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Kulmbach

Es zwickt im Schritt

Die neuen Uniformen der Polizei sind schöner. Darüber sind sich die meisten Beamten einig. An der Qualität der Ausrüstung wird allerdings vieles kritisiert. Die DPolG fordert dringend Nachbesserung.



Es zwickt im Schritt
Es zwickt im Schritt  

Kulmbach/Stadtsteinach - In einem sind sich wohl die meisten uniformierten Polizisten einig: die neuen blauen Uniformen sind ohne Frage schöner als die alten grün-beigen. Über den breiten blauen Streifen am Hosenbein rümpft zwar so mancher die Nase und hätte ihn lieber ein wenig schmaler. Grundsätzlich aber herrscht Zustimmung, was die Optik der Uniformen angeht. Ganz anders sieht es mit der Qualität aus. Die Klagen über geplatzte Nähte an Hosen, über Risse an allen möglichen unmöglichen Stellen an Hemden oder auch über Lieferengpässe werden immer häufiger. Jürgen Köhnlein, Polizist aus Kulmbach und Personalratsvorsitzender der oberfränkischen Polizei, weiß, wo seinen Kolleginnen und Kollegen der Schuh drückt. Er war Mitglied der Kommission, die die neuen Uniformen ausgewählt hat, und weiß, dass die Materialien nicht mehr dieselben sind. Bei ihm laufen alle Beschwerden auf, die an die DPolG gerichtet werden, die Köhnlein in Oberfranken vertritt. Er weiß, wovon seine Kollegen sprechen. "Ich hatte selbst schon Probleme mit den Knopfleisten des Hemdes." Dabei hat Köhnlein gar nicht mehr täglich seine Uniform an. Umso ärgerlicher, wenn der Stoff selbst bei nur gelegentlichem Tragen nicht hält. Was viele Polizisten bemängeln: Die Qualität der Probeuniformen sei deutlich besser gewesen. Sie habe nachgelassen, als die Uniformen schließlich in die Massenproduktion gingen.

Rund 27 500 Polizisten tragen in Bayern Uniform. Sie muss nicht nur gut aussehen, sondern vor allem auch robust sein. Polizisten haben nicht selten sehr intensive Einsätze. Da kann es keiner brauchen, wenn plötzlich beim Aussteigen aus dem Auto ausgerechnet am Hintern die Naht der Hose platzt. "Glücklicherweise ist das noch nicht direkt während eines Einsatzes geschehen. Aber wir hatten es schon, dass Kollegen dann halt am oder im Auto bleiben mussten, weil die Hose kaputtgegangen war", berichtet Jürgen Köhnlein über die Beschwerden, die bislang schon bei ihm eingegangen sind. Die sind keineswegs selten. Wöchentlich kommen neue Meldungen über Kleidungsstücke hinzu, die im Praxis-Einsatz versagt haben.

Nicht nur Nähte reißen. Vor allem bei den Hemden scheint es mit der Qualität Probleme zu geben. Köhnlein hat Bilder von Hemden, wo der Stoff unmittelbar neben dem Hoheitsabzeichen am Ärmel eingerissen ist. Es gibt auch Beispiele von Hemden, die es am Rücken regelrecht zerfetzt hat.

Die DPolG in Bayern hat schon im vergangenen Herbst an Innenminister Joachim Herrmann geschrieben und auf Mängel hingewiesen. Eine Qualitätskontrolle, schrieb Landesvorsitzender Rainer Nachtigall damals, finde in Bayern bei der Beschaffung der neuen Uniformen nicht ausreichend statt. In dem niedersächsischen Logistikzentrum, das auch Bayerns Polizei derzeit nutzt, verließen sich die Mitarbeiter auf die Eigenangaben der Lieferanten, klagt die Gewerkschaft. Sie fordert, dass Bayern wieder ein eigenes Zentrum für seine Uniformträger schafft, wie das früher der Fall gewesen ist. Für 27 500 Polizisten, die regelmäßig neue Uniformteile brauchen, lohne sich das. "Für die DPolG ist deshalb klar: Ein ‚weiter so‘ kann es nicht geben", sagt auch Jürgen Köhnlein.

Die Liste der Mängel, die die Gewerkschaft inzwischen zusammengetragen hat, gibt dem Personalratsvorsitzenden und Gewerkschafter Recht: Sowohl bei der Sommerhose als auch bei der Übergangshose löst sich bereits nach dem ersten Waschgang das Taft-Innenfutter an den unteren Rändern auf, Fäden hängen aus dem Gewebe und müssen abgeschnitten werden. Vier Monate nach dem ersten Tragen hatten Strickjacken bereits Löcher an der Stelle, wo die Dienstwaffe getragen wird. Ebenfalls nach vier Monaten sind bereits viele Hemden nur noch gut für den Mülleimer. Nicht nur, weil sie reißen, sondern, weil sich die blauen Hemden an Kragen, Ärmeln und Taschen auswaschen. Und auch die Klettverschlüsse an den Seitentaschen der Einsatzhosen haben offenbar keine lange Lebensdauer. Wenn ein Polizist seinen Einsatzgürtel trägt, kann er nicht mehr in die Hosentaschen greifen. Die blauen Hemden bilden Schweißränder ab, auf den blauen Hosen bleiben Wasserränder zurück, wenn Regentropfen darauf gefallen sind. Die Passform der Hosen wird bemängelt. "Die Liste ist lang, es gibt viele Beispiele", fasst Jürgen Köhnlein zusammen.

Lange Lieferzeiten und Lieferengpässe machen es den Polizisten nicht leichter. Alexander Horn, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion in Kulmbach, braucht einen neuen Gürtel, weil der, den er derzeit trägt, bereits nach sechs Monaten ziemlich angeschrammt aussieht. Doch Horn muss noch warten. Der Gürtel ist gerade nicht lieferbar. Auch Alexander Horn kennt die Schwächen der neuen Uniform. Er lobt die Funktionsjacken. Die seien top, sagt er. Mit Hosen und Hemden gebe es allerdings Probleme. Ja, die neue Uniform ist schöner, betont auch Alexander Horn. Sie sei aber auch anfälliger. "Die alten Uniformen konnte man einfach mal ausbürsten. Heute bleiben Flecken. Es ist halt nicht alles Gold, was glänzt."

Von geplatzten Nähten kann Horst Nölkel, der Leiter der Polizeiinspektion Stadtsteinach, nicht berichten. Aber auch er hat seine Erfahrungen mit der neuen Uniform gesammelt: "Sie verschmutzt schneller als die alte. Das ist wohl der Farbe geschuldet." Eine weitere Erfahrung: Es gebe immer wieder Teile, bei denen die Qualität nicht so gut ist, wie man das erwarten könne. Es sei nicht gerade so, dass ihm die Kollegen mit Beschwerden die Bude einrennen, sagt Horst Nölkel. "Aber es mag schon sein, dass es Unzufriedenheiten mit dem einen oder anderen Teil gibt."

Das könnte man beheben, wenn es in Bayern ein eigenes Logistikzentrum für den Polizeibedarf gäbe, meinen Jürgen Köhnlein und seine DPolG-Kollegen. Der Kulmbacher Polizist hat für die kommende Ausgabe der Gewerkschaftszeitung "Polizeispiegel" geschrieben, warum es Sinn macht, für Bayerns Polizei eine Art Beschaffungszentrale von der Büroklammer bis zum Hubschrauber einzurichten. Die DPolG ist nicht erfreut darüber, dass die Frage, ob es sich lohnt, ein solches Logistikzentrum zu schaffen, seit Dezember 2016 unbeantwortet geblieben ist. Eine Projektgruppe Logistik, der damals auch der jetzige oberfränkische Polizeipräsident Alfons Schieder angehört hat, habe mit enormem Aufwand dieses Thema erörtert. Seit 30 Monaten liege das Ergebnis nun vor. Trotz mehrerer Nachfragen gebe es noch keine Entscheidung. "Seit einem Jahr werden Beschwerden gesammelt, aber es wird immer noch keine Lösung angeboten."

"Mängel an den Uniformteilen, ungeklärte Rechtsverhältnisse zwischen dem Logistikzentrum in Niedersachsen als ‚Internetanbieter‘ und den Käufern sowie die Klärung, ob Schäden auf natürlichen Verschleiß, unsachgemäßen Gebrauch oder mangelnde Pflege zurückzuführen sind, beschäftigen die Retouren-Abteilung und die neu eingerichtete Servicestelle Dienstkleidung bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Und mittlerweile auch die Rechtsschutzabteilungen der Gewerkschaften", schreibt Köhnlein. Viele Gründe sprechen seiner Überzeugung nach für ein solches Zentrum. Die Stelle bei der Bereitschaftspolizei, wo alle Beschwerden zusammenlaufen, könne Klagen nur verwalten, aber nicht reagieren. Das liege auch daran, dass nach der Abschaffung der alten Uniformen, die Bekleidungskommission aufgelöst, eine neue aber noch nicht installiert ist. Der Nachbar Österreich mache es vor. Er betreibe ein eigenes Textillabor, das Anforderungskriterien überprüft.

Das könnte sich dann auch mit Fragen der Qualitätssicherung befassen. Bis dahin rät Köhnlein seinen Polizeikollegen, Schäden an der Uniform nicht einfach hinzunehmen, sondern sie zu melden. "Die Leute müssen sich beschweren, sonst werden die Mängel ja nicht bekannt. Nur so ist es möglich, letztlich Druck auf die Hersteller auszuüben, damit die Qualität der Uniformteile besser wird."

Autor

Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
11. 06. 2019
17:30 Uhr

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11. 06. 2019
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