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Kulmbach

Die zwei vom Frauenhof

Von Beruf Augenoptikerin, im Nebenerwerb Bäuerin - die 28-jährige Theresa Kaiser aus Unterobsang kriegt das hin. Gemeinsam mit ihrer Mutter betreibt sie eine kleine Bullenmast.



Wenn Theresa Kaiser den Stall betritt, betteln die Jungbullen um Streicheleinheiten. Fotos: Thomas Hampl
Wenn Theresa Kaiser den Stall betritt, betteln die Jungbullen um Streicheleinheiten. Fotos: Thomas Hampl   » zu den Bildern

Unterobsang - Auch wenn man es ihr auf Anhieb nicht glauben will. Sie kann richtig anpacken. Die zierliche Theresa Kaiser aus dem kleinen Neudrossenfelder Ortsteil ist das von klein auf gewöhnt, ebenso wie ihre Mutter Angela, die - wie sie sagt - mit zwei Schwestern aufwuchs und auf dem elterlichen Hof in Unterobsang früher "den Buben ersetzen musste". Heute bewirtschaften die beiden Frauen gemeinsam diesen Hof, einen kleinen Bullenmastbetrieb, dazu 30 Hektar Ackerland und den eigenen Wald.

Nach dem Abitur wurde Theresa Kaiser Augenoptikerin. Doch als vor sechs Jahren ihr Vater Bernd starb, änderte sich ihr Leben und das ihrer Mutter schlagartig. Der Vater, von Beruf Polizist, hatte zu Hause kräftig mitgearbeitet. Für die beiden Frauen stellte sich die Frage, ob es ohne ihn überhaupt möglich sein würde, den bäuerlichen Betrieb aufrechtzuerhalten. Also fragte Theresa ihren Arbeitgeber in Kulmbach, ob es möglich wäre, in Teilzeit zu arbeiten. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass er zugestimmt hat", sagt sie und ist ihm auch heute noch dankbar. Und Mutter Angela ist froh, dass dank der 30 Bullen im Stall nach wie vor richtig Leben auf dem Hof herrscht.

Heute sagt Theresa Kaiser zurückblickend: "Ich wollte einfach, dass es weitergeht. Wenn man so aufgewachsen und von den Tieren umgeben ist, dann kann man das nicht so einfach aufgeben. Da würde etwas im Leben fehlen." Jetzt leistet sie halbtags Feinarbeit als Optikerin, und den Rest des Tages geht es auf den Feldern und im Stall zur Sache.

"Sicher, es ist ein kleiner Betrieb und davon leben könnten wir nicht, aber wir lieben eben beide die Arbeit auf dem Bauernhof", sagen Tochter und Mutter unisono. Langweilig wird es den beiden trotzdem nicht. So müssen die dreißig Jungbullen im Stall zweimal am Tag gefüttert werden, denn sie haben tüchtig Appetit. Und von Anfang März bis in den späten Herbst hinein gibt es auf den Feldern jede Menge Arbeit. Auch die Getreideernte nehmen die beiden Frauen selbst in die Hand. Schließlich haben sie doch zumindest einen kleinen Mähdrescher.

Schwieriger wird es allerdings, wenn Reparaturen an den Geräten anstehen. Aber Theresa Kaiser und ihre Mutter haben hilfsbereite, fachkundige Nachbarn und Verwandte, die immer wieder einspringen, wenn Not am Mann ist. Einer davon ist Angela Kaisers Patensohn Christopher, der beim Dreschen und bei der Waldarbeit mithilft, ein anderer ist Nachbar Rado, der sich bestens mit Landmaschinen auskennt. "Was wir alles an Hilfe bekommen, können wir gar nicht zurückgeben", sagt Angela Kaiser, die sich auch darüber freut, dass oft befreundete Bauern aus Buch am Sand mithelfen.

Dass es den 30 Jungbullen gut geht, erkennt man, wenn die beiden Frauen den Stall betreten. Alle Augen sind dann auf sie gerichtet und manche der Tiere, vor allem die älteren, recken ihre Köpfe durch die Gitter und warten auf Streicheleinheiten. Die zutraulichsten von ihnen haben auch Namen. Auf die Frage hin, ob sie denn keine Angst vor den Bullen habe, fängt Theresa Kaiser an zu lachen. "Wenn ich Angst hätte, wäre es echt schwierig, diesen Beruf auszuüben." Aber die junge Bäuerin ist vorsichtig, vor allem dann, wenn sie einmal in die Buchten steigen und eines der Tiere einmal genauer untersuchen muss. "Man muss aufpassen, aber die meisten der jungen Bullen sind sehr zutraulich."

Die Jungbullen, aufgeteilt in drei Altersgruppen, kommen in der Regel nach Unterobsang, wenn sie vier Monate alt sind und zwischen 150 und 200 Kilo wiegen. Dann bleiben sie etwa eineinhalb Jahre in Fünfergruppen auf dem Hof. Mit 21 Monaten müssen sie dann, etwa 14 Zentner schwer, geschlachtet werden, denn älter darf das Fleisch von Jungbullen nicht sein. Der Abtransport der Tiere ist für Theresa Kaiser nicht leicht, vor allem dann, wenn sie sehr zutraulich sind. "Wir hängen an der Landwirtschaft, kennen jedes der Tiere. Es fällt schon schwer, wenn sie den Hof verlassen müssen. Aber so ist der Beruf. Die Menschen wollen eben Fleisch essen", sagt die junge Bäuerin. Und sie fährt fort: "Es ist schade, dass man als Landwirt so schnell an den Pranger gestellt wird. Dabei halten wir uns sehr genau an die bestehenden Vorschriften. Das geht ja auch gar nicht anders."

Ihre Mutter wird sogar noch etwas drastischer: "Andere hätten schon lange alles hingeworfen, wenn sie so gequält würden wie die Bauern. Es muss schon etwas ganz Besonderes an dem Beruf sein, dass die Bauern ihn so lieben und so gern ausüben."

Ernst wird Theresa Kaiser, wenn es um die Zukunft des Hofes geht: "Ich will weitermachen, aber man weiß ja nie, was auf einen zukommt. Es ist halt leider so, dass immer mehr kleine Bauern aufhören müssen, weil die Vorschriften immer strenger werden und die Landwirte die Herausforderungen einfach nicht mehr stemmen können. Dazu kommt, dass man als Bauer vom Wetter abhängig ist. Letztes Jahr, als es so trocken war, hat es keinen Spaß mehr gemacht."

Autor

Thomas Hampl
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 09. 2019
20:35 Uhr

Aktualisiert am:
01. 09. 2019
20:35 Uhr

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Thomas Hampl

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01. 09. 2019
20:35 Uhr

Aktualisiert am:
01. 09. 2019
20:35 Uhr



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