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Kulmbach

Ein Eis als "süße" Mahnung

Die Beschäftigten in der Nährmittelbranche wollen mehr Geld. Ihren Forderungen in der Tarifrunde verleihen sie durch erste Aktionen Ausdruck.



Wenn es nicht zu einer Einigung im Tarifstreit kommt, wird mehr Arbeitszeit ausfallen als durch die Einladung zum Eis-Essen nach der Betriebsversammlung sagt Peter Geißler, der Vorsitzende des Raps-Betriebsrats (Mitte). Fotos: Melitta Burger
Wenn es nicht zu einer Einigung im Tarifstreit kommt, wird mehr Arbeitszeit ausfallen als durch die Einladung zum Eis-Essen nach der Betriebsversammlung sagt Peter Geißler, der Vorsitzende des Raps-Betriebsrats (Mitte). Fotos: Melitta Burger  

Kulmbach - Die Belegschaften der Kulmbacher Lebensmittelunternehmen Raps, Lumen und Ireks haben sich gestern an bayernweiten Warnstreiks und Betriebsaktionen beteiligt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erhöht damit den Druck vor der anstehenden zweiten Tarifverhandlung am morgigen Freitag über Lohnerhöhungen für die 8000 Beschäftigten der Nährmittelbranche. Die NGG tritt diesmal mit einer ungewöhnlichen Forderung an. Sie will 160 Euro mehr für jeden Beschäftigten, unabhängig davon, was er bislang verdient und in welcher Position er tätig ist. Gerade das hatte bei den Arbeitgebern für Missstimmung gesorgt. Die Antwort aus dem Arbeitgeberlager wiederum hat die Gewerkschaft verärgert.

Während beispielsweise bei "Alete" bereits Warnstreiks liegen, hat es in den Kulmbacher Betrieben fürs Erste "Aktionen" gegeben. Bei Raps beispielsweise war das eine Einladung des Betriebsrats an die gesamte Belegschaft zum Eis-Essen nach einer Betriebsversammlung. Dabei wurde die Stimmung der Beschäftigten erfragt. NGG-Gewerkschaftssekretär Jan Körper ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Für den Fall, dass morgen zwischen den Tarifparteien zu keiner Einigung kommt, sei die Bereitschaft für einen Arbeitskampf groß. Vor allem die Forderung nach 160 Euro mehr Lohn für jeden werde bei den Mitarbeitern als gerecht und richtig empfunden. Umfragen bei den Mitarbeitern der drei Kulmbacher Betrieben haben laut Jan Körper ein klares Bild ergeben. "Eine überwältigende Mehrheit der Beschäftigten hat gesagt, die Forderung ist korrekt."

Genau an dieser Forderung, sagt Jan Körper, hätten sich die Arbeitgeber "festgebissen". Zum Teil sei dies mit hanebüchenen Argumenten erfolgt. "Diese Argumente entlarven, wie die Arbeitgeber ticken. Eine Festgeldforderung ist gut geeignet, die unteren Einkommensgruppen nicht weiter zu entkoppeln. Die Arbeitgeber haben die Frechheit besessen, davon zu sprechen, dass in 'seichten Tätigkeiten' der Anstieg natürlich nicht so hoch sein kann wie bei den Leistungsträgern. Für Jan Körper ist das ein Aufreger: "Wer das Bild hat, dass nur die Menschen in den hohen Einkommensbereichen Leistungsträger des Unternehmens sind, hat aus meiner Sicht nicht verstanden, wie moderne Wirtschaft funktioniert." Die Erwartung der NGG sei deshalb klar. "Die Arbeitgeber müssen auch eine Anerkennung für die Menschen in den unteren Lohngruppen zeigen und damit ausdrücken, wie wichtig und entscheidend diese Menschen für das Funktionieren eines Unternehmens sind."

Für den Freitag erwartet die NGG, dass das jetzt ausgesendete Signal den Arbeitgebern deutlich macht, dass die Beschäftigten diese feste Entgelterhöhung wirklich wollen. "Über die Höhe kann man danach reden. Aber wir wollen Festgeld."

Auf die Frage, was geschieht, wenn es morgen keine Bewegungen in den Verhandlungen gibt, hat Jan Körper eine klare Antwort: "Dann sehen wir uns vorm Tor." Beispielsweise aus der Betriebsversammlung bei Raps habe man ein klares Signal mitgenommen.

Der Betriebsrat von Raps hatte zum Ende der Betriebsversammlung einen Eiswagen vorfahren lassen und die gesamte Belegschaft eingeladen. Betriebsratsvorsitzender Peter Geißler, der selbst in der Tarifkommission sitzt, hat unmittelbar miterlebt , was die Arbeitgeber zu der Forderung der NGG. "Natürlich ist es gerechtfertigt, dass die unteren Lohngruppen genau so viel mehr bekommen wie die oberen." Die Schere müsse geschlossen werden, findet Peter Geißler. "Die kleinen Leute geben jeden Euro auch aus. Sie kurbeln damit die Wirtschaft an." Wenn es am Freitag in Ingolstadt zu keinem Abschluss komme, werde man sich darauf vorbereiten, um die Forderung zu streiten. "Wir sind bereit, vors Tor zugehen. Dann dauert es aber etwas länger als es dauert, ein Eis zu lutschen."

Aus Solidarität war Peter Geißler auch bei der Aktion der Belegschaft von Ireks und Lumen. Auch dort, sagt Geißler, werde die Forderung nach einer identischen Lohnerhöhung für alle ausdrücklich begrüßt. "Für die Kleinen kostet doch der Sprit genau so viel."

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
11. 07. 2018
17:50 Uhr

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11. 07. 2018
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