Lade Login-Box.
Topthemen: Fotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

Kulmbach

Ein Zeichen für schönes Bauen setzen

Rund 50 Kulmbacher haben sich auf Einladung der FDP vor der alten Mälzerei in der Pestalozzistraße versammelt. Sie sagen Nein zu dem modernen Wohnbau, der dort entstehen soll.



Martin Pöhner hat sich bei der Veranstaltung der FDP vor dem Gebäude der ehemaligen Mälzerei Müller für den Erhalt zumindest der Fassaden ausgesprochen. Stadtrat Thomas Nagel (Zweiter von links) und daneben Ulrich Gödde sowie Kreisvorsitzender Michael Otte stimmen dem zu.	Foto: Melitta Burger
Martin Pöhner hat sich bei der Veranstaltung der FDP vor dem Gebäude der ehemaligen Mälzerei Müller für den Erhalt zumindest der Fassaden ausgesprochen. Stadtrat Thomas Nagel (Zweiter von links) und daneben Ulrich Gödde sowie Kreisvorsitzender Michael Otte stimmen dem zu. Foto: Melitta Burger  

Kulmbach - "Old is Gold! Chance vertan? Charakter ausradiert? Gesicht zeigen für das Gesicht Kulmbachs", stand auf den Plakaten. Die FDP hatte am Samstagmorgen zur Demo für den Erhalt zumindest der Fassade der alten Mälzerei Müller in der Pestalozzistraße aufgerufen. Rund 50 Kulmbacher waren der Einladung gefolgt und versammelten sich auf dem Gehsteig gegenüber dem alten Ziegelgebäude, das bald abgerissen und durch einen modernen Wohnkomplex ersetzt werden soll. Die Pläne gefallen den Liberalen und auch denen nicht, die der Einladung gefolgt waren. Die kontroverse Debatte über dieses Projekt geht weiter.

Er finde es schade, wenn das alte Mälzereigebäude jetzt verschwinden soll, sagte FDP-Kreisvorsitzender Michael Otte. Dabei wisse er, dass der Beschluss des Stadtrats nicht mehr zu ändern sei. Trotzdem hätte es Otte besser gefallen, die Fassade zu erhalten. Das Stadtbild werde dauerhaft verändert.

Otte pflichtet der SPD-Fraktion bei, die erklärt hat, dass man sich über so große Bauvorhaben vorher mehr Gedanken müsse. Er kenne viele, denen die momentane Baupolitik in der Stadt nicht gefalle. "Deswegen stehen wir heute hier." Es gehe darum, künftige Beschlüsse zu beeinflussen und das Stadtbild zu erhalten. Das habe mit Parteipolitik nichts zu tun, sondern mit dem Lebensgefühl. "Wir haben nie propagiert, dass wir diesen Abriss verhindern könnten." Es sei vielmehr darum gegangen, zu zeigen, dass man so nicht weitermachen könne.

Stadtrat Thomas Nagel (FDP) war der einzige, der im Stadtrat gegen den Bauantrag gestimmt hatte, das verfallene Gebäude abzureißen und dort rund 160 Studentenappartements und Seniorenwohnungen zu errichten. Im Stadtrat hatte Nagel seine Meinung nicht erläutert. An der Bauausschusssitzung davor habe er aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen können, sagte er. Bei der Demonstration am Samstagmorgen bezog er Stellung. "Wir brauchen neue Wohnungen in der Nähe des Campus, aber welches Gesicht diese Wohnungen haben sollen, haben wir noch nicht zu Ende diskutiert." Dem Investor gehöre die alte Mälzerei nun. "Daran können wir nichts ändern. Ich habe auch nie gesagt, wir könnten dieses Projekt verhindern." Ihm gehe es darum, künftig darauf zu achten, wie Kulmbach besser gestaltet werden könne. "Da müssen wir besser aufgestellt sein." Für Nagel geht es, wie er betonte, um die Frage, wie man alt und neu, Historisches und Modernes besser verbinden kann. Nagel nannte es bedauerlich, dass nun die gute Zusammenarbeit, die er bislang mit Stadtratskollegen gepflegt habe, in Frage gestellt sei, nur weil er eine andere Meinung habe. In nur drei Stunden haben sich, wie Thomas Nagel sagte, an einem Infostand mehr als 400 Menschen in eine Unterschriftenliste eingetragen und damit bekundet, dass sie mit den Bauplänen für dieses Areal nicht einverstanden sind. Diese Unterschriften wolle die FDP dem Stadtoberhaupt übergeben und damit ein Zeichen setzen.

Martin Pöhner ist in Kulmbach bekannt als fundierter Kenner der Geschichte der Spinnerei. Ihn hatten die Organisatoren der Demo eingeladen, Informationen über die Historie der Mälzerei Müller zu geben. In dem Gebäude sei ehemals die Petz-Bräu zu Hause gewesen. "Das war eine der sechs Großbrauereien vor dem ersten Weltkrieg in Kulmbach. Das Besondere ist: Das ist das einzige noch erhaltene Brauereigebäude in der Innenstadt." Alle anderen Brauereigebäude in der Stadt seien in den vergangenen Jahrzehnten abgerissen worden. Dieses stehe noch. Es sei das einzige erhaltene Dokument und ein eindrucksvolles obendrein.

Für Pöhner ist klar: "Das gehört ganz wesentlich zur Identität Kulmbachs als Bier- und Industriestadt, historisch betrachtet." Der Darrturm der Mälzerei stehe auch unter Denkmalschutz. Warum man nicht den gesamten Gebäudekomplex als Denkmal ausgewiesen habe, könne er nicht nachvollziehen, sagte Pöhner. Die Fassade sei sehr beeindruckend, es habe sich relativ wenig verändert über die Jahrzehnte. Das Gebäude sei durchaus noch authentisch. "Ich finde, man könnte durchaus die Fassaden erhalten."

Einen Vorschlag hatte Pöhner auch. Der Lagerkeller bestehe aus drei Gebäuden hintereinander. Wenn man die hinteren Gebäude abreiße, durch etwas Modernes ersetze und vorne die Fassade stehenlasse, wäre das nach Pöhners Meinung "überhaupt kein Problem". Aus anderen Städten gebe es viele Beispiele, wo in ehemaligen Industriegebäuden Wohnungen entstanden sind. "Ich fände, es wäre eine große Chance, wenn man sich bemühen würde, die historischen Fassaden zu erhalten."

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 07. 2019
18:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bauanträge Bauprojekte Denkmalschutz Denkmäler Erster Weltkrieg (1914-1918) FDP Fassaden Gebäude Geschichte Parteipolitik SPD-Fraktion Stadträte und Gemeinderäte Thomas Nagel
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Außer Thomas Nagel (FDP) stimmten am Donnerstag alle Stadträte über die Fraktionen hinweg dem Bauantrag eines Investors zu, der in der Pestalozzistraße auf dem Areal der ehemaligen Mälzerei Müller 120 Studentenappartements und 37 Seniorenwohnungen bauen will. Die Visualisierung zeigt, wie das Gebäude aussehen soll, das nächstes Jahr gebaut wird.

18.07.2019

Grünes Licht für Studentenwohnheim

Fast einstimmig spricht sich der Stadtrat für den Abriss der ehemaligen Mälzerei Müller und den Bau von knapp 160 Wohnungen an dieser Stelle aus. 2020 ist Baubeginn. » mehr

Auch der renovierte Ratskeller am Marktplatz wird im Rahmen des Tages des offenen Denkmals seine Pforten öffnen.

04.09.2019

Blick in historische Gemäuer gefällig?

In der Stadt Kulmbach öffnen am Sonntag zum Tag des Denkmals zahlreiche alte Gebäude ihre Pforten. Dazu zählen der Ratskeller und die Hornschuch-Villa. » mehr

So will Bauherr Jürgen Drösel aus Rosenheim das Gebäude an der Stelle der alten Mälzerei errichten. Vergangene Woche hat er vom Stadtrat grünes Licht bekommen. Im kommenden Frühjahr soll der Bau beginnen. Visualisierung: Privat

22.07.2019

Ziegel-Nostalgie gegen Beton-Moderne

Soll man die alte Mälzerei Müller erhalten? Darüber streiten sich in Kulmbach derzeit die Geister. Architektur, sagt Tino Heß, verändert sich. Die Sanierung sei zudem unbezahlbar. » mehr

Die "Modernen Umbrüche in der Architektur" kann man auf dem Spinnereigelände sehr gut sehen. Verschiedene Baustile sind dort zu finden, von historisierend bis zur neuen Sachlichkeit.

27.08.2019

"Moderne Umbrüche"

Das Campus-Büro befindet sich in einem Haus mit großer Geschichte. Historiker Martin Pöhner findet, das passt gut zusammen, und stellt es gerne vor. » mehr

Gut frequentiert waren die angebotenen Führungen durch die Stiftskirche und die angeschlossene Ritterkapelle.

08.09.2019

Stiftskirche und DDM locken die Besucher an

Den Tag des offenen Denkmals haben gestern zahlreiche Bürger genutzt, um die Sehenswürdigkeiten in ihren Nachbarorten zu erkunden. Ein Hotspot war die Schmiede. » mehr

Die Landtagsabgeordnete und denkmalschutzpolitsche Sprecherin vom Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Sabine Weigand (rechts) war sich mit den Kulmbacher Grünen einig, dass nur ein Gesamtkonzept die Plassenburg belebt. Foto: Fölsche

29.07.2019

Ein Gesamtkonzept muss her

Die Landtagsabgeordnete Dr. Sabine Weigand von den Grünen ist sich sicher: Um die Plassenburg zu beleben, muss sich einiges von Grund auf ändern. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

oberfränkisches Volksmusikfest Weißenstadt

Oberfränkisches Volksmusikfest | 15.09.2019 Weißenstadt
» 111 Bilder ansehen

Black Base - Mens Night out

Black Base - Men's Night out | 15.09.2019 Hof
» 21 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Moskitos Essen

Selber Wölfe - Moskitos Essen 3:5 | 14.09.2019 Selb
» 27 Bilder ansehen

Autor

Melitta Burger

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 07. 2019
18:04 Uhr



^