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Kulmbach

Ein Werk von großer Leuchtkraft

Der französische Künstler Thierry Boissel hat das neue Buntglasfenter der St.-Oswald-Kirche Untersteinach gestaltet. Für Pfarrer Wolfgang Oertel ist es Ausdruck des Glaubens.



Eine Komposition von großer Leuchtkraft ist das neue Buntglasfenster der St.-Oswald-Kirche. Fotos: Privat
Eine Komposition von großer Leuchtkraft ist das neue Buntglasfenster der St.-Oswald-Kirche. Fotos: Privat   » zu den Bildern

Untersteinach - Am vergangenen Sonntag, dem Reformationssonntag, haben die Untersteinacher Christen die Einweihung des neuen Buntglasfensters in der evangelischen St.-Oswald-Kirche gefeiert. Gestaltet wurde das Kunstwerk von dem Münchner Künstler Thierry Boissel, der mit seiner Ehefrau bei der Einweihung zugegen war. Nach dem Gottesdienst, in dem Pfarrer Wolfgang Oertel auf die "Kathedralen des 21. Jahrhunderts", die oft kunstvollen Tattoos auf der Haut von Menschen als deren Bekenntnisse einging, wurde das Fenster der Gemeinde präsentiert.

Pfarrer Oertel machte deutlich, dass Kirche nichts Starres sei, sondern im Gedenken einer immer zu reformierenden Kirche einem verändernden Prozess unterliegt und sich diesem stellt. "Und das drückt sich auch baulich und künstlerisch aus.", sagte der Geistliche.

Dass auch an der St.-Oswald-Kirche in der Vergangenheit vieles schon neu gestaltet worden ist, machte Oertel beispielhaft an baulichen Veränderungen deutlich. Emporen wurden im 18. Jahrhundert eingefügt, vor 20 Jahren kam eine neue Orgel hinzu. Viele Malereien an den Emporen sind zu bestaunen, ebenso Vortragekreuze aus vier Jahrhunderten. Bei der jüngsten Renovierung vor 25 Jahren wurde außerdem die Kanzel niedriger gesetzt. Eingänge und Vorbauten außerhalb der Kirche sind verschwunden und eine Fußboden- und Wandheizung wurde eingebaut.

"Das Fenster, das wir heute einweihen, ist nicht nur ein Buntglasfenster, sondern es ist ein Ausdruck des Glaubens an Gott in vielfältiger Weise", sagte Oertel weiter. "Kirche spricht in unterschiedlicher Weise zu den Menschen; durch Wort und Sakrament, in der Gemeinschaft miteinander, in der Weitergabe des Glaubens und auch in dem, was unsere Sinne wahrnehmen; was wir hören, riechen, fühlen und sehen. Die Ästhetik eines Kirchenraumes ist entscheidend dafür, dass wir uns wohlfühlen, gerne kommen und uns ansprechen lassen", erklärte der Pfarrer.

Die Auswahl des Fensters wurde fachlich begleitet durch den Leiter des landeskirchlichen Kunstreferats, Helmut Braun, der einen Kunstwettbewerb angeregt hatte. Vier namhafte Künstler hatten sich nach Besichtigung der Kirche dem Wettbewerb gestellt und Entwürfe abgegeben. Ein extra dafür gebildeter Kunstausschuss, in dem der Nürnberger Künstler Hubertus Hess den Vorsitz hatte, hat sich nach eingehender Prüfung und langer Diskussion einstimmig auf den Entwurf des Künstlers Boissel geeinigt. Diesen Beschluss hat auch der Kirchenvorstand einstimmig bestätigt, nachdem auch die untere Denkmalschutzbehörde und die Landeskirche, die den Wettbewerb finanziell unterstützt, ihre Zustimmung gegeben hatten.

Abschließend wünschte sich Pfarrer Oertel, dass "dieses Buntglasfenster Grundlagen des Glaubens weitergibt, Geschichten für unser Herz erzählt und uns Anregungen und Hilfestellungen gibt in unserem Glauben und unserem Leben."

Die stellvertretende Landrätin Christina Flauder, die für den ebenfalls anwesenden Landrat Klaus Peter Söllner sprach, beglückwünschte die Untersteinacher Kirchengemeinde zu diesem sehr gelungenen, wunderschönen Buntglasfenster.

Untersteinachs Bürgermeister Volker Schmiechen erinnerte an den fast zehn Jahre dauernden Prozess - von der Idee durch Pfarrer Oertel über die jahrelange Spendensammlung bis zur Ausführung. Ein früheres Buntglasfenster war im Krieg zerstört worden. Die Hände von St. Oswald, die die Untersteinacher Kirche tragen, sind bei Schmiechen das Zentrale des lichtdurchfluteten Fensters.

Anschließend stellte der in Frankreich geborene Künstler Thierry Boissel sein Werk vor. "Die Vorgaben waren zahlreich und herausfordernd", erklärte der Künstler, der seit 1991 Leiter der Studien- und Experimentierwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik an der Akademie der Bildenden Künste in München ist. Boissel führte aus, dass seine Kunst aus Glas in einem spannungsreichen Dialog mit der Umgebung und im Kontext mit der Architektur stehe. Sein eigens für diesen Ort geschaffenes Werk sei eine Komposition von großer Leuchtkraft und Präsenz, die sensibel auf den Ort reagiere und gleichzeitig auf seine Geschichte und Funktion eingehe.

Die Vertrauensfrau der evangelischen Kirchengemeinde Untersteinach, Martina Schubert, freute sich über das gelungene Werk und lud zum Sektempfang vor und in der Kirche ein. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass zwar für den Einbau derzeit auch die vorderen Bänke ausgebaut wurden, was einen Raum für vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten schafft. Doch ob dies so bleibe, sei noch offen.

Das prächtige Buntglasfenster kann auch außerhalb der Gottesdienstzeiten besichtigt werden. Die Wehrkirche St. Oswald in Untersteinach ist jeden Tag von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

Autor

Wolfgang Oertel
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
04. 11. 2019
17:40 Uhr

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Autor

Wolfgang Oertel

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Veröffentlicht am:
04. 11. 2019
17:40 Uhr



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