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Kulmbach

Ein Abriss mit Fingerspitzengefühl

Viele Gemeinden im Kulmbacher Land wollen ihr Ortsbild verschönern und lassen alte Häuser verschwinden. Mainleus ist seinen Schandfleck los.



Vorsichtig nähert sich der Baggerarm dem Abrisshaus. Fotos: Stefan Linß
Vorsichtig nähert sich der Baggerarm dem Abrisshaus. Fotos: Stefan Linß   » zu den Bildern

Mainleus - Die Kinder haben sich einen Platz in der ersten Reihe gesichert und kommentieren die Arbeit des Abrissbaggers mit Ausdrücken des Erstaunens. Bei den älteren Mainleusern schwingt ein kleines bisschen Wehmut mit. "Da drin haben wir früher unser Eis gekauft", erinnert sich eine Anwohnerin. In den vergangenen Jahren ist das Gebäude am Fritz-Hornschuch-Platz 2 direkt neben dem Rathaus zum Schandfleck verkommen. Damit wurde das alte Haus ein Fall für die Mitarbeiter des Unternehmens Plannerer. Sie machen das heruntergekommene Ladenlokal innerhalb eines Tages dem Erdboden gleich. Die Reste landen akribisch sortiert in mehreren Containern.

Förderoffensive Nordostbayern

Die Kommunen in Nordostbayern haben in den letzten Jahren erhebliche Bevölkerungsverluste hinnehmen müssen, teilt das Amt für Ländliche Entwicklung mit. "Die Folgen sind Leerstände in großer Zahl bis zum Verfall von Gebäuden, oft im Ortskern." Der Freistaat Bayern will mit einem Sonderfördersatz von 90 Prozent bei Dorferneuerung und Städtebauförderung dagegen steuern.

In Oberfranken liegen die Stadt Hof und die Landkreise Hof, Kronach, Kulmbach und Wunsiedel in der Förderkulisse, in der Oberpfalz der Landkreis Tirschenreuth.

Mit unansehnlichen Leerständen nehme die Attraktivität von Stadt- und Ortskernen ab. Dies führe zu weiteren Leerständen. Die Förderoffensive Nordostbayern soll diese Spirale durchbrechen. Anträge sind nur für Objekte möglich, die sich im Besitz der Kommunen befinden. Zur Aufwertung des Ortsbildes sind Sanierungen, Umbauten sowie ein Abbruch für Ersatzbauten oder für Freiflächengestaltung möglich. Voraussetzung ist ein schlüssiges Konzept.


Statt der großen Abrissbirne, die schnell kurzen Prozess macht, kommt in Mainleus der elegantere Bagger zum Einsatz. Der Fahrer geht mit viel Fingerspitzengefühl vor. Er kann seine Position verändern und von oben in das Abbruchhaus schauen, erklärt Bauleiter René Ziebarth. Denn seine Kabine ist hydraulisch verstellbar.

"Für uns ist der Einsatz Routine", sagt Ziebarth. "Wir brechen von oben nach unten ab." Alle Bauteile - Beton und Rigips, Ziegel, Holz und Styropor - müssen schön voneinander getrennt werden, damit sie anschließend entsorgt werden können. Die gefährlichen Asbest-Platten der Außenverkleidung haben die Mitarbeiter in Schutzausrüstung schon vor anderthalb Wochen abmontiert.

Zusammen mit dem Baggerfahrer und dem Bauleiter sind am Abrisstag acht Mann im Einsatz. Nachdem der Gasanschluss zurückgebaut ist, tragen sie Stück für Stück das Haus ab. Bis in die Abendstunden hinein dauert ihre Arbeit. Dann ist die Bruchbude, die einst in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg erreichtet worden ist, Geschichte.

Das Oberpfälzer Unternehmen hat in der Region derzeit viel zu tun. Denn so wie die Mainleuser lassen auch andere Kommunen ihre Schandflecke verschwinden.

Dazu trägt die Förderoffensive Nordostbayern bei. Der Freistaat Bayern zahlt einen Sonderfördersatz von 90 Prozent für die Dorferneuerung und Städtebauförderung, damit die zahlreichen unansehnlichen Leerstände und verfallenen Gebäude in den Ortskernen beseitigt werden können.

Die Marktgemeinde Marktschorgast hat im Februar von der Firma Fickenscher aus Sparneck das ehemalige Gasthaus "Goldener Löwe" abreißen lassen. Auch in Presseck, Grafengehaig, Kauerndorf und vielen weiteren Kommunen im Raum Kulmbach verändert die Förderoffensive das Ortsbild.

In Mainleus konnte es dem Marktgemeinderat mit dem Abriss des Anwesens Fritz-Hornschuch-Platz 2 nicht schnell genug gehen. Die Arbeiten waren ursprünglich vor Weihnachten angepeilt. Jetzt sind alle froh, dass es in den Osterferien geklappt hat. "Das war unser Ziel", sagt Bürgermeister Robert Bosch. Weil die nahe gelegene Schule geschlossen ist, herrscht auf der Straße viel weniger Verkehr.

Wie der Verkehr in der Mainleuser Ortsmitte künftig fließen wird, ist noch offen. In dem neuen Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) hat der Markt unter anderem beschlossen, das Umfeld rund um das Rathaus auf den Prüfstand zu stellen. "Wir stehen immer noch ganz am Anfang unserer Planung", sagt Bosch. Im ersten Schritt hat die Gemeinde 2016 das Haus am Fritz-Hornschuch-Platz 2 bei einer Versteigerung zu einem recht günstigen Preis kaufen können. Eine Sanierung kam nicht infrage. Der Abriss kostete 40 000 Euro. Der Bescheid von der Förderoffensive Nordostbayern ist im Rathaus eingegangen. Der Freistaat wird 90 Prozent übernehmen.

"Jetzt ist der Leerstand weg und wir erhalten viel Platz", erklärt der Bürgermeister. "Wir wollen eine höhere Aufenthaltsqualität schaffen. Mit dem Raumgewinn haben wir ganz neue Perspektiven." Es sei nun möglich, vom Rathaus bis zum Genossenschaftsplatz zu blicken. Dort sollen neue Gelegenheiten zum Verweilen geschaffen werden. Das Thema Wasser und Brunnen werde dabei aufgegriffen.

Die Umgestaltung könnte noch in diesem Jahr beginnen. Dass der sehr stark frequentierte Bereich eine wichtige Bedeutung für Mainleus hat, stellen die ISEK-Planer fest. Die Parkplätze sollen erhalten bleiben, doch die Straße wird wohl verengt. Auf den breiteren Gehwegen sollen mehr Grünflächen entstehen und ein neuer Platz für den Döner-Imbiss.

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
24. 04. 2019
16:52 Uhr

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Stefan Linß

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24. 04. 2019
16:52 Uhr



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