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Kulmbach

Dr. Roboter greift mit ein

Das Klinikum Kulmbach hat für rund 1,5 Millionen Euro das OP-System "Da Vinci" angeschafft. Die US-Technologie soll mehr können als eine menschliche Hand.



Rund 1,5 Millionen Euro hat der Da Vinci gekostet. Mit dem Gerät arbeitet derzeit nur die Urologie am Klinikum in Kulmbach. Bald werden aber auch die Gynäkologen das teure Gerät einsetzen. Die Ausbildung hat bereits begonnen. Fotos: privat
Rund 1,5 Millionen Euro hat der Da Vinci gekostet. Mit dem Gerät arbeitet derzeit nur die Urologie am Klinikum in Kulmbach. Bald werden aber auch die Gynäkologen das teure Gerät einsetzen. Die Ausbildung hat bereits begonnen. Fotos: privat   » zu den Bildern

Kulmbach - Dr. Jordan Todorov, Leitender Arzt der Klinik für Urologie am Klinikum Kulmbach, hat Grund zur Freude: Seit einigen Wochen kann er bei sogenannten laparoskopischen Eingriffen - zum Beispiel bei Prostata-Operationen - mit einem Roboter assistierten OP-System mit dem Namen "Da Vinci" arbeiten. Rund 1,5 Millionen Euro hat das Klinikum Kulmbach in dieses System investiert. Seit Ende Juli ist es in Betrieb. Nach den ersten 20 Operationen zieht Dr. Todorov eine positive Bilanz: "Alle Patienten haben die Operation als ausgesprochen schonend empfunden. Alle konnten noch am Tag der OP wieder mobilisiert werden, und bisher hatte auch niemand Probleme mit einem funktionalen Ausfall oder Komplikationen." Für den Chef der Urologie ist jetzt schon klar, diese Investition hat sich gelohnt. Sie wird sich noch mehr lohnen, wenn weitere Kliniken des Hauses mit "Da Vinci" arbeiten. Die Vorbereitungen dazu laufen. Das teilt das Klinikum Kulmbach in einer Pressemeldung mit.

Immer mehr Eingriffe mit "robotischen Assistenten"

Die Prostatektomie hat dem robotisch assistierten Operieren zum Durchbruch verholfen, schreibt die Ärztezeitung. In manchen urologischen Kliniken wird danach das Organ kaum noch offen entfernt. Auch die operative Entfernung der Gebärmutter findet zunehmend mit Hilfe solcher Systeme statt. In den USA erfolgen bereits 80 Prozent aller radikalen Hysterektomien roboterassistiert. Auch die Viszeralchirurgen holen laut der Fachzeitschrift für Mediziner auf. Laut einer 2016 publizierten Umfrage in Deutschland nahm die Zahl roboterassistierter Eingriffe von vier im Jahre 2010 auf 819 im Jahre 2015 zu. Seit 2012 haben sich diese Eingriffe jährlich verdoppelt. Es handle sich vor allem um Eingriffe am Darm, am Magen und auch an der Speiseröhre.

Als Vorteile werden von Operateuren durchweg die hervorragende Sicht auf das Operationsfeld genannt, die für den Chirurgen angenehme Ergonomie und dadurch verringerte Ermüdbarkeit sowie die freie Beweglichkeit der Instrumente in sieben Freiheitsgraden mit Tremorfilter und skalierbaren Bewegungen. Die Fluoreszenzbildgebung ermöglicht die Beurteilung der lokalen Gefäßperfusion. Zunehmend bedeutsam wird virtuelle Realität, so dass etwa Live-Sonografie-Bilder oder vorangegangene Bildgebungen in das Sichtfeld des Operateurs integriert werden können. Nach Angaben des derzeitigen Monopolisten, dem US-Unternehmen Intuitive, sind in Deutschland derzeit rund 140 Da-Vinci-Systeme installiert. Damit wurden seit 1999 etwa 100 000 Eingriffe vorgenommen.


Wer als Operateur mit dem neuen System arbeiten will, muss sich schulen lassen und sich auf eine neue Arbeitstechnik einstellen. Der Operateur steht nicht am Tisch, sondern sitzt an einer Konsole im Operationssaal und hat keinen direkten Kontakt zum Patienten. Von der Konsole aus steuert der Chirurg das Gerät. Es ist so konstruiert, dass Patienten aus der Ferne operiert werden können. "Der Begriff Roboter ist nicht korrekt", klärt der Mediziner auf. Denn: "Da Vinci macht keine Bewegung alleine. Die Arbeit muss der Operateur natürlich noch selbst machen."

Der Assistent ist derjenige, der ganz nah am Patienten ist. Er ist in der Lage, mit einer Präzision zu arbeiten, die mit Händen allein nicht möglich wäre. "Die Instrumente sind in alle Richtungen beweglich. Dadurch hat man einen Zugang von allen Seiten zu den Organen. Das erleichtert die minimal invasiven Operationen immens und macht auch schwierigste Zugänge und Eingriffe wesentlich einfacher und sicherer", betont Dr. Todorov. Das Bewegungspotenzial des Geräts sei beeindruckend, sagt Dr. Todorov. Der "Da Vinci" sei zudem in der Lage, auch jede Bewegung des Chirurgen zu "filtern". So könne jedes kurze Zittern der Hand ausgeglichen werden. Der Operateur sieht sein Operationsfeld in 3D mit hoher Auflösung: "Ich erkenne feinste Strukturen, kleinste Gefäße und Nerven leicht." Mit der offenen OP-Methode sei das gar nicht möglich. Gerade bei Prostata-Operationen sei das aber ein entscheidender Vorteil. Die Rate der Patienten, die nach einer Prostata-OP inkontinent oder impotent werden, könne gesenkt werden. Ein weiterer Vorteil bei laparoskopischen Eingriffen: Im Gegensatz zu offenen Operationen werden kaum Blutkonserven gebraucht.

Seit zehn Jahren werden am Klinikum Kulmbach Prostata-Operationen minimalinvasiv durchgeführt, wo immer es möglich ist. Und die Zahl der Patienten steigt: Von Januar bis Ende April gab es, wie Dr. Todorov informiert, bereits 50 solcher Eingriffe am Kulmbacher Klinikum. Eingriffe an der Prostata seien sehr komplex. Abhängig davon, ob Lymphknoten betroffen sind, kann ein Eingriff durchaus vier Stunden dauern. Der "Da Vinci" mache die Operation nicht schneller, aber präziser. Ganz besonders wichtig sei die Teamarbeit, wenn man mit einem solchen System operiert, sagt Dr. Todorov. "Alle müssen eingespielt sein. Jeder muss ganz genau wissen, wer was tut."

Der "Da Vinci” ist nicht nur in der Urologie eine große Hilfe. Auch in der Gynäkologie leiste das System wertvolle Arbeit. Deswegen steigen die Gynäkologen am Kulmbacher Klinikum in diese OP-Technologie ein und lassen sich schulen. Auch andere chirurgische Fachrichtungen werden sich dieser Methode später bedienen. Die Schulung am "Da Vinci" ist aufwendig. Vier Monate lang wurde Dr. Todorov über verschiedene Module täglich zwei Stunden lang trainiert. Zweimal war er zu Schulungen in Straßburg. Dann hat er die Zulassung erhalten, mit dem "Da Vinci" zu arbeiten.

Das System ist in den USA entwickelt worden. Grundlage für die Entwicklung war der Anspruch, eine Operation durchführen zu können, ohne dass der Operateur direkten Kontakt zum Patienten hat. Die Annahme, dadurch auch in Krisengebieten beste medizinische Versorgung zum Beispiel für Angehörige des Militärs bieten zu können, habe sich allerdings nicht erfüllt. "Da bräuchte man einen extrem schnellen und absolut sicheren Internetzugang", erklärt der Kulmbacher Urologe. Aber auch wenn der ursprüngliche Gedanke verworfen werden musste, habe sich das System dennoch als Konzept durchgesetzt und in der Chirurgie bereits Erfolge erzielt.

Der "Da Vinci", sagt Dr. Todorov, sei nicht an einen festen Ort gebunden. "Das Gerät wird aufgestellt und angeschlossen, dann kann es losgehen. So könne das System problemlos in jedem der OP-Säle des Klinikums genutzt werden. Die Nachfrage von Patienten für urologische Eingriffe mit dem "Da Vinci" ist sehr groß. Deswegen bereitet sich mit Oberarzt Rosen Dimitrov nun bereits ein zweiter Facharzt für Urologie am Klinikum Kulmbach auf die Arbeit mit dem neuen OP-System vor.

Schon im November wird Oberarzt Dimitrov seine Zertifizierung erhalten. Landrat Klaus Peter Söllner sieht als Vorsitzender des Zweckverbandes Klinikum Kulmbach die Investition als einen bedeutenden Schritt: "Das System arbeitet bereits zur vollsten Zufriedenheit der Urologen. Jetzt folgen die Gynäkologen und es werden weitere Fachabteilungen folgen. Das ist für uns eine tolle Geschichte und hebt uns in der Medizintechnik auf einen ganz neuen Stand."

Als wichtigen Schritt für das Klinikum sieht auch Oberbürgermeister Henry Schramm den Kauf des "Da Vinci": "Es gilt, die modernste Technik für bestmöglichste Behandlungsergebnisse für unsere Patienten bereitzustellen. Es freut mich auch, dass schon bald weitere Kliniken dieses System einsetzen werden."

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Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
17:10 Uhr

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10. 10. 2019
17:10 Uhr



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