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Kulmbach

Drogendealer bedankt sich für seine Festnahme

Er spielte für die Kripo den Lockvogel und kommt vor Gericht mit Bewährung davon: Ein 30-Jähriger Kulmbacher hat am Busbahnhof Minderjährigen Rauschgift verkauft.



Drogendealer bedankt sich für seine Festnahme
Drogendealer bedankt sich für seine Festnahme   Foto: Archiv/dpa

Bayreuth/Kulmbach - Er kratzte gerade noch die Kurve und dabei, um im Bild zu bleiben, hat die Polizei einem 30-jährigen Kulmbacher helfend ins Lenkrad gegriffen. Der Mann bekam am Montag am Landgericht eine zweijährige Bewährungsstrafe, obwohl er einige schwerwiegende Drogendelikte begangen hatte. Das am schwersten wiegende Delikt heißt im Strafgesetzbuch: Bestimmung einer Person unter 18 Jahren mit Drogen Handel zu treiben. Die dafür vorgesehene Strafe ist hoch: Fünf Jahre Haft sieht das Gesetz dafür mindestens vor, außer es handelt sich um einen minderschweren Fall.

Beamte der Polizeiinspektion Kulmbach brachten den Fall ins Rollen: Die Ermittler mischten im Frühjahr 2018 die Szene auf und überführten einige Jugendliche, die im Umfeld des Zentralen Busbahnhofes mit Marihuana dealten. Eine der Verdächtigen, ein 16-Jähriger gestand, insgesamt rund 40 Gramm des Rauschgifts verkauft zu haben. Und er nannte seinen Lieferanten: den 30-Jährigen, einen bis dahin bei der Polizei unbekannten und nicht vorbestraften Mann.

Eine Wohnungsdurchsuchung bei dem 30-Jährigen folgte, dabei fanden die Ermittler eine geringe Menge Drogen. Wegen des schweren Vorwurfs der Abgabe von Drogen an Jugendliche musste der Mann in Untersuchungshaft.

Dort saß er 13 Tage, dann kam er wieder auf freien Fuß. Kurz zuvor hatten Kriminalbeamte ihn ausgeführt, um ihn in einer Lockvogelrolle bei einem Drogendeal zu observieren. Der aus Chemnitz angereiste Lieferant des 30-Jährigen wurde bei dem Scheingeschäft festgenommen. 200 Gramm Marihuana beschlagnahmten die Kriminalbeamten. Bis dahin hatte der 30-Jährige von diesem Lieferanten in mehreren Deals 230 Gramm Marihuana bezogen. Der Lieferant legte ein Geständnis ab und verriet ebenfalls seinen Hintermann. Dafür bekam der Mann zwei Jahre auf Bewährung.

Da wäre es logisch, dass der Dealer, der die Kettenreaktion auslöste, in seinem Strafverfahren ebenfalls gut wegkommt. Jedoch: Ganz einfach wurde dies nicht, wie der Strafkammervorsitzende Bernhard Heim im Prozess ausführte: "Wir müssen alles zusammenkratzen." Der Hintergrund für die Bemerkung des Richters: Der Angeklagte hatte bis zum Prozessbeginn bestritten, das Alter des Abnehmers zu kennen, dem er 40 Gramm aus einem der Deals mit seinem Chemnitzer Lieferanten zum Vertrieb abgegeben hatte. Belastet wurde er jedoch von diesem Abnehmer, er habe dem 30-Jährigen sein Alter genannt. Erst als der Gerichtsvorsitzende in einer eingehenden Belehrung andeutete, dass der jugendliche Dealer schon vorher in der Drogenszene verstrickt gewesen sei und ein Geständnis in der Frage des Alters das letzte Puzzleteil für die mögliche Bewertung als minder schwerer Fall fehle, gab sich der Angeklagte einen Ruck: Er gestand ein, dass er das Alter des Jugendlichen gekannte habe.

Ein Kriminalbeamter bestätigte als Zeuge, wie bereitwillig der Angeklagte den Lockvogel gespielt hatte. Der Angeklagte sagte zu dem Kriminaler: "Danke, dass Sie mich festgenommen haben. Ich hätte sonst alles verloren." Das bestätigte ein Psychiater indirekt: Der Angeklagte habe bis zum Zeitpunkt seiner Festnahme Rauschgift in stetig steigenden Mengen konsumiert, aber doch wenig genug, dass er es noch aus eigener Kraft geschafft habe vom Marihuana loszukommen. Glaubhaft sei das auch deshalb, weil der Chef des Mannes Bescheid weiß und den 30-Jährigen trotzdem weiter beschäftigen will.

Staatsanwalt Jan Köhler, der schon im Vorfeld signalisiert hatte, er halte im Fall der Abgabe an den Jugendlichen einen minder schweren Fall für möglich, setzte dies im Plädoyer um: Er beantragte eine Gesamtstrafe von zwei Jahren. Verteidiger Andreas Piel schloss sich dem Strafantrag des Staatsanwalts an.

Das Gericht sah im Geständnis und in der Lockvogelrolle die besonderen Umstände, dem Verurteilten eine Bewährungschance zu geben. Der Angeklagte muss an Diakonie und Caritas in Kulmbach jeweils 1500 Euro Bewährungsauflage zahlen. Rund 2200 Euro illegalen Profit, die er mit seinen Deals verdient hatte, muss er überdies abgeben.

Autor

Manfred Scherer
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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
18:16 Uhr

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Manfred Scherer

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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
18:16 Uhr



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