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Kulmbach

Einzelhandel sucht nach neuen Wegen

Die Händler in der Kulmbacher Innenstadt klagen immer wieder über rückläufige Geschäfte. Doch einer Einladung der IHK folgen nur knapp 40 von 650 Geschäftsleuten.



Tausende Menschen haben das Foodtruck-Festival Anfang Juni besucht, das die Stadt auf Anregung der Händler extra vom Schwedensteg auf den EKU-Platz geholt hatte. Doch die angekündigte Samstags-Aktion des Handels fand dann doch nicht statt. Die Läden in der Innenstadt blieben am Nachmittag zu. Foto: Archiv
Tausende Menschen haben das Foodtruck-Festival Anfang Juni besucht, das die Stadt auf Anregung der Händler extra vom Schwedensteg auf den EKU-Platz geholt hatte. Doch die angekündigte Samstags-Aktion des Handels fand dann doch nicht statt. Die Läden in der Innenstadt blieben am Nachmittag zu. Foto: Archiv  

Kulmbach - Die Vertreter des Kulmbacher IHK-Gremiums mit Michael Möschel an der Spitze, aber auch der Vorstand der Händlervereinigung "Unser Kulmbach" haben aus ihrer Enttäuschung kein Geheimnis gemacht. IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner sprach es offen an. 650 Einladungen an Kulmbacher Geschäftsleute waren für ein Händler-Treffen am Donnerstagabend im Saal der Sparkasse verschickt worden. Ein wichtiges Thema stand an: Die Belebung des Handels in der Innenstadt. Die IHK hatte dafür einen renommierten Referenten nach Kulmbach geholt. Roland Wölfel von der Forchheimer Beratungsfirma CIMA sprach über "Innenstädte im Umbruch - Beispiele und Initiativen als Möglichkeiten und Denkanstöße für einen Kulmbacher Weg". Doch am Ende saßen gerade rund 50 Teilnehmer im Saal, mindestens 15 davon waren "Offizielle". Einen Gedanken, angeregt vom Referenten des Abends, nahmen die Teilnehmer mit: Ein Citymanager, Roland Wölfel nennt ihn "Kümmerer", wäre eine feine Sache für Kulmbach. Oberbürgermeister Henry Schramm war auch spontan mit im Boot. Aber nur, wenn sich die Händler mit der Hälfte an den Kosten beteiligen.

"E-Mail ist kaputt"

Christoph Hofmann, stellvertretender Vorsitzender der Händlervereinigung "Unser Kulmbach", zieht nach der jüngsten Veranstaltung, die helfen sollte, den Einzelhandel in der Innenstadt zu beleben, eine eher ernüchterte Bilanz. Positiv, sagt er, sei sicher der Anstoß mit dem "Kümmerer". "Vielleicht gibt es ja mal jemanden, der das alles in die Hand nimmt." Doch dann rudert Hofmann schnell zurück. Er fragt sich, was der "Kümmerer" tun soll, wenn die Einzelhändler in ihrer Gesamtheit nicht mitmachen. "Mer missert moll..." ist nach Hofmanns Ansicht der passende Satz zum Thema. Alle fordern, keiner macht mit. An Anregungen scheitere es nicht. "Unser Kulmbach" rege viel an. Doch selten gelinge die Umsetzung. Die acht bis zehn Mitglieder, die regelmäßig zum Stammtisch des Vereins kommen, seien immer dabei. Aber das reiche nicht, meint Hofmann. "Das verschwindet doch in der Stadt, wenn der Rest nicht mitzieht." Alle zwei Wochen wenigstens wollte "Unser Kulmbach" samstags die Läden länger offen lassen, dazu Aktionen anbieten, um mehr Kunden anzulocken. Doch das sei bislang gescheitert. "Nicht mal an den Adventssamstagen klappt das." Christoph Hofmann ist frustriert. "Wir machen Rundmails mit Vorschlägen und Konzepten, und es kommt nichts. Nicht mal ein ‚lass mich in Ruhe‘. Manchmal denke ich, mein E-Mail ist kaputt." Man müsse sich mal auf gemeinsame Ziele einigen und die dann auch ein Jahr lang durchhalten. "Die Leute müssen sagen, es lohnt sich wieder, in die Stadt zu gehen. Aber das sagen sie doch nicht, wenn alles zu hat." Kulmbach habe viel Potenzial, ist Hofmann überzeugt. "Aber wir müssen uns halt auch mal was einfallen lassen."

 

Halbe-halbe

Als einen "entscheidenden Schritt auf die Händler zu" bezeichnet der Vorsitzende des Kulmbacher IHK-Gremiums, Michael Möschel, den Vorschlag von Oberbürgermeister Henry Schramm, die Stadt werde sich an der Finanzierung eines Citymanagers beteiligen, wenn auch die Händler ihren Teil dazu beitragen. Möschel rechnet vor: Der "Kümmerer" werde wohl etwa 70 000 Euro pro Jahr kosten. Weit mehr als 100 Einzelhändler gebe es in der Stadt. Wenn alle mitmachen, wären das 30 Euro pro Monat pro Händler, um den Citymanager zu bezahlen. "Das wird man sich leisten können. Aber wenn das nicht Konsens ist, dann wird das auch nichts." Möschel ist für ein Citymanagement. "Es ist sicher gut, etwas Neues zu schaffen. Vielleicht gehen die Leute dann auch mit neuer Energie an das Thema heran."

 

 

Schramm ging das Thema dynamisch an. Viel tue sich gerade in Kulmbach. Die Stadt verändere sich und mache sich fit für die 1000 Studenten, die bald hier leben und lernen sollen. Das mache sich auch bei den Leerständen in der Innenstadt bemerkbar. Vorankommen könne man aber nur gemeinsam. "Keiner ist so gut wie alle", sagte Schramm und machte klar, wie er die Sache sieht: "Nur fordern und selbst nichts machen geht nicht." Die Stadt Kulmbach gebe ihr Bestes, auch für eine Belebung der Innenstadt. Veranstaltungen werden in die Stadt geholt, Führungen angeboten. Die Stadt tue alles, um trotz der immer schwierigeren Bedingungen die verkaufsoffenen Sonntage zu erhalten, weil die Händler sie für nötig erachten. Die Händler müssten sich einig werden, in die Gänge kommen, machte Henry Schramm deutlich. "Wenn die Bereitschaft nicht da ist, hilft auch ein ‚Kümmerer‘ nichts."

 

Für Roland Wölfel, der nicht nur in zahlreichen Städten schon seine Vorträge gehalten hat, sondern auch selbst mit seinem Unternehmen Citymanagement betreibt, ist es nichts Neues, dass die Händler sich nicht einig sind. Er weiß, dass viele an Neues zaghaft herangehen, es zunächst ablehnen. Deshalb sei es auch wichtig, erst einmal im Kleinen anzufangen. Die anderen, meint Wölfel aus Erfahrung, zögen dann irgendwann nach. Deshalb hält er es auch nicht für gut, über einheitliche Öffnungszeiten zu sprechen. Auch da erwartet er Nachahmungseffekte, wenn andere Geschäfte vorangehen und die Nachbarn deren Erfolge sehen. Wölfel warnt davor, nichts zu tun. Längst macht der Online-Handel den Geschäften mächtig Konkurrenz. Wer trotzdem vor Ort Geschäfte machen will, müsse kreativ werden. Wochenmärkte, Themenmärkte oder auch einen permanenten Markt wie in Fürth nennt Wölfel als Beispiel. Das Mobilitätskonzept müsse passen. Nicht umsonst seien Freiburg oder Münster, die sich seit vielen Jahren auf Radfahrer eingerichtet haben, heute mit die attraktivsten Städte in Deutschland.

Wölfel zeigt in seiner Präsentation Noten, die für einzelne Städte vergeben wurden. 2,7 ist der deutsche Durchschnitt. Der Referent macht klar: "Eine Drei reicht nicht!" Er spricht von Teufelskreisen, die durch fehlende Projektentwicklung und sinkenden Investitionen geprägt sind. Ideen gäbe es vielleicht genug. Aber das helfe nur weiter, wenn man sie auch umsetzt. "Man braucht jemanden, der sich kümmert", macht er deutlich. Das gelte auch für Digitalstrategien. Es reiche nicht, nur das Breitbandnetz auszubauen. Eine Stadt mit ihrem Handel und ihrer Gastronomie müsse sich digital darstellen. Aber rund 20 Prozent der Einzelhändler seien im Netz gar nicht vertreten, in der Gastronomie sei das sogar zu 53 Prozent der Fall. "20 Prozent digitaler Leerstand, das darf nicht sein." Die Lösung aus Wölfels Sicht: Citymanagement. Es müsses allen klar sein, dass man eine gemeinsame Stadt darstelle und alle für die selbe Marke stehen. An die Händler gerichtet: "Wenn Sie keinen Kümmerer haben, verkümmert es halt."

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
17:42 Uhr

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12. 07. 2019
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