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Kulmbach

Eine Chance zurück für Zaki?

Mohammed Zaki Sharifi lebte und lernte vier Jahre lang in Kulmbach. Nach seiner Abschiebung nach Afghanistan versucht er nun, mit einem Ausbildungsvisum nach Oberfranken zurückzukommen.



Katrin Fischer-Sandhop (Mitte) und Ilka Greim (rechts) vom Helferkreis haben in München die Petition an die Vorsitzende des Petitionsausschusses, Stephanie Schuhknecht, übergeben.	Fotos: privat
Katrin Fischer-Sandhop (Mitte) und Ilka Greim (rechts) vom Helferkreis haben in München die Petition an die Vorsitzende des Petitionsausschusses, Stephanie Schuhknecht, übergeben. Fotos: privat   » zu den Bildern

Kulmbach - Als Fünfzehnjähriger ist Mohammed Zaki Sharifi, genannt Zaki, 2015 aus dem Iran nach Deutschland geflohen, hat sich hier eingelebt und viele Freunde gefunden. Im Sommer 2019 abgeschoben, hat er die letzten Monate viel durchgemacht. Mit Unterstützung des Kulmbacher Helferkreises (wir berichteten) versucht der 21-Jährige nun wieder nach Deutschland zurückzukommen. Hier hat Zaki einen erfolgreichen Schulabschluss absolviert und eine Ausbildungsstelle als Anlagenmechaniker, die auf ihn wartet. Katrin Fischer-Sandhop vom Helferkreis unterrichtete den jungen Afghanen und steht mit ihm mittels Handy in Kontakt. Sie weiß: "Er lebt aktuell unter schlechten Bedingungen in Kabul. Obwohl dort Schnee liegt, gibt es keine Heizungen, deshalb ist er oft krank."

Der Helferkreis

Der Helferkreis für Zaki besteht aus seinen ehemaligen Betreuern der Arbeiterwohlfahrt und einigen seiner Lehrer aus der Berufsschule. Im Dezember 2019 fand eine Kunstinstallation im Einkaufszentrum "Fritz" statt, um auf die Situation des abgeschobenen Afghanen aufmerksam zu machen. Kunstlehrer Andreas Schobert und Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums schafften eine beklemmende Atmosphäre, die das Leben von Zaki nachfühlbar machten.

 

Nach Kabul, in die Hauptstadt Afghanistans, ist der gebürtige Afghane im Juli vorigen Jahres abgeschoben worden. Doch das ganze Land ist von Krieg und Unruhen erschüttert und Zaki befindet sich immer wieder in gefährlichen Situationen. "Da er lange im Iran und dann einige Jahre in Deutschland gelebt hat, ist er in Afghanistan nicht akzeptiert und kann dort auch keine Arbeit finden", erzählt Fischer-Sandhop.

 

Umso erfreulicher war dann die Nachricht, dass Zaki durch wiederholte Anträge ein Visum nach Indien bekommen konnte, ein Land, über das die Rückkehr nach Deutschland gelingen kann. "Denn in Afghanistan gibt es keine Anlaufstellen, die Zaki helfen könnten", erklärt Katrin Fischer-Sandhop. In Südindien lebte und arbeitete Zaki einige Wochen an einem gemeinnützigen Umweltprojekt, dem "Sadhana Forest" mit, bevor er nach Delhi in die deutsche Botschaft reisen konnte, um dort seine Unterlagen einzureichen.

"Emmi Zeulner, die Kulmbacher Bundestagsabgeordnete der CSU, half, damit Zaki dort rasch einen Termin bekam. Die Wartezeit hätte sonst gut sechs Monate betragen können." In der Botschaft versuchte er, ein Ausbildungsvisum für Deutschland zu erhalten. Jedoch war seine Taskira, also seine afghanischen Unterlagen unvollständig, deshalb musste er wieder zurück nach Kabul fliegen, um sie neu ausstellen zu lassen. "Darüber ist er sehr betroffen, auch wenn er versucht, den Mut nicht zu verlieren. Denn Zaki wollte nie wieder nach Afghanistan zurück", weiß Fischer-Sandhop.

Tausende Menschen haben in den vergangenen Monaten Anteil an dem Schicksal des jungen Afghanen gezeigt, genaugenommen 28 807. Diese große Anzahl an Unterschriften hat die Petition des Helferkreises bekommen, die die Rückkehr von Zaki nach Deuschland fordert.

"Mit der Petition haben wir uns an den Petitionsausschuss in München gewandt und sie dort übergeben", so Fischer-Sandhop. Denn eine große Herausforderung gibt es vor der Wiederkehr nach Deutschland für Mohammed Zaki Sharifi noch zu leisten: Für die hohen Abschiebekosten soll der junge Mann nachträglich selbst aufkommen. Deshalb heißt es abschließend in der Petition: "Wir bitten den bayerischen Landtag als Dienstherr der Zentralen Ausländerbehörden in Bayern, die Aufhebung der Einreisesperre von Mohammad Zaki zu bewirken und Einfluss zu nehmen, dass die Erstattung der Abschiebekosten nicht zur Bedingung seiner Wiedereinreise gemacht wird."

Wer möchte, kann die Petition für Zaki immer noch unterschreiben. Sie ist im Internet unter der Adresse chng.it zu finden. Nächstes Ziel des Helferkreises sind 35 000 Unterschriften.

Autor

Meike Schuster
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Veröffentlicht am:
01. 03. 2020
16:30 Uhr

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Autor

Meike Schuster

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Veröffentlicht am:
01. 03. 2020
16:30 Uhr



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