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Kulmbach

Eintauchen in die Unterwelt

Kulmbachs Unterwelt ist mystisch und dunkel, kalt und feucht. Die Keller haben eine wechselvolle Geschichte. Regelmäßig führt Erich Olbrich Interessenten in die Tiefe.



Mit Taschenlampen waren die "Kellerforscher" unterwegs.
Mit Taschenlampen waren die "Kellerforscher" unterwegs.  

Kulmbach - Steinabbau, Lagerkeller, Luftschutzbunker und Unterschlupf für Fledermäuse. Es gibt wirklich viel zu sehen. Die Begehung der Keller ist interessant und spannend. Erich Olbrich führt regelmäßig Gruppen durch die Unterwelt von Kulmbach und weiß viel zu erzählen von der Geschichte der mehr oder weniger langen Stollen. "Es gibt im Stadtgebiet 83 Keller, von denen man weiß. Aber auch viele unbekannte", sagt der 60-Jährige. Und er erklärt, das habe man gemerkt, als die Basteigasse gebaut wurde und die Straße nach unten weggerutscht ist. Insgesamt zehn Keller sind begehbar. Sie sind im Besitz der Stadt oder gehören Privatleuten, die dankenswerterweise ihren Stollen für die Bevölkerung öffnen.

Begonnen hatte alles wohl im 14. Jahrhundert, als im Burgberg nach Mineralien gegraben wurde. "Später wurde der Sandstein zum Hausbau gewonnen, sowie Sand zum Reinigen der Fußböden", sagt Erich Olbrich. Die Besitzer nutzten die Keller zum Lagern von Lebensmitteln und Getränken, selbst Bassins wurden zum Wässern von Fisch angelegt. Damals gab es in Kulmbach drei Brauhäuser, in denen jeder Bürger sein eigenes Bier brauen konnte. 1840 entdeckten die Brauereien, es waren über 70 an der Zahl in Kulmbach, die Vorteile der Keller, die Sommer wie Winter eine Temperatur zwischen sieben und neun Grad haben. "Gebraut wurde von Oktober bis März, denn das untergärige Bier vertrug nur bis zehn Grad Wärme. Es waren die Frauen, die mit schweren Butten die Würze von den Braustätten in die Keller trugen und sich über Eis und durch Schnee kämpfen mussten", weiß Erich Olbrich.

Der Stollen am Röthleinsberg ist mehrere hundert Meter lang. Rechts und links sind Podeste in den Fels geschlagen. Dort lagerten die Fässer. "Die Keller waren in Gär-, Lager- und Eiskeller aufgeteilt. "Das Eis gewann man aus Bächen, aus denen es geschlagen wurde", informiert der 60-Jährige. Andere wiederum stellten ein Holzgerüst ins Wasser, bis sich große Eiszapfen bildeten, die geerntet wurden", sagt Erich Olbrich und findet diese Idee genial.

Im Keller Arnetsgässchen haben die Besucher eine mehrere Meter lange und steile Rampe zu erklimmen. "Hier wurden die Fässer mit einem Windenbock von Hand heraufgezogen und rechts und links auf die Podeste gestellt, damit sie trocken standen", weiß der Fachmann. Und auch, dass mit dem Bau der Eisenbahn Bier im großen Stil exportiert wurde: "Somit waren große Lagerstätten vonnöten."

Immer wieder sieht man Abzugslöcher in den Decken: "Sie dienten der Zirkulation der Luft, denn in den Stollen entstand gefährliches Kohlendioxid." Und es ist noch gar nicht so lange her, da wurde ein weiterer Lüftungsschacht entdeckt. "Beim Dachdecken bemerkten die Hausbesitzer einen Schlot ohne Türchen. Ratlos beauftragte der Eigentümer eine Fachfirma, die feststellte, dass der Anfang des Schlotes im Keller unter dem Haus liegt und dieser damals scheinbar durch das Haus gebaut wurde."

Bei der Begehung der Keller am Röthleinsberg, dem Arnetsgässchen und neben der Petrikirche, stoßen die Besucher auch auf Skurriles. Nämlich auf unzählige alte Weinflaschen: "Hier hatte Feinkosthändler Wunder Essig, Öl oder Wein gelagert, die bei Bedarf in diese Flaschen abgefüllt wurden. Es war das Verpackungsmaterial", weiß Erich Olbrich. Aber auch alte Pflastersteine aus Kalkstein - das erste Kulmbacher Pflaster - ist gelagert. Für manch einen etwas schaurig ist die Begegnung mit der Höhlenspinne, die in manchen Kellern lebt. "Ich weise darauf hin, dass dies eine seltene Art ist, damit den Tieren nichts passiert", sagt Olbrich. Nach 1883 mit der Erfindung der Kühlaggregate durch Carl von Linde, endete das Kellerbrauen und die neue Technik hielt auch in der Bierstadt Kulmbach Einzug.

Dennoch hatten die Stollen schon immer einen unschätzbaren Wert für die Bevölkerung, die während der Kriegsjahre darin Schutz fand. Und auch Oberstleutnant Kurt Myross, seines Zeichens Festungskommandant der Stadt, hatte seinen Kommandostand in dem großen Keller bei der Gaststätte Tasso in der Oberen Stadt. Olbrich schmunzelt, wenn er erzählt, dass es die Frauen waren, die dafür sorgten, dass Kulmbach am 13. April 1945 nicht zerstört wurde. Denn die Amerikaner standen vor der Tür und die Panzerhaubitzen waren bereits auf dem Gelände des Flugplatzes auf die Stadt gerichtet. Die findigen Frauen tranken kräftig mit dem Oberstleutnant. Als der schließlich betrunken war, öffneten die Frauen die Panzersperren und hängten weiße Tücher auf die Straße. "An diesem Tag stand am Bahnhof ein Zug, der Fliegerbomben geladen hatte. Wäre dieser getroffen worden, wäre wohl von Kulmbach nicht viel übrig geblieben", erzählt Olbrich.

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Gabriele Fölsche
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Veröffentlicht am:
01. 09. 2019
20:38 Uhr

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Gabriele Fölsche

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Veröffentlicht am:
01. 09. 2019
20:38 Uhr



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