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Kulmbach

Die inneren Mauern einreißen

Die Kulmbacher gedenken der Wiedervereinigung vor 29 Jahren. Landrat Klaus Peter Söllner und Zweiter Bürgermeister Dr. Ralf Hartnack legen einen Kranz nieder.



Stadtrat Simon Moritz plädierte in seiner Rede für einen Abriss der "gewachsenen Mauern in unseren Lebenswelten". Fotos: Stephan Stöckel
Stadtrat Simon Moritz plädierte in seiner Rede für einen Abriss der "gewachsenen Mauern in unseren Lebenswelten". Fotos: Stephan Stöckel   » zu den Bildern

Kulmbach - Die Berliner Mauer steht schon lange nicht mehr. In den Köpfen so mancher Bürger steht aber noch immer eine Mauer, die unser Land aufteilt. Den Abriss eben dieser Mauern forderte Stadt- und Kreisrat Simon Moritz bei der Gedenkfeier vor dem Mahnmal an der Berliner Brücke. "29 Jahre nach dem Mauerfall sollten wir endlich damit aufhören, Unterschiede in unserer Gesellschaft vorrangig an Ost und West festzumachen - und gleichzeitig damit beginnen, die gewachsenen Mauern in unseren Lebenswelten wieder einzureißen", betonte der Kommunalpolitiker, der für das Kreiskuratorium "Tag der Deutschen Einheit" sprach. Rund 50 Personen aus Kulmbach und seiner Partnerstadt Saalfeld lauschten am Nationalfeiertag den Ausführungen von Moritz, in denen ausgehend vom Dichter Heinrich Heine (1797 - 1856) die innere Einheit im Mittelpunkt stand. Der Schriftsteller hatte in seinem 1844 erschienenen satirischen Versepos "Deutschland: Ein Wintermärchen", die "Einheit im Denken und Sinnen" als "die wahrhaft ideelle" bezeichnet.

"Wir feiern heute 29 Jahre der Einheit als Ende der territorialen Teilung - aber können wir auch den Zustand unserer inneren Einheit feiern?", fragte sich Moritz zu Beginn seiner Rede. Der Sozialdemokrat traf die Feststellung, dass die sichtbaren Mauern aus Stacheldraht und Todesstreifen längst beseitigt seien. Vorhanden seien aber nach wie vor Mauern zwischen unterschiedlichen Lebenswelten. "Zwischen Stadt und Land, online und offline, Alt und Jung und zwischen den Menschen, die mit der Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit scheinbar mühelos Schritt halten können und jenen, die sich hiervon überfordert und abgehängt fühlen." Diese gelte es zu beseitigen. Zugleich appellierte Simon Moritz an die Gesellschaft, sich nicht ständig von einer Minderheit aus Besserwissern und ewig Empörten vor sich hertreiben zu lassen. Denn nicht diese Menschen prägten das wiedervereinigte Deutschland. "Es sind die Millionen anderen, die sich ehrenamtlich engagieren, die im Beruf wie im Privaten vorangehen, die Mut, Entscheidungsfreiheit und Initiative zeigen und die - und das ist wohl am wichtigsten - Verantwortung für ihr Leben in erster Linie bei sich selbst suchen und nicht immer nur bei anderen", stellte Moritz unter dem Beifall der Zuhörer fest. Wer so handle und dabei Respekt für seine Mitmenschen zeige, war er sich mit ihnen einig, der trage zur inneren Einheit unseres Landes bei.

Stadtrat Thomas Nagel rief den Zuhörern die grausamen Foltermethoden in Erinnerung, mit denen das kommunistische Unrechtsregime der DDR Kritiker zum Verstummen bringen wollte. Damit verdeutlichte der Liberale den Teilnehmern der Gedenkveranstaltung aber auch, dass Freiheit für einen Menschen, der zufrieden und glücklich leben wolle, so selbstverständlich sein müsse, wie das tägliche saubere Wasser. Aus der Sicht eines jungen Menschen, der die Wiedervereinigung nicht miterlebt hat, sprach Stadtrat Torsten Grampp (CSU). Er freute sich darüber, dass die Wunde der Teilung, die Deutschland gut 40 Jahre geprägt habe, immer mehr verheile und sich die Menschen trotz aller Eigenheiten in den einzelnen Bundesländern als Teil eines geeinten deutschen Staates sähen.

Als Bekenntnis zum deutschen Vaterland und zu Europa sangen die Teilnehmer inbrünstig die National- und die Europahymne. Musikalisch begleitet wurde der Chor vom Trompetenensemble der städtischen Musikschule unter der Leitung von Harald Streit. Landrat Klaus Peter Söllner und Kulmbachs zweiter Bürgermeister Dr. Ralf Hartnack verneigten sich im Gedenken an die Opfer der deutschen Teilung vor einem Blumengruß am Mahnmal an der Berliner Brücke.

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Stephan Stöckel
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Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
17:26 Uhr

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Autor

Stephan Stöckel

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Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
17:26 Uhr



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