauche. Auch die folgende Information wird nicht jedem bewusst gewesen sein und fasziniert den Künstler: "In Italien, und nicht nur dort, gibt es viele Kirchen ohne Orgel. In Deutschland gibt es keine Kirche ohne eine Pfeifenorgel." Schließlich war auch Springhettis Einschätzung seiner eigenen Identität interessant: "Ich bin eine Wiedergeburt eines Musikers des 17. Jahrhunderts. Ich lebe in Erinnerungen."

Sein Spiel sei verbunden mit der alten Kunst der Improvisation. Nur Noten nachspielen, sei nicht so sein Ding. Viel wohler fühle er sich, wenn er an seinem Instrument improvisieren könne. Das und die Begeisterungsfähigkeit und die Liebe des Musikers für die barocke Musik und ihre Orgeln, zeigten sich bereits deutlich zu Beginn des Konzertes. Eine Tokkata offenbarte seine Philosophie: "Ich spiele nur mit alten Begriffen und Ideen. Das bedeutet, bei mir steht nicht die Präzision der Noten im Vordergrund." Ein Musiker habe die Aufgabe, diese Noten von damals zu reproduzieren. Mit einer strengen Präzision versuche er, das zu erreichen. Das sei ein großes Abenteuer und bedeute viel Konzentration.

Aus der Sonate, einer 1716 veröffentlichten Sammlung von Versetten, Canzonen und Suiten des italienischen Komponisten Domenico Zipoli, die eine große Verbreitung erreichte, spielte Springhetti einfühlsam und ausdrucksstark die Canzona in F, eine Tokkata in d und die Versette All’Offertori. "Zipolini ist zwar nur 38 Jahre geworden, aber er hat fantastische kleine und raffinierte Werke geschrieben", kommentiert der Künstler dazu. Wie bei der typischen italienischen Schule benutzt Springhetti dabei ganz wenig Pedal. Auch bei zwei folgenden Fugen von Johann Pachelbel genügt dem Organist meistens ein Manual.

Auf dem Cembalo erklang dann die vierte Arie aus "Hexachordum Apollinis", der 1699 entstandenen bedeutsamen Variationen-Sammlung für Tastinstrumente. Der "Fantasia Ciacona in g Moll" von Johann Krieger, der von 1672 bis 1677 in Bayreuth am Hof den Posten des Organisten innehatte, folgte eine Suite von Domenico Zipoli, deren Rhythmus mitunter zum Tanzen einlud. Wieder an der Orgel, brachte Paolo Springhetti mit der Improvisation des Kirchenliedes "Jesu meine Freude" das Konzert überzeugend zu Ende.

Autor

Dieter Hübner
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Veröffentlicht am:
27. 08. 2019
17:42 Uhr

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Autor

Dieter Hübner

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Veröffentlicht am:
27. 08. 2019
17:42 Uhr



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