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Kulmbach

Ein Dämon als Türklopfer

Das Anwesen Marktplatz 13 in Kulmbach ist schon lange keine Gaststätte mehr. Doch das Gebäude ist wieder stattlich hergerichtet und weist interessante Einzelheiten auf.



Der prächtige Löwenkopf am Eingangsportal des Ratskellers.
Der prächtige Löwenkopf am Eingangsportal des Ratskellers.   » zu den Bildern

Kulmbach - Ein stolzer Löwenkopf prangt an der Eingangstür des Hauses Marktplatz 13 in Kulmbach. Obwohl sich schon seit vielen Jahren in dem Gebäude keine Gastwirtschaft mehr befindet, kennen die Kulmbacher es immer noch als "Ratskeller".

An dem großen Eingangstor befindet sich eine Löwenmaske als Bronzetürklopfer. In der Darstellungskunst gehören Löwenmasken zum vielfältigen Reich der Dämonen. Schon im frühen Mittelalter ging es den Menschen darum, die Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse in den verschiedensten Formen sichtbar zu machen. Der Löwe galt als Attribut der Macht und der Stärke.

Modelleur dieser kunsthandwerklichen Arbeiten am Ratskeller ist der am 16. Oktober 1813 in Kulmbach geborene Johann Adam Ries. Seine Eltern waren der Drechslermeister Johann Ries und seiner Frau Anna Margareta aus Arzberg.

Johann Adam Ries verbrachte seine Jugendzeit in seiner Heimatstadt Kulmbach und arbeitete anfänglich im Haus Oberhacken 6. Dort lebte seine Schwester Susanna Maria (1807-1883), die den Tuchscherermeister Christian Heinrich Weiß heiratete.

Auch an diesem stattlichen Fachwerksgebäude befindet sich eine Tür mit zwei Türklopfern. Dieses Haus ist auch das Geburtshaus des bekannten Kunstmalers und Ehrenbürgers Michel Weiß (1867-1951). Münzgraveur Johann Adam Ries war der Großonkel von Michel Weiß.

Johann Adam Ries (verheiratet mit Luise Ruckdeschel) war zuerst Drechsler, dann Optiker und Feindrechsler im weltbekannten optischen Institut Merz in München. Schon 1834 fertigte er zusammen mit seinem Vater eine Metall-Fahnenspitze mit Bayerischem Löwen für das Landwehrbataillon seiner Heimatstadt.

In der Festschrift zur Fahnenweihe wird Johann Adam Ries ausdrücklich als der Künstler gewürdigt, der den Entwurf und die Form zur Fahnenspitze lieferte. In der gleichen Publikation heißt es von seinem Vater, er sei "im Fache der Drechslerkunst, sowohl als der feineren Metallarbeiten und Mechanik" ein "ausgezeichneter Autodidakt", in der ganzen weiten Gegend wohlbekannt als bescheidener, anspruchsloser Bürger und Drechslermeister.

Seine weitere Ausbildung erhielt Johann Adam Ries an der Staatlichen Münze in München, wo er dann auch Münzgraveur wurde. Aus der Hand dieses berühmten Kulmbacher Sohnes stammen auch die Entwürfe für die bekannten Schweizer Helvetia-Briefmarken und die bayerischen Wappenmarken. Johann Adam Ries schuf zudem viele andere Entwürfe, zum Beispiel für die Tapferkeitsmedaille des Krieges von 1870/71 oder die Silbermünze mit König Ludwig II., übrigens die einzige Münze mit diesem König, für die er persönlich Modell gesessen hat.

In den 1870er-Jahren widmete der Künstler seiner Vaterstadt Kulmbach zwei Magistratssiegel. 1888 trat Ries in den Ruhestand und starb bereits ein Jahr darauf in München.

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Erich, Marcus Olbrich
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Veröffentlicht am:
16. 06. 2019
16:34 Uhr

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Autor

Erich, Marcus Olbrich

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Veröffentlicht am:
16. 06. 2019
16:34 Uhr



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