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Kulmbach

Ein außergewöhnliches Tanzpaar

Seit zehn Jahren trainiert Saskia Matysiak Tanzmariechen Nicole Gomer. Die beiden verbindet Vertrauen - und eine Freundschaft über den Fasching hinaus.



Trainerin Saskia Matysiak (rechts) und Tänzerin Nicole Gomer sind schon seit zehn Jahren ein Team. Heuer treten sie gemeinsam auf. Foto: Gabriele Fölsche
Trainerin Saskia Matysiak (rechts) und Tänzerin Nicole Gomer sind schon seit zehn Jahren ein Team. Heuer treten sie gemeinsam auf. Foto: Gabriele Fölsche  

Stadtsteinach - Die 15-jährige Nicole Gomer hat in der diesjährigen Session das Mariechenkostüm gegen ein Kleid mit schwarzem Oberteil, buntem Volant und luftigen Ärmeln getauscht. Die langen, brünetten Haare trägt sie offen. Erstmals tanzt sie heuer im Stadtsteinacher Fasching gemeinsam mit ihrer Trainerin, Saskia Matysiak. Die beiden zeigen einen klassischen Gardetanz. "Wir haben ein Medley mit drei verschiedenen Tanzrichtungen eingeübt", sagt Saskia Matysiak.

Nicole Gomers Karriere begann in der Purzelgarde bei den kleinsten (und wohl putzigsten) Tänzern und Tänzerinnen. Saskia Matysiak erinnert sich: "Nicole konnte bereits mit vier Jahren das Rad und den Spagat. Beim Tanz in der Gruppe, zog sie die anderen mit und hatte ein unheimlich gutes Taktgefühl." Der Plan der Trainerin: Ein neues Tanzpaar zu gründen.

2008 stand Nicole Gomer gemeinsam mit Partner Dustin auf der Bühne - doch das Team zerschlug sich bald. "Ich fragte Nicole, ob sie sich auch vorstellen könnte, als Tanzmariechen aufzutreten. Da war sie gerade einmal sechs Jahre alt." Das Mädchen stimmte zu : "Ich wurde zu dieser Zeit gerade eingeschult und ging drei Mal in der Woche zum Training. Jedes Mal bekam ich Bauchschmerzen und wollte nach Hause. Ich war einfach zu lange von meiner Mama weg", analysiert Nicole Gomer heute. Weil sie sich unwohl fühlte, legte sie eine Pause ein.

Doch das Tanzen ließ das Mädchen nicht los. Schon bald meldete sie sich zurück, um als Solistin auf der Bühne zu stehen. Heute sagt Nicole Gomer, die zudem inzwischen in der Maxigarde tanzt: "Für mich ist der Tanz Leidenschaft, und es macht mir unheimlich viel Spaß - ob in der Gruppe oder als Mariechen. Beides hat seine Reize." Und ihre Trainerin ergänzt: "In der Gruppe ist es die Gemeinschaft - als Solistin eine Herausforderung." Saskia Matysiak erzählt, dass das Training, als Nicole noch ein Kind war, vor allem spielerisch abgehalten wurde, sodass der Spaß im Vordergrund stand. Geübt wurde anfänglich - und noch heute beim schwierigen akrobatischen Elementen - auf dicken Bodenmatten: "Ich gebe Hilfestellung - Nicole muss mir dabei vertrauen und sich auf mich verlassen können", erklärt Matysiak. Heute ist Nicole Gomer ein Ausbund an Können und Kondition: "Sie beherrscht Salto, Bogengang oder Freirad", sagt Matysiak. Und auch: "Ich muss mich beim Tanzen mit ihr schon anstrengen, denn Nicole ist richtig gut", lobt sie. Doch das Können kommt nicht von ungefähr: "Nicole ist fleißig, übt auch zu Hause das Dehnen, tanzt Elemente, oder geht die Choreographie im Kopf durch", sagt Saskia Matysiak.

Eigentlich gehört zum Training auch die Mimik - etwa die Kopfhaltung, das Lächeln oder auch ein Kussmund. "Das habe ich immer abgelehnt, darin sah ich nie einen Sinn", sagt die Tänzerin und schielt verschmitzt zu ihrer Trainerin. "Wenn du deinen Auftritt hast, improvisierst du und machst intuitiv alles richtig", erwidert die 24-Jährige.

Nicole Gomer verhehlt nicht, dass sie vor jedem Auftritt innerlich am Ende ist: "Heuer ist es nicht so schlimm, weil wir zu zweit sind. Ist man alleine, dann weiß man, dass jeder schaut."

Ebenso angespannt ist Saskia Matysiak, wenn ihr Schützling tanzt: "Ich bin mehr als nervös. Ich brauche dann etwas, das ich in den Händen halten und drücken kann. Gerade wenn es auf die schwierigen Passagen zugeht, surren mir Sätze wie ,Spann dich an!‘ oder ,Streck die Hände!‘ durch den Kopf", erklärt die 24-Jährige, die bis vor einem Jahr noch in der Maxigarde getanzt hat. Aus beruflichen Gründen musste sie kürzertreten.

Die Trainerin verrät, dass ihr Schützling bis vor Kurzem keine große Rednerin war: "Ihre Standardantwort war: ,Keine Ahnung’", sagt die 24-Jährige und lacht. Nicole antwortet: "Und deine Standardantwort war: ,Beim Training findet alles im Kopf statt’." Wenn es um die Musikauswahl für die neuerliche Session geht, stimmt sich das Team ab. Saskia Matysiak trifft die Vorauswahl, und Nicole Gomer sagt, was ihr gefällt. Auch an der Choreo darf das Tanzmariechen mitfeilen: "Der Takt des Musikstücks muss natürlich mit meinen einzelnen Elementen zusammenpassen, ebenso mit dem Anlauf", erklärt Nicole Gomer.

Wenn die 15-Jährige kurz vor ihrem Auftritt ist, sagt ihr ihre Trainerin nicht "Streng dich an!", sondern "Denk an alles, hab‘ Spaß und verletze dich nicht". Und größere Verletzungen hat das talentierte Mädchen noch nicht davongetragen: "Bisher nur blaue Flecken. Vom Fallen lernt man", sagt sie und lacht.

Vor der Session und währenddessen trainiert die junge Frau vier Mal in der Woche. Doch niemals darf die schulische Leistung darunter leiden: "Es ist ein Hobby, mit dem kein Geld zu verdienen ist. Wenn eine Schulaufgabe ansteht, lassen wir das Training ausfallen", sagt Saskia Matysiak. Die beiden verstehen sich so gut, dass sie auch einen Teil der Freizeit miteinander verbringen.Erst vor Kurzem hat die Trainerin ihrem Schützling geholfen, ihr Zimmer neu zu gestalten. Das schönste Kompliment erhielt Saskia Matysiak aber an einem Gardenachmittag, bei dem traditionell die Tänzerinnen ihren Trainerinnen ein kleines Geschenk überreichen: Saskia Matysiak sagt: "Ich bekam ein Bild von ihr mit der Aufschrift: ,Du bist schon wie meine große Schwester’."

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Gabriele Fölsche
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Veröffentlicht am:
08. 02. 2019
17:12 Uhr

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Gabriele Fölsche

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Veröffentlicht am:
08. 02. 2019
17:12 Uhr



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