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Kulmbach

Einer mit dem Herz am rechten Fleck

Am Montag ist für Horst Nölkel der letzte Arbeitstag. Fünf Jahre lang war der 60-Jährige Chef der Stadtsteinacher Polizei.



Eine "Torte" aus lauter Schokoriegeln hat Horst Nölkel von seinen Kolleginnen und Kollegen der PI Stadtsteinach zum Abschied bekommen. Sie soll dem Chef, der gern mal in den Korb mit den Süßigkeiten gegriffen hat, zumindest in dieser Hinsicht den Abschied leichter machen. Foto: Melitta Burger
Eine "Torte" aus lauter Schokoriegeln hat Horst Nölkel von seinen Kolleginnen und Kollegen der PI Stadtsteinach zum Abschied bekommen. Sie soll dem Chef, der gern mal in den Korb mit den Süßigkeiten gegriffen hat, zumindest in dieser Hinsicht den Abschied leichter machen. Foto: Melitta Burger  

Stadtsteinach - Er ist kein Mann der großen Worte. Er ist einer, der nicht besonders auf sich aufmerksam machen muss, um bemerkt zu bemerkt. Was er sagt, hat Hand und Fuß und was er tut, tut er mit ganzem Herzen. Horst Nölkel hat sich in den fünf Jahren seiner Dienstzeit als Chef der Polizeiinspektion Stadtsteinach viel Ansehen erworben. Bei seinen Kolleginnen und Kollegen ebenso wie in der Bevölkerung. Am Montag wird Horst Nölkel zum letzten Mal hinter seinem Schreibtisch im ehemaligen Stadtsteinacher Landratsamt sitzen. Die Hauptaufgabe an diesem Tag: Die Dienstübergabe an seinen Nachfolger Georg Löffler. Dann beginnt für Horst Nölkel der Ruhestand, in dem es ihm sicher nicht langweilig werden wird. Er ist ein Familienmensch, er hat genügend Hobbys, um die er sich jetzt mit Hingabe kümmern kann. Polizist, sagt der 60-Jährige mit 40-jähriger Dienstzeit, war er stets mit Leidenschaft. Seine Berufsentscheidung hat er nie bereut. Und auch wenn ihn sein täglicher Weg nun nicht mehr in seine Dienststelle führt, wird Nölkel immer Polizist bleiben und der Polizei, wenn auch auf andere Weise, verbunden bleiben. Zum Beispiel in der Christlichen Polizeivereinigung, bei der er seit langer Zeit aktiv ist.

"Vollkommen richtig", sagt Nölkel, sei seine Berufsentscheidung gewesen. Polizist zu sein, sei etwas Besonderes: Abwechslungsreich sei sein Beruf. Man wisse nie, was einen an diesem Tag erwartet. Man braucht ein großes Portfolio an Fähigkeiten und Möglichkeiten, um den so unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Man braucht auch Geduld und Anpassungsfähigkeit. Zum Beispiel dafür, mit immer neuen Vorschriften umzugehen. Zu viele Änderungen, sagt Nölkel, seien nicht gut. "Man braucht eine gewisse Konstanz." Und vieles, was Polizisten an neuen Vorgaben übergestülpt wird, könne man sicher auch einfacher gestalten, sagt der erfahrene Beamte. "Wir sind die Exekutive und müssen es umsetzen. Aber in diesen Zeiten stürmt sehr viel auf uns ein."

Natürlich hat Horst Nölkel auch den Wandel miterlebt, der heute Polizisten oft Aggressionen aussetzt. Trotzdem, darauf legt der 60-Jährige großen Wert, sei das Ansehen der Polizei in der Bevölkerung noch immer sehr hoch. "Man muss heute mehr darstellen und erklären, was man macht. Das ist sicher auch ganz gut." Die Zeiten haben sich verändert, sagt der scheidende Polizeichef. Die digitale Welt macht es möglich, dass "viel Schrott durch den Äther geschickt wird, der nicht verifizierbar ist. Polizisten stehen oft mittendrin im Geschehen. Sie erleben Freude, Leid, Wut und Ärger hautnah und ungefiltert. "Man wird auch schon mal selbst angezeigt." Persönlich berühren lässt sich Horst Nölkel davon nicht. "Das muss dann halt abgearbeitet werden, sagt er pragmatisch. Und auch Beschimpfungen war er schon ausgesetzt. "Man muss sich dann immer bewusst machen, dass es nicht wirklich die eigene Person betrifft. Wenn wir kommen, sind die Leute nicht immer gut drauf. Wenn man als Polizist einschreitet, kriegt man manchmal Sachen zu hören."

So sachlich Horst Nölkel mit diesen Dingen umgeht, so viel Herz bringt er in anderen Bereichen ein. Es gibt Ereignisse, die ein Polizist auch nach vielen Jahren nicht vergisst. Horst Nölkel spricht von einem Verkehrsunfall zwischen zwei Motorradfahrern. Ein Biker hatte ein Auto überholt und war gegen einen entgegenkommenden Motorradfahrer geprallt. Der war noch an der Unfallstelle gestorben. Als Horst Nölkel einen Blick auf den Ausweis warf, musste er feststellen, dass es sich um einen ehemaligen Kollegen gehandelt hatte, mit dem er zusammen in der Polizeiausbildung gewesen war. Der Kollege hatte vor vielen Jahren die Ausbildung abgebrochen und ein Medizinstudium gemacht. Der Beruf des Polizisten sei ihm zu gefährlich, hatte der Freund aus alten Tagen damals erzählt. Wenn ein Mensch ums Leben kommt, sei das auch für die Polizisten, die an dem Fall arbeiten, bewegend. "Aber wenn man jemanden kennt, ist das gleich nochmal eine ganz andere Geschichte."

Und auch den schreckliche Unfall, bei dem nahe dem Rewe-Markt in Stadtsteinach eine Seniorin von einem Auto erfasst und getötet worden war, ist dem Beamten noch ganz klar im Gedächtnis. Schreckliche Bilder, die letztlich dazu führten, dass es an dieser Stelle jetzt eine Fußgängerampel gibt.

"Schreckliche Sachen sind das. Aber in unserem Beruf kommt man nicht drum rum." Im vergangenen Jahr hatte es im Bereich der PI Stadtsteinach fünf tödliche Unfälle mit sechs Toten gegeben. "Aber wir hatten auch schon Jahre, in denen es keinen Unfalltoten gab." In diesem Jahr ist bislang noch kein Opfer zu beklagen. "Man steckt nicht drin. Es sind schon Leute aus Autos gestiegen, wo man dachte, da kommt keiner lebendig raus. Und umgekehrt hätte man denken können, das ist nicht so tragisch und trotzdem hat jemand sein Leben verloren."

Wie geht man mit so berührenden Dingen um, wenn man sich ihnen beruflich stellen muss? "Ich bin in der glücklichen Situation, dass mir mein Glaube Halt gibt." Bei Gott gebe er ab, was ihn belastet und worüber er schon aus dienstlichen Gründen mit anderen Menschen nicht reden kann. Horst Nölkel spricht auch ganz offen an, dass er in besonders heiklen Situationen betet. Manches Gebet habe auch geholfen. Etwa in dem Fall einer Vermisstensuche, wo eine Streife ganz zufällig einen hilflosen Mann in einem Maisfeld entdeckte. "Schön, wenn man jemanden hat, der auf einen aufpasst."

Immer wieder gebe es Dinge, die ihm unter die Haut gehen. "Da kann man nicht einfach sagen, man sperrt die Tür zu, und dann ist es gut. Da braucht man eine gewisse Zeit, bis man das verarbeitet hat."

Richtig gern erinnert sich Horst Nölkel an die Betreuung der BR-Radltour in seinem Dienstbereich. "Das sind schöne Einsätze, richtig angenehm."

Jetzt blickt Horst Nölkel nach vorne. Für seinen Ruhestand hat er sich viel vorgenommen. Auch Zeit für Hobbys will er sich nehmen: Im Winter Skifahren, Fotografie und Musik stehen auf der Liste. Horst Nölkel spielt Trompete und gehört unter anderem den Polizei-Bläsern an, die bei seiner Verabschiedung gespielt haben. "War nicht schlecht, dass ich da mal zuhören konnte." Auch in der Kirchenmusik in seiner Heimatgemeinde ist er engagiert. Dass er plötzlich nichts mehr zu tun haben könnte, schließt er aus.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
27. 09. 2019
17:40 Uhr

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Melitta Burger

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Veröffentlicht am:
27. 09. 2019
17:40 Uhr



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