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Kulmbach

Drei Lehrstellen, ein Bewerber

Auch wenige Tage vor Beginn des Ausbildungsjahres haben junge Leute noch viele Möglichkeiten. Arbeitgeber werden immer kreativer, wenn es um die Suche nach Azubis geht.



Die Firma Zaigler macht mit einem Schild auf offene Stellen aufmerksam. Fotos: Melitta Burger
Die Firma Zaigler macht mit einem Schild auf offene Stellen aufmerksam. Fotos: Melitta Burger   » zu den Bildern

Kulmbach - Kaum ein Unternehmen verlässt sich noch darauf, dass rechtzeitig zum Beginn des Ausbildungsjahres Bewerbungen eingehen. Viele sind findig geworden in einer Zeit zunehmenden Fachkräftemangels. Am Klinikum Kulmbach gab es eine "Pflegenacht", bei der Interessenten ein breites Programm geboten wurde. Bei der "Wiegelnight" wird bereits seit Jahren um Nachwuchs für die Gebäudetechnik geworben. Immer mehr Unternehmen werben buchstäblich plakativ um Azubis. Beispielsweise die Firma Raps oder auch Zaigler Maschinenbau in Kulmbach machen auf Bannern und Schildern darauf aufmerksam, dass sie noch junge Leute suchen, die bei ihnen eine Berufsausbildung machen wollen. Potenzielle Auszubildende werden umworben. Das hat gute Gründe: Seit Jahren bereits gibt es rein rechnerisch im Bereich der Arbeitsagentur Hof-Bayreuth mehr Ausbildungsplatzangebote als Bewerber. Der Trend verstärkt sich kontinuierlich. 3,3 Lehrstellen stehen rein rechnerisch jedem unversorgten Bewerber zur Auswahl. "Inzwischen muss sich ein Arbeitgeber fragen, wie erhöhe ich meine Attraktivität, damit junge Menschen sich für mich interessieren", beschreibt Agenturchef Udo Kolb die Lage.

Unbesetzte Stellen

Die oberfränkische Wirtschaft hat es nach Angaben der IHK in Bayreuth schwer, ausreichend Bewerber für die vielen angebotenen Stellen zu finden. Für mehr als 2600 offene Plätze gebe rein rechnerisch keine Bewerber. Knapp 4400 offene Lehrstellen gab es nach Angaben der Agentur für Arbeit oberfrankenweit Ende Juli. Dem standen nur knapp 1800 junge Leute gegenüber ,die noch keinen Ausbildungsvertrag geschlossen hatten. Rund 60 Prozent der Ausbildungsplätze insgesamt kommen aus Betrieben, die zur IHK gehören.


Mittelschüler vorne

Bis zu 45 Prozent aller Auszubildenden im Handwerk in Oberfranken sind ehemalige Mittelschüler. Aber auch Abiturienten interessieren sich zunehmend für Handwerksberufe. Elf Prozent der Azubis in diesem Jahr haben ein Abitur in der Tasche. Vor fünf Jahren war es laut Benedikt Helldörfer nur die Hälfte. Der Anstieg ist gut für das Handwerk, denn die Zahl der Mittelschulabsolventen geht auch im Landkreis Kulmbach immer weiter zurück. Die entstehenden Lücken müssen mit Realschülern, aber auch Gymnasiasten geschlossen werden.


Imagewandel

"Das Handwerk wird immer noch mit schmutzigen Händen und früh aufstehen in Verbindung gebracht", weiß Benedikt Helldörfer. Das stimme allerdings nur bedingt, denn längst habe hochkarätige Technologie auch im Handwerk Einzug gehalten. Der Global Trust Report weise zwar aus, dass das Handwerk in der Bevölkerung hohes Vertrauen genießt. "Aber es gelingt bislang nur zum Teil, dieses positive Image auch auf die Ausbildung zu übertragen." Das Image der Handwerksberufe habe sich bei jungen Leuten zwar verbessert. "Aber da gibt es noch Luft nach oben."


Noch wenige Tage, dann beginnt das neue Ausbildungsjahr. Wer im Ausbildungsportal der Handwerkskammer für Oberfranken nach offenen Lehrstellen sucht, findet aber auch kurz vor "Torschluss" in Kulmbach und 15 Kilometern Umkreis 53 offene Lehrstellen aus allen möglichen Berufszweigen. Im gesamten Kammerbezirk sind es 672. "Im Handwerk wird überall gesucht", macht Benedikt Helldörfer, Abteilungsleiter Kommunikation bei der Handwerkskammer, deutlich. Besonders prekär sei die Lage aber im Lebensmittelhandwerk und auch auf dem Bau. Vor allem Letzteres ist für Helldörfer nicht ganz nachvollziehbar. Wer sich für eine Karriere auf dem Bau entscheidet, verdient von Anfang an gutes Geld. 850 Euro Ausbildungsvergütung gibt es im ersten Lehrjahr, im vierten sind es 1580 Euro. "Die Bauberufe dürften damit einer der (wenn nicht gar die) höchsten Ausbildungsvergütungen sowohl im Handwerk als auch in der Gesamtwirtschaft haben."

Die zahlreichen Imagekampagnen, die das Handwerk seit Jahren fährt, scheinen zu greifen. Von 2002 bis 2013 sei die Anzahl der abgeschlossenen neuen Ausbildungsverträge von 2830 auf 2100 kontinuierlich gesunken. "Seit 2013 ist allerdings gelungen, den Abwärtstrend zu stoppen und die Zahlen konstant zu halten. Auch die vorläufige Zahl für Ende Juli deutet darauf hin, dass deren Anzahl mindestens konstant bleibt", gibt sich Benedikt Helldörfer optimistisch.

Ausruhen könne man sich aber keineswegs: "Es muss weiterhin viel dafür getan werden, dass die berufliche Bildung gestärkt wird und die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung auch ‚in den Köpfen‘ der Bevölkerung ankommt."

80 freie Ausbildungsplätze werden angezeigt, wenn man bei der IHK in Kulmbach und 20 Kilometer Umkreis sucht. 978 freie Plätze sind es im Umkreis von 50 Kilometern. Michael Möschel, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Kulmbach, lädt alle, die noch suchen, ein, sich zu informieren. "Nach wie vor gibt es viele attraktive Ausbildungsplätze mit langfristigen Perspektiven im Landkreis Kulmbach. Auch wenn die Konjunktur momentan etwas lahmt, ist die Ausbildungsbereitschaft in den Unternehmen extrem hoch. Lehrlinge stellt man nicht ein, um kurzfristig Aufträge abzuarbeiten, sondern um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Ausbildung ist immer eine langfristige Sache." Möschel rät, in den Ausbildungsbörsen zu stöbern. Bei der angebotenen Vielfalt könne jeder etwas finden, das zu ihm passt.

Wer jetzt noch keine Lehrstelle hat, sollte sich allerdings sputen, heißt es in der Berufsberatung der Arbeitsagentur. Sie hilft bei der Beratung für den passenden Beruf und der Vermittlung freier Stellen ebenso weiter wie es auch die IHK und die Handwerkkammer tun.

Selbst wenn das Zeugnis nicht überragend ausgefallen sein sollte, muss man die Hoffnung nicht verlieren. Thomas Oetter von der Agentur für Arbeit weiß, dass viele Arbeitgeber angesichts der Bewerberknappheit ein Auge zudrücken und sich mehr auf ihre eigenen Eindrücke beim Probearbeiten verlassen. Wenn es sonst irgendwo noch "haken" sollte, gibt es Hilfen von der Agentur für Arbeit. Nachhilfe, Stützunterricht und sogar sozialpädagogische Unterstützung werden angeboten. Für die Jungen, die diese Hilfen in Anspruch nehmen, fallen dafür keine Kosten an. Selbst ohne Schulabschluss gebe es Möglichkeiten, wird betont.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
16. 08. 2019
16:44 Uhr

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Melitta Burger

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16. 08. 2019
16:44 Uhr



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