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Kulmbach

Familienschatz, den es zu hüten gilt

Autorin Sabine Bode spricht bei ihrem Besuch in Kulmbach über Erinnerungskultur und Erzähltradition. Sie betont, wie wichtig es ist, über Kriegserlebnisse zu sprechen.



Auf große Resonanz stieß der Vortrag der Kölner Bestsellerautorin Sabine Bode über Kriegskinder im Martin-Luther-Haus. Die Journalistin signierte Bücher am laufenden Band. Foto: Stephan Stöckel
Auf große Resonanz stieß der Vortrag der Kölner Bestsellerautorin Sabine Bode über Kriegskinder im Martin-Luther-Haus. Die Journalistin signierte Bücher am laufenden Band. Foto: Stephan Stöckel  

Kulmbach - Bombenangriffe, Vertreibung oder Nazi-Terror - die Kriegsgeneration hat viel erlitten. Auch viele Jüngere haben aus den Erzählungen ihrer Eltern oder Großeltern viel über diese schreckliche Zeit erfahren. In einigen Familien indes wurde der Schleier des Vergessens über dieses Kapitel deutscher Geschichte gelegt. Eines, das auch in Kulmbach 74 Jahre nach Kriegsende bei Alt und Jung noch immer präsent ist. Dementsprechend groß war der Besuch beim Vortrag von Sabine Bode im Martin-Luther-Haus.

Mädchen im Strom

Sabine Bodes neuestes Buch heißt "Das Mädchen im Strom". Darin geht es um ein jüdisches Mädchen in Mainz während der Nazi-Zeit. Am Ende der Veranstaltung signierte die Autorin zur Freude ihrer Fans fleißig Bücher.


Der Freundeskreis Kulmbach der Evangelischen Akademie Tutzing, das Evangelische Bildungswerk Oberfranken-Mitte mit Sitz in Bayreuth, der katholische Kulturkreis Kulmbach und der Literaturverein Kulmbach hatten die Bestsellerautorin aus Köln nach Kulmbach eingeladen. Sie hatte mit ihrem 2004 erschienenen Bestseller "Die vergessene Generation - die Kriegskinder brechen ihr Schweigen" das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Bode bedauerte, dass in vielen Familien die Erzähltradition im Jahre 1945 zusammengebrochen sei. Umso mehr freute sie sich, dass viele Kriegskinder in jüngster Zeit den abgerissenen Faden wieder verknüpft hätten. Das sorge dafür, dass die Nachfahren wieder erfahren würden, was damals geschehen sei. "Ich kann nur hoffen, dass sie die Aufzeichnungen gut mit dem Testament verknüpfen und sie nicht im Sperrmüll landen. Schließlich handelt es sich um einen Familienschatz, den es zu hüten gilt", schrieb die Referentin den Zuhörern ins Stammbuch.

Bode sagte mit Verweis auf Studien, die in den vergangenen Jahren erstellt wurden: "Rund ein Drittel jener Menschen, die ihre Kindheit oder Jugend im Krieg verbrachten, ist noch heute von den Spätfolgen belastet." Zuvor hatte sie eine Differenzierung innerhalb dieser Gruppe vorgenommen. Acht bis zehn Prozent von ihnen seien heute - im Alter - psychisch krank. Sie litten an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Bei 25 Prozent zeigten sich die Veränderungen weniger gravierend. "Sie sind", zitierte sie den Traumaforscher Michael Ermann von der Universität München, "in ihrem psychosozialen Lebensgefühl eingeschränkt." Sie hätten Angst vor Veränderungen, seien in einem Schwarz-Weiß-Denken verhaftet, hätten einen schlechten Kontakt zu der Welt der Jüngeren und ein extrem hohes Bedürfnis nach materieller Sicherheit.

Wie wichtig und wertvoll es ist, Geschichte durch Zeitzeugen lebendig zu machen, hat man auch beim Evangelischen Bildungswerk Oberfranken-Mitte erkannt. Pfarrerin und Studienleiterin Angelika Hager stellte ein Projekt vor, in dem man sich mit den Lebensgeschichten und Hoffnungen von alten Menschen aus dem Kulmbach-Bayreuther Raum beschäftigt habe. "Es steht unter dem inspirierenden Bibelvers ‚Unsere Alten sollen Träume haben und dann weitergeben‘", sagte die Rednerin, die zugleich ankündigte, dass die Wanderausstellung nach Kulmbach kommen werde.

Autor

Stephan Stöckel
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Veröffentlicht am:
11. 06. 2019
17:34 Uhr

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Stephan Stöckel

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11. 06. 2019
17:34 Uhr



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