Topthemen: Fall Peggy KnoblochHofer Kaufhof wird HotelNeue B15-AmpelHilfe für NachbarnStromtrasse durch die RegionGerch

Kulmbach

Ein letzter Spaziergang

Das Mainleuser Ehepaar Beate und Stefan Probst hatte ein unbeschwertes Leben. Doch ein doppelter Schicksalsschlag hat alles verändert.



Dieses Bild, das bei einer Wanderung in der Nähe von Berchtesgaden im vergangenen Jahr entstanden ist, ist die letzter Erinnerung an die glückliche Zeit vor dem Unfall. Foto: privat
Dieses Bild, das bei einer Wanderung in der Nähe von Berchtesgaden im vergangenen Jahr entstanden ist, ist die letzter Erinnerung an die glückliche Zeit vor dem Unfall. Foto: privat  

Mainleus - Für Beate und Stefan Probst ist es Liebe auf den ersten Blick: Die beiden treffen sich vor 13 Jahren in einem chinesischen Restaurant - eine gemeinsame Freundin hatte das Blinddate arrangiert. Schon als die Kindergärtnerin den Mann zum ersten Mal sieht, weiß sie, dass er der Richtige ist. Die beiden heiraten, ziehen in eine Doppelhaushälfte und kaufen sich einen Australian Shepherd namens Cody. Alles ist perfekt.

Spendenkonto

Wer Beate und Stefan Probst mit einer Spende unterstützen möchte, kann diese an ein speziell dafür eingerichtetes Spendenkonto bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach überweisen. Die Kontonummer lautet: 101695351, die IBAN DE84 7715 0000 0101 6953 51.

Im Januar 2018 ertastet Beate Probst eine Wucherung auf ihrer Haut. Sie geht zum Arzt. Die Diagnose: Ein bösartiges Karzinom. Im März wird die Kindergärtnerin in der Coburger Frauenklinik zum ersten Mal operiert. Im August stellt sich dann heraus, dass noch mehr Gewebe entfernt werden muss. Das Karzinom ist nicht verschwunden, die Operation ist für Oktober geplant. Mitte Oktober darf sie nach einigen Tagen das Krankenhaus verlassen. Das Paar atmet auf und will voller Hoffnung die nächsten Wochen gemeinsam genießen. Den gemeinsamen Wanderurlaub im Berchtesgadener Land für das Jahr 2018 haben sie schon gebucht.

 

An einem sonnigen Oktobertag ist das Paar gerade mit seinem Hund an der Kieswäsch unterwegs, als sich Stefan Probst entschließt, mit seinem Motorrad tanken zu fahren. "Du hast dein Motorrad doch schon für den Winter eingepackt", sagt seine Frau noch zu ihm. Doch sein Entschluss steht fest. Er fährt mit dem Motorrad in Richtung Melkendorf, nach dem Tanken sollte es in die Fränkische Schweiz gehen. Er kommt am Garten vorbei, hupt seiner Frau noch zu. Wegen einer Straßensperrung nimmt er nicht seine übliche Strecke. Als ein Auto vor ihm plötzlich bremst, bremst er ebenfalls ab. "Mit einem Mal hat es das Vorderrad weggezogen, und er ist geflogen", sagt die 48-Jährige. Stefan Probst prallt gegen einen Baum und ein Schild am Straßenrand. Durch die Wucht des Aufpralls brechen drei Wirbel. Er verliert viel Blut, seine Lunge kollabiert.

Beate Probst spielt gerade mit Cody im Garten, als das Telefon klingelt. Unbekannte Rufnummer, die 48-Jährige stutzt. Zuerst versteht sie nicht, wer am anderen Ende ist. Bis sie ein leises Flüstern hört. "Hase, Hase, ich hatte einen Unfall", sagt ihr Mann mit letzter Kraft. Dann wurde es still. Als die 48-Jährige am Unfallort ankommt, versorgen Rettungssanitäter gerade ihren Mann. "Schatz, ich spüre meine Beine nicht mehr", sagt Stefan Probst zu seiner Frau. Sie schüttelt den Kopf. "Die sind bestimmt nur eingeschlafen, alles wird gut", sagt sie - mehr zu sich als zu ihm. "Nein, das fühlt sich anders an", sagt er. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass sein Rückenmark an einer Stelle durchtrennt ist.

Die Kindergärtnerin ist wie betäubt. In den ersten Wochen nach dem Unfall ist sie damit beschäftigt, mit den Versicherungen und Behörden zu sprechen und Gelder zu beantragen. "Man funktioniert einfach", sagt sie. Seit Oktober hat Beate Probst kaum eine Nacht durchgeschlafen - immer wieder schreckt sie aus ihren Träumen hoch. Dennoch ist es ihr ein Bedürfnis, jeden Tag zu ihrem Mann ins Krankenhaus nach Bayreuth zu fahren. "Wenn ich bei meinem Mann am Bett sitze, kann ich endlich wieder etwas zu mir kommen", sagt sie. Denn das einzige, was zurzeit für sie zählt, sind die gemeinsamen Stunden, die sie jetzt mit ihrem Mann verbringen kann. Sie unterhalten sich viel, sprechen auch über Dinge, über die sie vor dem Unfall nicht gesprochen hätten. "Unsere Bindung ist viel stärker geworden", sagt Beate Probst. Sie bewegt seine Beine und cremt ihn ein.

Abends sitzt die Kindergärtnerin alleine auf dem Sofa. Das Haus fühlt sich leer an. Die größten Sorgen machen ihr die Finanzen. Sowohl sie als auch ihr Partner können derzeit nicht arbeiten. Die Versicherung zahlt erst in einem Jahr. Doch schon vorher müssen die beiden das Haus behindertengerecht umbauen lassen. Ohne Treppen- und Badlift, Handläufe und spezielle Rampen kann sich Stefan Probst in dem Haus nicht fortbewegen.

Für andere zu sorgen, liegt Beate Probst im Blut. Nach der Schule entschied sich Probst für eine Ausbildung zur Kindergärtnerin in Berchtesgaden. Vor 29 Jahren bekam sie die Stelle im Paul-Gerhard-Kindergarten in Kulmbach. Seither begeistert sie jeden Tag eines von neuem: "Das Lachen der Kinder und wie ihre Augen strahlen, wenn sie sich über etwas freuen." Doch seit einigen Monaten kann sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten.

Stefan Probst entschuldigt sich immer wieder bei seiner Frau für den Unfall. Doch davon will die 48-Jährige nichts hören. "Sicher, unser Leben ist jetzt anders als vorher - aber dafür kann er ja nichts", sagt sie. Vieles muss Stefan Probst neu lernen: Wie er sich im Rollstuhl fortbewegt, wie er nach Dingen greifen kann und auch, wie er sich regelmäßig im Bett dreht, um keine offenen Wunden zu bekommen. Stück für Stück erlernt er wieder die früher so selbstverständliche Selbstständigkeit.

Das erste Mal nach Hause darf Stefan Probst an Weihnachten. Der Bruder der 48-Jährigen baut extra eine Rampe, damit der Rollstuhlfahrer in das gemeinsame Haus kommt. Eigentlich steht Beate Probst nicht der Sinn nach Weihnachten. Das sonst so festlich dekorierte Haus bleibt trist und leer. Doch der anstehende Besuch verleiht ihr Auftrieb. Sie kauft einen Weihnachtsbaum und schmückt ihn mit Lichterketten und Christbaumkugeln. Allein das freudige Strahlen in den Augen ihres Mannes war ihr die Mühe wert. Auch wenn ihr Mann auf dem Sofa schlafen muss, ist der Besuch aus Sicht der 48-Jährigen das beste Geschenk. "Ich habe die Hoffnung, dass seine Lebensfreude wieder zurückkommt, wenn er merkt, wie mobil er ist", sagt die 48-Jährige.

Für Beate Probst ist allerdings klar: "Einfach wird es nicht werden." Seit ihrer Krankheit und dem Unfall leben die beiden von Krankengeld, die letzten Ersparnisse des Paares sind aufgebraucht. Allein für den Lift vom Erdgeschoss in das obere Stockwerk müssen die beiden 18 000 Euro zahlen. Für jedes weitere Stockwerk müssten sie zusätzlich noch 10 000 Euro zahlen. Doch damit nicht genug. In wenigen Monaten brauchen die beiden ein behindertengerecht ausgestattetes Auto. Denn Probst ist fest entschlossen, wieder in dem Bayreuther Büro zu arbeiten, in dem er bis zu seinem Unfall tätig war. Doch auch der Umbau des Fahrzeugs wird teuer. Aber Stefan Probst möchte keine Almosen. Seine Frau hingegen sagt: "Wir brauchen Hilfe, sonst schaffen wir es einfach nicht."

 

Autor

Christina Holzinger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 01. 2019
17:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Behindertengerechtheit Betten Ehepartner Erzieherinnen und Erzieher Hasen Krebs (Tumor-Krankheiten) Lebensfreude Motorrad Männer Schicksalsschläge
Mainleus
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Höhepunkt der Schau in Mainleus war ein Ford Mustang Convertible "GT." Unser Bild zeigt das Fahrzeug mit Sebastian Türk (rechts) von "Mainleus Moto" und Stefan Walter von "Ford Contact Meetings." Foto: Rainer Unger

21.01.2018

Mustangs wecken Träume

Einmal mehr landet "Mainleus Moto" einen vollen Erfolg: 600 Besucher bewundern Ford-Fahrzeuge in den alten Hallen der Mainleuser Spinnerei. » mehr

An der Mainleuser Grund- und Mittelschule führt das neue "9 plus 2" zur mittleren Reife. Klassenlehrer Bernd Fritsch bietet die Möglichkeit im neuen Schuljahr an. Die Neuntklässler (von links) Carolin Tydal, Luk Heilsberg und Marlon Will können sich eine Teilnahme vorstellen. Foto: Stefan Linß

vor 5 Stunden

Mehr Zeit für die Spätzünder

Das Projekt "9 plus 2" an der Mittelschule Mainleus wird eine Premiere im Landkreis. Die Teilnehmer erreichen nach ihrem Quali in zwei Jahren die Mittlere Reife. » mehr

Vorjahrespreisträger Werner Hofmann schenkte Doris Motschmann (links) und Silvia Otto von den "Sumbarcher Waschweibern" ein selbstgemaltes Bild.

14.01.2019

Humor, der sich gewaschen hat

Die "Sumbarcher Waschweiber" erhalten für ihre bissigen Pointen den Goldenen Schuh des Mainleuser Carneval Clubs. Die Prunksitzung in Weismain begeisterte die Zuschauer. » mehr

Das Ehrenwappen des Marktes Mainleus überreichte Bürgermeister Robert Bosch (rechts) an (von links) Regisseur Peter Wagner und Vorsitzenden Michael Schmidt von der Theatergruppe "die Brandstifter".	Fotos: Gabriele Fölsche

03.01.2019

Ein Neujahrsempfang mit viel Humor

Herbert Laschinsky und der Theatergruppe "Die Brandstifter" wird eine hohe Ehre zuteil. Bürgermeister Robert Bosch verleiht die Gemeindemedaille und das Ehrenwappen. » mehr

Die "Sumbarcher Waschweiber" Frieda (Doris Motschmann/rechts) und Hulda (Silvia Otto) ratschen und tratschen wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Der MCC verleiht ihnen dafür bei seiner Prunksitzung am 12. Januar in Weismain den Sonderorden "Der Goldene Schuh". Foto: Stephan Stöckel

02.01.2019

Sumbarcher waschen schmutzige Wäsche

Am 12. Januar geht es in der Weismainer Stadthalle hoch her, wenn die Mainleuser Karnevalisten zur Prunksitzung laden. Dabei treten sogar Fernsehstars auf. » mehr

Neu konstituiert hat sich der Kreisvorstand der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis Kulmbach. Unser Bild zeigt das Team mit Kreisvorsitzender Inge Aures. Foto: Privat

06.12.2018

Inge Aures bleibt an der Spitze der AWO

Der Vorstand der Kulmbacher Arbeiterwohlfahrt hat sich neu konstituiert. Die wiedergewählte Kreisvorsitzende berichtet von zahlreichen Bauprojekten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Verkehrsunfall in Konradsreuth Konradsreuth

Unfall in Konradsreuth | 15.01.2019 Konradsreuth
» 5 Bilder ansehen

90er-Party in Schwingen Schwingen

90er-Party in Schwingen | 12.01.2019 Schwingen
» 66 Bilder ansehen

U17-Kreismeisterschaft |
» 137 Bilder ansehen

Autor

Christina Holzinger

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 01. 2019
17:58 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".