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Kulmbach

Fliegender Wechsel im früheren Edeka-Markt

Die einen ziehen um, die anderen ziehen neu ein: Beim Einzelhandel in Thurnau ist einiges in Bewegung.



Für zwei Leerstände in Thurnau zeichnet sich eine Lösung ab: Der ehemalige Edeka-Markt, der mal als Fitness-Studio-Standort im Gespräch war, wird in Zukunft Kik und Tedi beherbergen. Foto: Ralf Münch
Für zwei Leerstände in Thurnau zeichnet sich eine Lösung ab: Der ehemalige Edeka-Markt, der mal als Fitness-Studio-Standort im Gespräch war, wird in Zukunft Kik und Tedi beherbergen. Foto: Ralf Münch  

Thurnau - Kik und Tedi ziehen in den früheren Edeka-Markt in Thurnau. Das hält die Mehrheit des Gemeinderates für eine gute Nachricht. Nicht so drei Gemeinderäte der SPD/OL-Fraktion: Sie haben sich in der Sitzung gegen die Discounter ausgesprochen.

Die beiden Billig-Märkte würden nicht zu Thurnau passen, befand SPD/OL-Fraktionsvorsitzender Dietmar Hofmann: "Das ist nichts für unsere Ortsmitte." Diese nehme keine gute Entwicklung, wenn sich Kik und Tedi, beides Tochterunternehmen von Tengelmann, in so "exponierter Lage" niederließen. "Wir sehen die Herkunft der Produkte mehrheitlich kritisch, wir sehen die Wegwerfgesellschaft kritisch und wir sehen das Unternehmen kritisch, das keinen Betriebsrat zulässt."

Nicht nachvollziehen konnte die Kritik Veit Pöhlmann, der FDP/UB-Fraktionsvorsitzende. Die neuen Mieter hätten ein Recht darauf, die Immobilie umzubauen. Eine Ablehnung des Antrags wäre rechtswidrig, sagte Pöhlmann. "Die finanziellen Folgen könnten für uns verheerend sein."

Zudem stelle sich die Frage, ob hochpreisige Märkte tatsächlich eine Alternative darstellten. "Es ist nicht unsere Aufgabe, den Leuten zu sagen: Das dürft ihr kaufen und das dürft ihr nicht kaufen." Thurnau sei ein anziehender Einkaufsort und solle dies bleiben, "sonst haben wir bald gar keine Märkte mehr", stellte Pöhlmann weiter fest. Günstige Ware, wie sie Tedi und Kik anbieten würden, hätten auch andere im Sortiment. Der Eigentümer der Immobilie mache diese nicht zum Spielball von Spekulationen, was positiv sei. "Wir sind überzeugt, dass wir etwas gewinnen, das Thurnau entspricht."

Genauso sah dies die CSU-Fraktion. "Das bereichert unser Angebot und ich freue mich darauf", sagte Brigitte Soziaghi (CSU). "Das ist gut für Thurnau." Einen NKD habe es auch schon in Thurnau gegeben, sagte Jürgen Kieslich (CSU). Online-Handel sei in aller Munde, aber hier könnten nun "einfache Leute günstig kaufen".

Klaus Förster und Erwin Schneider (FW-ÜWG) sahen ebenfalls keinen Grund, das Vorhaben abzulehnen. "Ich bin überzeugt, dass diese Märkte die Kaufkraft enorm steigern", sagte Schneider. Dagegen war Dr. Volker Seitter (SPD/OL) der Ansicht: "Bei Tedi herrscht ein hoher Arbeitsdruck und es werden niedrige Löhne bezahlt - dafür sollten sich die einfachen Leute interessieren." Diese Aussage empfand Pöhlmann jedoch als "oberlehrerhaft, elitär und bevormundend".

Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) stellte klar, dass es nicht darum gehe, das Vorhaben zu befürworten oder abzulehnen. Allein über den Antrag der SB-Thurnau GbR, den früheren Edeka-Markt in zwei Einheiten aufzuteilen, sei zu entscheiden. Einen Grünordnungsplan, nachdem sich Kieslich erkundigte, gebe es nicht, so Bernreuther. Um einen Grünzug zu planen, wäre ein langfristiges städtebauliches Konzept erforderlich. Die Erschließung des Gebäudes, das die Discounter nutzen wollen, sei gesichert.

Sein Vorgänger Hofmann gab zu Bedenken, dass bereits vorhandene Einzelhandelsgeschäfte im Markt durch die Billig-Märkte Konkurrenz bekommen würden. Doch Zweiter Bürgermeister Pöhlmann widersprach: "Ich sehe es genau umgekehrt. Auch der Fachhandel braucht Kunden und wir haben die Chance, mehr zu bekommen." Gegen die Stimmen von Dietmar Hofmann, Dunja Pfaffenberger und Volker Seitter (alle SPD/OL) stimmte der Marktgemeinderat dem Antrag zu.

Und noch ein weiterer Umzug steht bevor: Der Discounter Norma wird in das leerstehende, frühere Netto-Gebäude in der Berndorfer Straße ziehen. Dort dürfen ein Werbepylon, Röhrenbänder und Werbeschilder aufgestellt werden. Einen Fahnenmast lehnte der Gemeinderat jedoch mit dem Hinweis ab, dies sei anderen Anbietern auch nicht gestattet worden.

Mit der Zukunft der nun völlig ungenutzten Handelsimmobilie in der Bürgermeister-Kleinlein-Straße 5 will sich demnächst der Gemeindeentwicklungsausschuss befassen.

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Ute Eschenbacher
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Veröffentlicht am:
18. 09. 2019
17:08 Uhr

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Ute Eschenbacher

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Veröffentlicht am:
18. 09. 2019
17:08 Uhr



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