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Kulmbach

Eine musikalische Reise ins Glück

Beim "Zauber der Weihnacht" erleben 700 Zuhörer bewegende Momente in der Dr.-Stammberger-Halle. Die Stars der volkstümlichen Musik laufen zu Hochform auf.



Sterne am Volksmusikhimmel: Die Ladiner Joakin und Otto begeisterten die Zuhörer in der Dr.-Stammberger-Halle.	Fotos: Horst Wunner
Sterne am Volksmusikhimmel: Die Ladiner Joakin und Otto begeisterten die Zuhörer in der Dr.-Stammberger-Halle. Fotos: Horst Wunner   » zu den Bildern

Kulmbach - Man hatte förmlich die Gipfel der Dolomiten vor Augen, spürte etwas von der ursprünglichen Tradition des Singens, die noch im Schlager enthalten ist. Und man fühlte sich irgendwie heimisch unter den knapp 700 Besuchern am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Dr.-Stammberger-Halle, die sich den musikalischen "Zauber der Weihnacht" nicht entgehen lassen wollten. Und die Zuhörer erlebten drei Stunden Zeitreise in die Vergangenheit - verbunden mit ein bisschen Moderne - in die Höhen der Grand Prix-Volksmusik, die Championsleague dieses Genres.

Es war auch eine Reise ins stille, kleine Glück, das schwer fest zu halten ist, ins Tröstliche der Liebe und des Verstehens. Aber auch ins Mutmachende mit viel Optimismus. Auf diesen Pfaden wandelten unverfälschte, echte Typen wie die Ladiner und die Geschwister Niederbacher voran - ohne Starallüren und volksnah. Schließlich kommen sie ja aus einer Gegend, wo man der Natur besonders nah ist, und ein noch inniges Verhältnis zu seinen Wurzeln hat. Und das zog sich wie ein roter Faden durch den Abend, die Herzen der Zuhörer hatten die Akteure wie im Fluge gewonnen. Es waren einfache Lieder, die oft das Innerste berühren. Da wurde von "Weihnacht in den Bergen" gesungen, von "So still ist die Zeit" und es wurde "Die alte Madonna" verherrlicht. Da wurden Jugenderinnerungen beschworen, es wurde sich "vor grauen Haaren gebeugt" und der Mama ein musikalisches Denkmal gesetzt. Oder man zelebrierte die "Zehn Gebote der Heimat" wie ein Gebet.

Es gab Riesenbeifall für die Ladiner, die zwei authentischen Männer aus dem Grödnertal mit den rätoromanischen Sprachgefühl. Joakin Stuffer und Otto Demetz, zwei Sympathieträger der Dolomiten, sangen und spielten wie zu ihren Glanzzeiten das "Ave Maria der Weihnacht". "Nabucco" auf Ladinisch bewegte ungewöhnlich, den Joakins Stimme hat immer noch Substanz. Als er mit seiner Tochter Nicol, dem aufgehenden Stern am volkstümlichen Schlagerhimmel, das "Zum letzten Mal an Deiner Hand" intonierte, war das ein gelebtes Vater-Kind-Glück. Und als sich beide fest an den Händen hielten, kam zum gesanglichen Genuss auch eine Menge Rührung, die auch das Publikum erfasste. Und später bewiesen die Bergler Joakin und Otto Umweltverständnis, weil auch in der Marmolada die Gletscher schmelzen: "Die Erde hat Fieber, ist krank", drückten sie das Fiasko aus und riefen zur Umkehr. Die 22-jährige Nicol vereint Bergkind und Diva in sich, macht im Dirndl und Abendrobe eine gleichermaßen gute Figur. Und ihre Stimme reicht vom Volksliedhaften bis zum Timbre einer Hildegard Knef.

Liebenswert, herzlich und stimmlich auf hohem Niveau die Geschwister Niederbacher aus dem Pustertal: Andrea, Christina, Angelika und Manfred sind echte Botschafter einer Gegend, die viele Kulmbacher aus eigenem Erleben kennen. Diese musikalische Familie setzte Maßstäbe vom zarten modulierten Duett bis zum überschäumenden Quartett-Chorus. "Wir sind Tiroler" hallte es durch den Saal, "Tirol, mein Heimatland" klang wie ein Epos - Jodeln inklusive.

Alle im Saal sangen mit, erst in weihnachtlicher Andacht, dann mit purer Lebensfreude. Die nochmals einem besonderen Zauber wich: Die Geschwister, eng beieinander, intonierten gemeinsam ganz innig und behutsam "Das Kreuz der Berge". Es war bewegend wie ein Gebet. Weil a cappella nur der reine Ton zart verschwebte, Beschallung und Technik völlig außen vor blieben, was das wahre Können des Quartetts offenbarte. Man hätte da gerne noch länger zugehört. Eine echte Bereicherung des Programms war Pamela Rachel, eine immens begabte und sehr virtuose Geigerin. Die junge Dame präsentierte Violinkunst par excellence, der Czardas von Vittorio Monti gerierte zum temporeichen Ritt durch alle Oktaven. Sie war das klassische Element des Abends.

Obwohl schon drei Stunden vergangen waren, wurden die Interpreten nicht müde, kamen zum Finale auf die Bühne und heizten die Stimmung noch einmal an. Heftiger Beifall war der verdiente Lohn. Kulmbach hatte seinen gelungenen volkstümlichen Jahresabschluss und Rainer Ludwig, wie immer charmanter und wortgewandter Moderator, versprach für 2019 wieder "Zauber der Weihnacht". Zu der bestimmt auch der Grafengehaiger Bürgermeister Werner Burger samt Ehefrau Sabine kommen wird. Denn nach seiner Premiere heuer war er ganz angetan. "Live ist doch anders als im Fernsehen." Ihm habe es gefallen.

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Horst Wunner
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Veröffentlicht am:
27. 12. 2018
17:34 Uhr

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Horst Wunner

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27. 12. 2018
17:34 Uhr



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