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Kulmbach

Freizeitcenter abgebrannt: Freispruch für mutmaßliche Brandstifter

Der Prozess wegen Brandstiftung im Freizeitcenter am Goldenen Feld in Kulmbach endet mit einer Überraschung. Den beiden Angeklagten ist keine Schuld nachzuweisen.



Mit einem Freispruch auf der ganzen Linie endete gestern ein Prozess, in dem es um die Brandstiftung im Kulmbacher Freizeit-Center ging. Als freie Männer verließen die beiden Angeklagten (links vorne) und (vorne, Dritter von links) den Gerichtssaal in Bayreuth. Sie wurden von den Anwälten Karsten Schieseck und Hilmar Lampert vertreten. Fotos: red
Mit einem Freispruch auf der ganzen Linie endete gestern ein Prozess, in dem es um die Brandstiftung im Kulmbacher Freizeit-Center ging. Als freie Männer verließen die beiden Angeklagten (links vorne) und (vorne, Dritter von links) den Gerichtssaal in Bayreuth. Sie wurden von den Anwälten Karsten Schieseck und Hilmar Lampert vertreten. Fotos: red   » zu den Bildern

Bayreuth/Kulmbach - Manchmal wird der Gerichtssaal zum Schauplatz für die größten Skurrilitäten. So wie am Dienstag, als die Brandstiftung juristisch aufgearbeitet wurde, die im April 2018 das Freizeitcenter am Goldenen Feld in Kulmbach in Schutt und Asche gelegt hatte. Der Prozess endete mit Freisprüchen auf der ganzen Linie - und das, obwohl der Hauptangeklagte der Polizei gegenüber zumindest eine Zeit lang die Tat zugegeben und sich selbst belastet hatte.

Doch der Reihe nach: Es war einer der größten Einsätze in der Geschichte der Feuerwehren in Stadt und Landkreis Kulmbach: Mehr als 270 Aktive bemühten sich am 23. April 2018 darum, die Freizeithalle am Goldenen Feld zu retten. Vergebens. Das große Gebäude, in dem unter anderem eine Bowlingbahn und eine Billard-Lounge sowie gastronomische Einrichtungen untergebracht waren, wurde komplett zerstört. Der Schaden beläuft sich auf zwei Millionen Euro.

23.04.2018 - Brand in Freizeitzentrum - Foto: News5/Fricke

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Am Dienstag hatte die Brandkatastrophe ein Nachspiel: Der damalige Pächter musste sich vor Gericht verantworten. Vorwurf: Brandstiftung und Versicherungsmissbrauch. Mit auf der Anklagebank saß ein 29-jähriger Freund des Bayreuthers, der ihn bei der Ausübung der Tat unterstützt haben soll.

Staatsanwältin Eva-Maria Heßler legte dem Hauptangeklagten zur Last, das Gebäude in Brand gesteckt zu haben. Damit soll er versucht haben, sich dem Nutzungsvertrag zu entziehen, der für die Dauer von zehn Jahren abgeschlossen war. Die monatliche Pacht für das Objekt lag bei rund 12 000 Euro. Die Anklage vermutete, dass der Bayreuther Pächter auf die Insolvenz zusteuerte, nachdem das Freizeit-Center besonders im Sommer nur schwach frequentiert wurde. Zudem habe der Beschuldigte darauf abgezielt, auf diese Weise in den Genuss von Versicherungssummen zu kommen. Er hatte eine Betriebs-Ausfallversicherung und eine Brandversicherung abgeschlossen.

Laut Anklageschrift hatte der mutmaßliche Täter die Unterstützung eines seiner Angestellten. Die Gegenleistung dafür: Eine langfristige Anstellung für den gebürtigen Kasachen, der sich zuvor mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen hatte.

In der Beweisaufnahme kamen zunächst Leute aus dem familiären Umfeld der beiden Angeklagten zu Wort. So lieferte die 16-jährige Tochter der Frau, mit der der Hauptangeklagte zusammenlebt, Entlastendes. Sie bezeugte, dass sich ihr Quasi-Stiefvater in der Tatnacht zu Hause in Bayreuth aufgehalten habe. Sie habe ihn sogar noch morgens um 2 Uhr bemerkt, als dieser in der Küche etwas gegessen habe.

Ähnlich äußerte sich auch die Lebensgefährtin des 38-Jährigen. Beide hätten sich nach 22 Uhr schlafen gelegt, gab sie an. Dass ihr Freund sich unbemerkt zur Tatausführung hätte davonschleichen können, schloss sie vehement aus. In der Altbau-Wohnung knarzten die Dielen so sehr, dass so etwas aufgefallen wäre: "Er war daheim. Das weiß ich zu 100 Prozent," sagte die 41-jährige Zeugin.

Auch die Angehörigen des Mitangeklagten entlasteten den Mann. Der habe sich die ganze Nacht über in der elterlichen Wohnung aufgehalten, nachdem er zum damaligen Zeitpunkt über kein eigenes Domizil verfügt habe, erklärte dessen Schwester. Weil der Angeklagte weder einen Führerschein noch ein Auto besitzt, hätte er sich zum Tatort bringen lassen müssen.

Dies untermauerte auch der Vater, der seinem Sohn jegliches Motiv absprach: Sein Sohn sei heilfroh gewesen, endlich eine feste Anstellung zu haben. Wieso sollte der durch die Brandstiftung seinen eigenen Arbeitsplatz vernichten?

Keine stichhaltigen Beweise gegen die Angeklagten konnte die Polizei liefern. Ein Kriminalbeamter führte aus, dass die Auswertung von Handy-Daten, SMS-Nachrichten und des Navigationsgeräts im Audi des Angeklagten keine verwertbaren Daten geliefert hatten. Auch die Video-Überwachung an Tankstellen sei nicht zielführend gewesen. Fehlanzeige auch bei der Suche nach belastender DNA.

Der Kripo-Beamte wies allerdings darauf hin, dass der Hauptangeklagte das Geschäftsjahr 2017 mit 30 000 Euro Minus abgeschlossen habe. Bei seiner Vernehmung habe sich der Bayreuther verdächtig verhalten. So hatte der SMS-Nachrichten von seinem Handy gelöscht. Die Wiederherstellung einer Nachricht aus der Tatnacht ergab allerdings auch keine belastenden Momente. Wie bei dem Verfahren vor dem Schöffengericht deutlich wurde, hatte sich der Angeklagte jedoch eine Zeit lang selbst belastet. Der Kripo gegenüber räumte der Mann die Brandstiftung ein.

Das Geständnis soll er abgelegt haben, um sich bei der Polizei dem weiteren Ermittlungsdruck zu entziehen. Zudem war der Angeklagte nach seinen eigenen Einlassungen der Meinung, dass er auf diese Weise eine andere Straftat habe verdecken können: Steuerhinterziehung für einen Entnahmebetrag von 40 000 Euro, die er an der Kasse vorbeigeschleust hatte.

Der labil und unsicher wirkende Mann hatte gegenüber der Polizei gleich mehrere Tatvarianten geschildert. Einmal will er den Brand allein gelegt haben, dann mit seinem Angestellten zusammen und zu guter Letzt will er bei der Ausführung nicht dabei gewesen sein, sondern den Mitangeklagten angestiftet haben. Allerdings widerrief der 38-Jährige seine Anschuldigungen und sein Geständnis. Sich selbst bezeichnete er als unschuldig: "Ich war das nicht."

Vorsitzender Richter Daniel Götz sprach beide Angeklagten frei. Die Beweislage sei zu dünn, als dass man darauf hätte ein Urteil gründen können: "Die Indizien belasten keinen der beiden Angeklagten hinreichend." Der Richter bedauerte, dass es im Prozess nur bedingt gelungen sei, Licht ins Dunkel zu bringen. Klar ist für das Gericht nur, dass der Täter ein Insider sein muss. Der hatte Zugang zum Gebäude - es gab keine Aufbruch-Spuren - und er hat einen Recorder verschwinden lassen, der mit Überwachungskameras verbunden war. Entlarvendes Täterwissen konnte man dem Pächter ebenfalls nicht nachweisen, da sich Einzelheiten der Tat recht schnell in Kulmbach herumgesprochen hatten.

Auch die Staatsanwältin sowie die Verteidiger Karsten Schieseck und Hilmar Lampert hatten auf Freispruch plädiert.

Autor

Klaus Rössner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 01. 2020
18:02 Uhr

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Klaus Rössner

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Veröffentlicht am:
14. 01. 2020
18:02 Uhr



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