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Kulmbach

Erinnerung an den 30-jährigen Krieg

Das Anwesen Spitalgasse 12 in Kulmbach hat über dem Portal eine seltene Inschrift: "Geduld überwindet alles".



Die Pforte des Anwesens Spitalgasse 12 ziert ein kleiner Gedenkstein, der zum Nachdenken anregt. Fotos: Erich Olbrich
Die Pforte des Anwesens Spitalgasse 12 ziert ein kleiner Gedenkstein, der zum Nachdenken anregt. Fotos: Erich Olbrich   » zu den Bildern

Kulmbach - Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 hat auch die Kulmbacher in Angst und Schrecken versetzt. Darauf bezieht sich eine Gedenktafel am Anwesen Spitalgasse 12. Sie lautet "Geduld überwindet alles - Anno pacis 1649", also im Jahr des Friedens 1649.

Diese Gedenktafel hat der damalige Besitzer des "Nassauerischen Hauses" anbringen lassen. Im Inneren des Hauses befanden sich die vertäfelten Herbergszimmer, die heute teilweise im Landschaftsmuseum Obermain ausgestellt sind.

Um die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges ein bisschen verstehen zu können, hier ein kleiner Ausschnitt der Stadtgeschichte aus dem Jahr 1634: Am Freitag, 17. Oktober 1634, erschien ein Trommler des kaiserlichen General-Wachtmeisters Lamboy vor der Stadt und forderte Proviant für 12 000 Mann und 6000 Reichstaler Kontribution. Natürlich war die kleine Stadt Kulmbach nicht in der Lage, dem nachzukommen.

Am nächsten Nachmittag sprengte gar eine Reiterabteilung über die Kauernburger Au heran bis an die Steinerne Brücke. Und zu allem Unglück näherte sich noch Fußvolk von Fölschnitz her bis zur Pulvermühle und feuerte auf ahnungslose Kulmbacher Bürger. Wegen Unachtsamkeit der Wachen gelangte das kaiserliche Kriegsvolk ohne Gegenwehr in die Fischergässer Vorstadt und in die Innenstadt hinein. Allerdings gab es in der Stadt auch nur 40 wehrfähige Bürger. Die Pest hatte "vorgearbeitet".

Die Sodateska machte sich sofort ans Plündern und alle Gewölbe, Truhen und Kästen wurden durchwühlt. Sattlermeister Heinrich Hauck, Besitzer des Hauses Spitalgasse 6, wurde für einen evangelischen Pfarrer gehalten und erschossen. Bürgermeister Haßfurter, Langgasse 4, wurde derart misshandelt, dass er an seinen Verletzungen starb.

Und den Hofgerichtssekretär Johann Gümbelein beraubten die Barbaren seiner Habseligkeiten und schlugen ihn mit Spitzhämmern blutig. Die grausame Leidenszeit ist in Lehenbüchern, Ratsprotokollen und Stadtkalendern des Stadtarchives verzeichnet und wird von Pfarrmatrikeln des Dekanats ergänzt.

Obwohl der Dreißigjährige Krieg schon 1648 mit dem Frieden zu Münster zu Ende gegangen war, wird auf dem Gedenkstein am Anwesen Spitalgasse 12 das Jahr 1649 als Friedensjahr genannt. Scheinbar konnte man sich in der Markgrafschaft nicht so recht über den Friedensschluss nach dem Dreißigjährigen Krieg freuen, waren doch noch hohe Forderungen der Schweden zu erfüllen. Deshalb blieb auf der Plassenburg zunächst auch noch eine Schwedische Besatzung.

Die Feierlichkeiten des Friedensfestes begannen in Kulmbach erst am 2. Februar 1649. Früh zwischen 6 und 7 Uhr wurden von Ratsherr Johann Paul Mösch auf dem Turm der Petrikirche und von Zimmermann Heinrich Höfer und Schlosser Peter Arnold auf dem Spitaltor schwarze und weiße Fahnen aufgestellt. Das Gleiche geschah auf der Plassenburg und am Rathaus. Und vom Roten Turm hing ein blaues Fähnlein herunter.

Mit dem Schlag der Kirchenglocken versammelten sich die Honoratioren, die Bürgerschaft und das Landvolk, und im feierlichen Zug ging es zur Kirche hinauf. Dabei blies der Stadtmusikus Georg Callenbach vom Kirchturm herab die Lieder: "Nun lob mei Seel den Herrn" und "Ein feste Burg ist unser Gott". Die Festpredigt hielt Generalsuperintendent Christoph Althofer. Mancher Gottesdienstbesucher wird wohl von ähnlichen Gedanken bewegt gewesen sein, wie es dann später an der Tafel in der Spitalgasse hieß: "Geduld überwindet alles".

Für Kulmbach bedeutete das Ende des Dreißigjährigen Krieges die endgültige Aufgabe der markgräflichen Residenz und den Umzug der markgräflichen Kanzlei in die Nachbarstadt Bayreuth. Dadurch erlitt die Stadt Kulmbach einen erheblichen Nachteil, der erst 200 Jahre später durch den Anschluss an die Ludwigs-Nord-Süd-Bahn wieder ausgeglichen werden konnte.

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Erich, Marcus Olbrich
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Veröffentlicht am:
27. 10. 2019
15:48 Uhr

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Autor

Erich, Marcus Olbrich

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Veröffentlicht am:
27. 10. 2019
15:48 Uhr



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